Tipps der Woche - Gib mir Fünf!

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: Unterwerfung, Chaos, Granzsituationen, "Art Brut"

Berlin: "Things Fall Apart"

Seit jeher versucht der Mensch mit politischer oder religiöser Macht Ordnungssysteme aufzubauen – sei es durch Gesetze oder religiöse Regeln – um für Kontrolle in der Gesellschaft zu sorgen. Doch was passiert, wenn genau dieses System zu kollabieren droht? Mit dieser Vorstellung setzt sich die von der Amerikanerin Amy Stein kuratierte Ausstellung "Things Fall Apart" in der Berliner Pool Gallery auseinander.

Diese zeigt die persönlichen und menschlichen Standpunkte sieben amerikanischer Fotografinnen, die sich mit den Themen Verlust und Endlichkeit auseinandersetzen. In ihrer eigenen Serie "Stranded", die auf einer Fahrt quer durch die USA entstand, präsentiert Stein gestrandete Autofahrer und verweist auf die Leere am Rande der amerikanischen Highways und Interstates. Sie schildert Situationen, die sich auf unseren Alltag übertragen lassen: Unterwerfung und Dominanz, Vertrautheit und Angst. Robin Schwartz‘ "Dead Deer" befasst sich mit dem immer wiederkehrenden Kreislauf von Verfall und Veränderung in der Welt. Ihre bevorzugten Motive sind ihre Tochter Amelia in Interaktion mit verschiedenen Tieren. Fest steht: Um gegen das Chaos in der Welt anzukommen, benötigt der Mensch Ordnungssysteme, an die Glauben und nach denen er Handeln kann.

20. November 2010 bis 15. Januar 2011 in der Pool Gallery

Wien: "Vienna Art Week"

Diese Woche dürfte die Zeit für den Besuch in einem der traditionellen Kaffeehäuser reichlich knapp werden, wirft man einen Blick auf das Programm der "Vienna Art Week". Unter dem Titel "Crossing Limits" finden unter anderem Studiobesuche bei zeitgenössischen Künstlern und Architekten statt, dazu Gespräche mit Museumsdirektoren, Künstlern, und Kuratoren sowie der Interviewmarathon "Talking Heads", die Performancereihe "Speak and Spell" oder verschiedene Interventionen von Studierenden der Universität für angewandte Kunst. Dabei spielt nicht nur die besondere geografische Lage Wiens zwischen West und Ost eine Rolle. Es wird vor allem auch die Frage nach den Konsequenzen für die hiesige Kunstszene gestellt, deren Akteure sich angesichts der gegenwärtigen Krisensituation beständig mit Grenzsituationen konfrontiert sehen. Aber auch die unabhängige Kulturberichterstattung wird zum Thema gemacht, wenn bei der Podiumsdiskussion am Freitag im Lichtenstein-Museum unter anderem Max Hollein danach gefragt wird, ob Kunstkritik käuflich ist. Und wie es um das Verhältnis von öffentlichem und privatem Sektor des Kunstlebens steht, diskutieren direkt im Anschluss unter anderem Udo Kittelmann und Hans Ulrich Obrist im Dorotheum. Genügend Zeit für das Kaffeehaus ist beim nächsten Wienbesuch schließlich immer noch.

15. bis 21. November 2010 in Wien

Köln: "Cologne Contemporaries"

"WEI NOTT" – so lautet der Titel des Magazins, das parallel zur diesjährigen Novemberveranstaltung der "Cologne Contemporaries" erscheint. Und warum eigentlich auch nicht? Diese Frage haben sich wohl auch die elf jungen Galeristen und Inhaber zweier Projekträume für zeitgenössische Kunst vor zwei Jahren gestellt, als sie sich zu der Initiative "Cologne Contemporaries" zusammenschlossen. Mit verschiedenen Veranstaltungen streben sie die Verdichtung der Kölner Kunst- und Kulturszene an, und so wird in diesem Jahr erneut zu einem Galerien-Rundgang geladen. Nach der Eröffnung bei Clages, wo Arbeiten von Owen Gump, Michail Pirgelis und Bernhard Walter zu sehen sind, geht es auf zum dreistündigen Rundgang. Dieser führt unter anderem weiter zu den Galerien Desaga (mit Arbeiten von Bernd Krauß, Dexter Sinister und anderen), Christian Lethert (Fergus Feehily mit "Recent Work"), den Raum Drei, Schmidt & Handrup, Teapot, oder Warhus Rittershaus. Da gleichzeitig der Austausch mit den angrenzenden Benelux-Ländern angeregt werden soll, sind mit Nosbaum & Reding, Sébastien Ricou oder Martin van Zomeren auch internationale Galerien vertreten. Noch weiter intensivieren können diesen Austausch schließlich alle Beteiligten im Anschluss in der Kölner Musikbar Hallmackenreuther.

19. bis 20. November 2010 in Köln

München: "euward5"

Die Augustinum-Stiftung im Haus der Kunst in München verleiht heute zum fünften Mal den "euward", den Europäischen Kunstpreis für Malerei und Grafik von Künstlern mit geistiger Behinderung. Der "euward" ist die erste und bislang einzige Auszeichnung von internationaler Bedeutung auf diesem Sektor. Gleichzeitig ist Gelegenheit, in einer Ausstellung die Kunst der Preisträger und der 22 weiteren nominierten Künstler aus acht europäischen Nationen kennenzulernen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die diesjährigen Preisträger sind Annemarie Delleg (Italien), Peter Kapeller und Sigrid Reingruber (beide Österreich).
In der Tradition der Art Brut, wie sie durch Jean Dubuffet begründet wurde und eine internationale Entwicklung zur so genannten "Outsider Art" nahm, hat sich in jüngerer Zeit die Produktion von Künstlern mit geistiger Behinderung immer mehr als eine eigenständige künstlerische Szene herausgebildet. Betreute Ateliers, die seit den siebziger Jahren überall in Europa entstanden, bieten ihnen die Möglichkeit ihre bildnerische Sprache in Kontinuität zu entwickeln.

19. November bis 9. Januar 2011 im Haus der Kunst

Berlin: "Crossing The Line"

Zwischen Stahltüren und massiven Mauern präsentiert die Kunsthistorikerin Lisa Scherf ihre erste Ausstellung "Crossing The Line" in der Spot Galerie in Berlin. Als Schauplatz – für den Moment – dient das Gebäude des ehemaligen Operativ-Technischen Sektors der Stasi. Wie auch nicht jeder der jungen Künstler, die in der Galerie ausstellen, fest in der Kunstwelt verwurzelt ist, wechselt auch der Präsentationsraum künftig seinen Standort. Derzeit werden Werke von vier Künstlern ausgestellt, die zusammen die Bereiche Architekturfotografie, Malerei, Zeichnung und Videoprojektion abdecken. Der Fotograf Matthias Heidrich setzt sich beispielsweise mit dem Thema "Isolation in der Großstadt" auseinander. Seine Bilder zeichnen sich durch eine gewisse Leere und Stille sowie das Fehlen jeglicher Lebendigkeit aus. In den Werken des japanischen Zeichners Kazuki Nakahara hat die Linie eine wesentliche Bedeutung. Seine Werke strahlen etwas Ruhiges, Meditatives aus.

20. November bis 17. Dezember 2010 in der Spot Galerie