Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Maja Hoock empfiehlt diese Woche alternative Kunst in Dresden, New York mal ohne Hektik und ein neues Galeriehaus in Berlin Mitte.

Dresden: Ohne uns!

Wo kann man besser Untergrund-Künstler sein, als in einem Land mit einer übermächtigen, humorlosen Regierung? Nun, überall und nirgendwo. Einerseits hatte die staatsferne Kunstszene in der DDR mit starken Repressionen zu kämpfen. Andererseits war es damals auch einfacher, zu schockieren und anzuecken, als heute.

Die Ausstellung "Ohne uns!" zeigt in der DDR unerwünschte Installationen, Fotos, Bilder und Skulpturen von über 100 Künstlern. Darunter sind hauptsächlich Dresdner, deren subversive Arbeiten nicht den Vorstellungen des Staates entsprachen. Beispielsweise der bekannte Maler und Bildhauer A.R. Penck: Der gebürtige Dresdner wurde mit seinen gestalterisch reduzierten Strichmännchen und "Höhlenmalereien" weltberühmt. Seine symbolhaften Arbeiten entsprachen den in der DDR erwünschten "realistischen" Darstellungen in keiner Weise. "Ohne uns!" ist bis zum 17. Januar 2010 in Dresden zu sehen. Während der gesamten Ausstellungszeit gibt es an verschiedenen Orten Vorträge, Filmabende, Diskussionsrunden und Musikperformances. Die Themen "Gegengemeinschaften", "Tugendterror", "Anti-Helden" und "Protest" sollen im Vordergrund stehen.

München: New York Sleeps

Menschenmassen, die sich durch grell beleuchtete Straßen schieben, hektische Szenen unter Neonreklamen, 24-Stunden-Supermärkte, hupende Autos: Schnell, laut und bunt sind im Allgemeinen die Assoziationen, die man zu New York hat. An Ruhe und Einsamkeit denken da die Wenigsten, trägt die Weltmetropole doch sogar den Beinamen "Stadt, die niemals schläft". Christopher Thomas Fotografien aber zeigen ein ganz anderes, ein ruhendes New York. Niemand ist auf der Straße, alles wirkt wie ausgestorben. Der Fotograf bildet menschenleere Gebäude und Straßenzüge in milchigem Licht ab. Bekannte Motive wie das "Flatiron Building" oder die Skyline von Manhattan wirken auf den Schwarzweiß-Aufnahmen seltsam fremd. Weicher Schnee scheint die letzten Geräusche zu schlucken und das Wasser, das schwarz und ruhig vor Manhattan liegt, verstärkt die fast kleinstädtische Idylle, die die Großstadt auf den Bildern ausstrahlt. Seine Ausstellung "New York Sleeps" ist noch bis 17. Oktober in der Münchner Bernheimer Galerie zu sehen.

München: "Große Malerei Ausstellung"

Der Titel "Große Malerei Ausstellung" könnte in die Irre führen. Denn neben Gemälden gibt es auch Performances, Installationen, Skulpturen und Videos von sechs jungen Künstlern zu sehen. Sie alle leben in München oder haben eine Zeit dort studiert oder gearbeitet. In der "Lothringer 13" stellen sie nun nicht nur ihre Bilder, sondern auch ihr künstlerisches und musikalisches Umfeld vor. Der gebürtige Münchner Hedwig Eberle zeigt nach einem langen Amerikaaufenthalt dunkle Gemälde mit dicker Farbauftragung. Satoko Kako aus Tokio, die eine Zeit lang an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert hat, präsentiert Arbeiten, die zunächst wie Kinderzeichnungen wirken, auf den zweiten Blick aber durchaus düster sind. Die "Große Malerei Ausstellung" in der Städtischen Kunsthalle München eröffnet am 24. September und endet am 10. Januar 2010.

Berlin: Neues Galeriehaus in Mitte

Berlin Mitte bekommt neuen Kunstraum: Die Galerie Krobath Wimmer aus Wien, die Produzentengalerie Hamburg und die Galerie Johnen ziehen gemeinsam in ein renoviertes Gebäude in der Marienstraße. Jörg Johnen, der Besitzer des Hauses ist, wohnt in der oberen Etage und richtet dort auch seine persönliche Sammlung ein. Der Hauseingang ist Teil einer permanenten Installation des polnischen Künstlers Robert Kusmirowski. Zur Eröffnung am 25. September wird die Schau "Rear Room" mit Arbeiten von Roman Ondák gezeigt. Ondák ist mit seinem tschechisch-slowakischen Pavillon auf der Venedig-Biennale 2009 vertreten. Was manche Besucher außerdem besonders erfreuen könnte: Der kanadische Künstler Tim Lee wird im Erdgeschoss eine Whiskybar eröffnen.

Bayreuth: Diet Sayler. Malerei lügt nicht.

"Das Prinzip ist Form, Farbe ist Freiheit, Zufall ist der Augenblick." So beschreibt Diet Sayler seine Vorstellung von Geometrie. Das Bayreuther Kunstmuseum zeigt eine große Retrospektive des Malers; unter dem Titel "Malerei lügt nicht" werden Arbeiten aus den sechziger Jahren bis heute ausgestellt. Dabei geht es um konkrete Formen, klare, starke Farben und exakte Linien. Aber Sayler wendet sich gegen die reine, akademische Geometrie. Vernunft und Empfindung sollen miteinander einhergehen. In seinem Bild "Zufall" von 1969 etwa fallen aus einer Reihe akkurater schwarzer Balken einige heraus und bringen die Ordnung durcheinander. Sayler ist in der siebziger Jahren ist nach Deutschland ausgewandert. Von 1992 bis 2005 unterrichtete er an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. In seiner Heimat Rumänien durfte er zu Sowjetzeiten seine abstrakten Bilder übrigens nicht ausstellen. "Malerei lügt nicht" wird am 27. Oktober eröffnet und ist bis 22. November im Bayreuther Kunstmuseum zu sehen.