Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit historischen Gemeinsamkeiten von Sarajevo und Berlin, Modefotografie von Horst P. Horst und dem Urban Art-Netzwerk 'Reclaim Your City'.

München: Klassisches Schönheitsideal

Der deutsch-amerikanische Fotograf Horst P. Horst (1906 – 1999) ist einer der stilbildenden Mode-, Gesellschafts- und Aktfotografen des 20. Jahrhunderts.

Horst, der 1931 seine Karriere in Paris bei der französischen "Vogue" begann, hatte einen ausgeprägten Sinn für Geometrie und Linienführung und ein meisterhaftes Gespür für die Komposition mittels Licht und Schatten. Sein Interesse galt vorwiegend dem klassischen Schönheitsideal, das sich am eindrucksvollsten in seinem weltbekannten Rückenakt "Mainbocher Corset" widerspiegelt. Aber auch für den Surrealismus hatte Horst ein Faible: In Zusammenarbeit mit Salvador Dalí entwarf er phantasievolle Kostüme und setzte sie anschließend in seinem Studio fotografisch in Szene. Eine Ausstellung in München zeigt 35 Schwarzweißfotografien von Horst, die er zwischen 1930 und 1980 aufnahm.

Die Ausstellung "Horst P. Horst: Icons of Fashion and Beauty" ist vom 23. November bis zum 19. Januar 2013 in der Galerie Bernheimer Fine Art Photography in München zu sehen.

Langenhagen: Fehler im System

Mit akribischer Präzision baut der Künstler Christian Haake Modelle alltäglicher Objekte und Räume. Bei den Miniaturen oder großen Installationen geht es jedoch nicht um einfache Dopplungen der Realität, sondern um die produktive Kraft der Erinnerung. Alle Arbeiten entstehen aus dem Gedächtnis Haakes und enthalten daher Spuren fortlaufender Rekonstruktionsprozesse, bei denen Lücken, Risse und Leerstellen des Vergessens mit verschiedenen Beobachtungen aufgefüllt werden. Seine Nachbilder enthalten feine Abweichungen, Fehler im System und verschieben somit sachte die Realitäten. Christian Haake, der neben Kunst auch Kunstwissenschaft und Philosophie studierte, wird für die Ausstellungsräume des Kunstvereins Langenhagen neue Arbeiten realisieren.

Die Ausstellung "Christian Haake - Echoes" ist vom 25. November bis zum 3. Februar 2013 im Kunstverein Langenhagen zu sehen.

Berlin: Historische Gemeinsamkeit

Eine Kooperation der Universität der Künste Berlin (UdK) und der Akademie der Künste der Universität Sarajevo (ALU) beschäftigt sich mit der Beschränkung von Raum in den Hauptstädten Berlin und in Sarajevo. Das einst geteilte Berlin und das einst belagerte Sarajevo sind Paradebeispiele für die sichtbare Einwirkung von politischen und sozialen Veränderungen im Stadtraum. Unter dem Arbeitstitel "limited space" sind filmische Projekte entstanden, die von Studierenden der beiden Hochschulen parallel im Sommersemester 2012 erarbeitet wurden. Die Filme zeigen, wie Belagerung, Teilung oder Beschränkung von Stadtraum die zwei Städte bis heute prägen.

Die Ausstellung "limited space: Sarajevo / Berlin" ist vom 23. November bis 7. Dezember 2012 in der Galerie designtransfer der Fakultät Gestaltung an der Universität der Künste Berlin zu sehen.

Mönchengladbach: Die Auflösung

Das JHQ (Joint Headquarters) ist ein unbekannter Stadtteil am Rande von Mönchengladbach. Einst war das JHQ eine funktionsfähige Kleinstadt, heute wirkt der militärische Siedlungsbau verlassen. Bis Ende 2013 wird das JHQ voraussichtlich komplett von den britischen Soldaten aufgegeben. Die Fotografen Nicole Blaffert und Franz Wamhof, beide Studenten von Candida Höfer, haben in Abständen längere Zeiträume im JHQ verbracht und den Auflösungsprozess des Stützpunktes in Fotografien festgehalten. Gerade der Moment der Auflösung, den die Fotodokumentation einfängt, macht das militärische und alltägliche Leben, das auf dem Kasernengelände stattgefunden hat, vorstellbar.

Die Ausstellung "JHQ Die Auflösung - The Closure" ist noch bis zum 17. Februar 2013 im Städtischen Museum Schloss Rheydt zu sehen.

Hamburg: Reclaim Your City

"Die Kunst ist das Kollektiv. Die Stadt gehört allen!" lautet das Credo von Reclaim Your City (RYC) einem Berliner Netzwerk von Urban Artists, Graffiti-Crews und anderen Aktivisten. Gemeinsames Ziel: sich mit unterschiedlichen Aktionsformen den öffentlichen Raum aneignen. Bei einer Ausstellung im Hamburger Gängeviertel, das seit seiner Besetzung 2009 ein Freiraum für Kunst-, Kultur- und Polit- Aktivisten ist, treffen RYC aus Berlin auf Verbündete und Interessierte in Hamburg. Entgegen zunehmender Privatisierung und Kommerzialisierung von Lebensraum und Kultur soll mit der Ausstellung eine Brücke zwischen Streetart und Graffiti, nachbarschaftlichem Gärtnern und Hausbesetzungen, Fabrikhallen-Raves und alternativer Stadtplanung, Miet-Protesten und anderen sozialen Bewegungen geschaffen werden.

Die Ausstellung "Reclaim Your City" ist vom 24. November bis zum 9. Dezember 2012 in den Galerien Links Rechts, Kupferdiebe und weiteren Orten im Hamburger Gängeviertel zu sehen.