Marion Ackermann - Kunstsammlung NRW

Marion Ackermann wechselt nach Düsseldorf

Nach fünf turbulenten und erfolgreichen Jahren als Leiterin des Kunstmuseums Stuttgart übernimmt Marion Ackermann, 43, im kommenden Sommer die Direktion der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Ein Porträt.
Aufbauen, anpacken:Marion Ackermann wechselt nach Düsseldorf

"Wenn das Haus perfekt dagestanden hätte, meint Marion Ackermann, "hätte es mich nicht gereizt".

Die Frau mag Schwierigkeiten. Sie beißt sich gern durch, ja, sie hatte sogar richtig Lust auf einen "Haufen Scheiße". So hatte ihr Vorgänger das geplante Kunstmuseum Stuttgart genannt – und musste daraufhin seinen Posten räumen.
Stattdessen kam: Marion Ackermann.

Eine junge Frau, die am Lenbachhaus in München Kuratorin war – und die kaum jemand kannte. Diplomatisch, freundlich, aber beherzt packte sie an, schaufelte den Mist aus dem Augiasstall, befriedete die zahllosen Streitereien – und schaffte es nicht nur, dass die Eröffnung des neuen Kunstmuseums Stuttgart zu einem Erfolg wurde, sondern sich das Haus seither auch überregional bestens positioniert mit monografischen Ausstellungen von Josephine Meckseper oder derzeit Christian Jankowski. In Stuttgart hat man Marion Ackermann, 1965 in Göttingen geboren, schnell ins Herz geschlossen. Auf Podien ist sie eine eloquente und gescheite Rednerin. Im persönlichen Gespräch ist sie freundlich, bei gesellschaftlichen Anlässen charmant, im Arbeitsalltag entschieden und Fremden gegenüber offen und interessiert. So etwas spricht sich schnell herum. Deshalb übernimmt Ackermann im kommenden Sommer die Leitung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im Düsseldorfer K 21, weil man sie "so heiß angeworben" habe, "mit so guten Konditionen", wie sie erzählt. Da konnte sie nicht nein sagen, auch wenn sie gern noch zwei, drei Jahre in Stuttgart geblieben wäre. "Die Entscheidung ist mir und meiner Familie äußerst schwer gefallen", sagt sie, "ich bin ganz wehmütig."

"Die Schwellen niedriger legen"

Auch die Stuttgarter lassen sie höchst ungern ziehen. Aber in Düsseldorf darf Ackermann eben wieder anpacken, wieder Aufbauarbeit leisten. "Wenn das Haus perfekt dagestanden hätte", erzählt sie, "hätte es mich nicht gereizt". Das, was sie in Stuttgart in "nichtkünstlerischen Bereichen" gelernt habe, komme ihr dort zugute: Wirtschaftlichkeit, Baubegleitung, Teamaufstellung. Das Team im K 21 ist allerdings doppelt so groß, Düsseldorf sei zudem eine schwierige Stadt – "viel Kunst, viele Künstler". Diese wolle sie stärker ans Haus binden, und statt dieser Art "Tempelhaftigkeit", wie sie es nennt, will sie "die Schwellen niedriger legen". Eine Eventfrau, wie die Düsseldorfer Presse bereits schrieb, ist Marion Ackermann aber nicht. Dazu ist sie viel zu sehr Wissenschaftlerin – sie hat unter anderem in München Kunstgeschichte, Germanistik und Geschichte studiert.

Sie hat über Wassily Kandinsky promoviert und versucht bis heute, neben ihrer Leitungstätigkeit theoretisch zu arbeiten. Deshalb geht sie aus Prinzip nicht auf Vernissagen, sondern schaut sich Ausstellungen lieber später in Ruhe an. Sie sagt die meisten Anfragen für Jurys und Kommissionen ab, zumal sie inzwischen auch einen kleinen Sohn hat. Trotzdem hat sie das Kunstmuseum immer dort repräsentiert, wo es notwendig war, und sich auch kulturpolitisch
eingemischt. Diese Marion Ackermann stemmt eine ganze Menge. Wie sie das schafft? Mit Effektivität einerseits. Mit Kunst andererseits. Sie hat ein Jahr in Wien studiert, die Seminare wurden in der Albertina abgehalten, "man konnte sich alle Originale bestellen", erzählt sie. Das habe sie geprägt – und die Kunst ist für sie seither eine Art Stimulanz. Egal wie viel Trubel und Ärger um sie herum sei, selbst die Streitigkeiten, als sie in Stuttgart ankam, "sind nie in
mein Innerstes gedrungen", erzählt sie. Denn ins Innerste durfte immer nur die Kunst.

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