Durch den Monat mit: - Christian Boros

Durch den Monat mit: Christian Boros

In unserer neuen Serie präsentieren Kunstprofis jeden Monat für art ihre persönlichen Höhepunkte. Diesmal: Christian Boros, Jahrgang 1964, Inhaber einer Agentur für Kommuni­ka­tion. Seine Sammlung zeitgenössi­scher Kunst zeigt er in einem umgebauten Ber­liner Bunker.
Neugier auf Unbekanntes:Durch den Monat mit: Christian Boros

"Berlin ist im Frühsommer am schönsten, gekrönt wird diese Zeit alle zwei Jahre von der Berlin-Biennale", sagt Christian Boros

Mein Highlight im Juni ist für mich als Sammler natürlich die Art Basel. Aber nicht nur die Messe selbst, sondern auch die Wochen davor sind aufregende Zeiten, denn dann besuche ich im Vorfeld Galeristen, um zu sichten, was auf die Messe mitgenommen wird. Manche Stücke brauchen vielleicht erst gar nicht eingepackt zu werden.

Auf dem Weg nach Basel habe ich dieses Jahr einen Zwischenstopp in Baden-Baden eingeplant, dort richtet die Staatliche Kunsthalle dem amerikanischen Konzeptkünstler Christopher Williams eine Retrospektive aus. In Basel lasse ich mir dann auf keinen Fall die Ausstellung von Félix González-Torres in der Fondation Beyeler entgehen. Das Werk dieses viel zu früh gestorbenen Künstlers berührt mich sehr. Berlin ist im Frühsommer am schönsten, gekrönt wird diese Zeit alle zwei Jahre von der Berlin-Biennale. Man geht auf urbane Erkundungsreise und sieht nicht nur die beste internationale zeitgenössische Kunst, sondern auch Arbeiten an ungewöhnlichen Orten. Es ist mit das Interessanteste, unbekannte Berliner Räume und Orte von ungeahnter Qua­lität zu entdecken.

Auch Elizabeth Peyton wird ihre neuesten Gemälde in einem seit über zehn Jahren verschlossenen, morbiden Ballsaal mit Blick auf den Märkischen Kanal zeigen (bis 29. Mai). Wilhelm Sasnal in der Galerie Johnen, Franz Ackermann bei neugerriemschneider und Manuela Leinhoß bei Micky Schubert stillen meine Neugier auf neue Arbeiten von Künstlern aus meiner Sammlung. Was der Sammlerkollege Thomas Olbricht vorhat, sollte man sich bei der ersten Präsentation in seinem neuen Schauraum in der Auguststraße angucken.

Außerdem werde ich mir Zeit für den Hamburger Bahnhof und die Werkschau von Bruce Nauman nehmen. Nach den vielversprechenden Arbeiten in der Universität von Venedig im letzten Sommer bin ich gespannt darauf, mehr seiner großartigen Installationen zu erleben. Als wöchentlicher Pendler zwischen meiner Wahlheimat Berlin und dem Rheinland freue ich mich auf Danh Vo in der Galerie Daniel Buchholz im geliebten Köln. Einen Umweg mache ich jedoch gerne über Münster, um die Ausstellung von Alicja Kwade im Westfälischen Kunstverein zu besuchen. Die ist für mich besonders spannend, denn ich habe den Katalog mitkonzipiert und gestaltet.

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