Elena Ochoa Foster - Madrid

Ich gehe meine eigenen Wege

Einst sorgte Elena Ochoa Foster mit einer Talkshow über Sex im katholischen Spanien für Furore. Heute macht die Psychologin und Ehefrau von Stararchitekt Lord Norman Foster vor allem mit einer der exklusivsten und angesagtesten Kunstgalerien Spaniens von sich reden.
Spaniens wichtigste Galeristin:Elena Ochoa Fosters ist in der Kunst zuhause

Elena Ochoa Foster ist eine der wichtigsten Verlegerinnen, Galeristinnen und Kunstkennerinnen Spaniens. Hier liest sie für ihren Verlag Ivorypress das "Long Book" gegen

Langsam bildet sich eine Schlange vor dem milchigen Glasschaufenster des Madrider Kunstbuchverlags Ivorypress.

Eine sympathische Galerieangestellte bittet um etwas Geduld, da der Andrang in den kleinen Räumlichkeiten zu groß sei. Das Interesse an den eigens für Iyorypress gefertigten Künstlerbüchern von Olafur Eliasson ist enorm.

Getreu seiner Linie kreierte der dänische Künstler isländischer Herkunft nicht Bücher mit Tinte und Buchstaben, sondern aus Lichtspielen, Kreisstrukturen und Reflexionen. "A view becomes a window" heißen die neun Künstlerbücher mit Lederdeckel, deren Seiten jedoch aus farblich unterschiedlichen Glasplatten bestehen. Perspektivisch scheint man beim Betrachten in sie hineinzufallen. Sie sind eine Art Hommage an das Buch als einen Ort, an dem wir uns befinden.

Elena Ochoa Foster führt den Künstler durch die Vernissage, stellt ihn Kunstsammlern und Journalisten vor. Doch gehört Olafur Eliasson keineswegs die gesamte Aufmerksamkeit. Auch die Galeristin steht im Mittelpunkt des Interesses. Elena Ochoa Foster ist keine normale Galeristin. Sie ist ein "Star" in der Branche, auch wenn sie es nicht gerne hört. Der Großteil der Spanier kennt Ochoa Foster vor allem wegen ihrer TV-Talkshow über Sex, mit der die promovierte Psychologin in den neunziger Jahren für Furore im katholischen Spanien sorgte. "Aber das ist Vergangenheit. Das bin ich nicht mehr", sagt die 55-jährige Spanierin.

Doch wer ist sie dann? Sie ist heute eine der wichtigsten Kunstbuchverlegerinnen, Galeristinnen, Kunstsammlerinnen, Mäzeninnen und Ausstellungskuratorinnen Spaniens. Die Veränderung, der Wechsel und die Flexibilität mache das Leben aus, sagt Ochoa Foster. So erfindet auch sie sich immer wieder neu, lebt im "Heute und Morgen, nie in der Vergangenheit".

1996 eröffnete sie nach ihrer Heirat mit dem britischen Stararchitekten Lord Norman Foster in Madrid ihren damals noch kleinen Kunstbuchverlag. Heute ist Ivorypress eine Kunst- und Kulturmaschine mit rund 45 Angestellten und knapp 7500 Quadratmetern, verteilt auf Buchladen, Galerie, Verlag und Archiv. Und was für eine Kunstmaschine!

Elena Ochoa Foster ist zwar erst "kurz dabei", wie sie sagt, aber sie ist eine intelligente, sehr zielstrebige und vor allem gut vernetzte Galeristin. Mit ihrem Mann, der ihr natürlich auch viele Türen öffnet, lebt sie zwischen London, Madrid und Genf. Zu Hause aber ist sie in der Welt. Das Reisen ermögliche ihr, immer wieder neue Künstler, neue Kunstformen und neue Materialen kennen zu lernen, sagt die Galeristin.

Eine kunsthistorische Ausbildung hat die promovierte Psychologin nie genossen. Doch die Kunst war schon immer ihre Leidenschaft, und sie beweist guten Geschmack und Risikobereitschaft. Schon mit 22 Jahren kaufte sie ihr erstes Kunstwerk, eine Fotografie des heute bekannten spanischen Fotokünstlers Chema Madoz. Zu Hause haben die Ochoa Fosters vor allem abstrakte und zeitgenössische Kunst hängen. Sie liebt die Lichtinstallationen von James Turrell und die kubistische Bewegung. Elena Ochoa Foster hat sich alles selbst erarbeitet und als Galeristin hauptsächlich aus ihren "vielen Fehlern gelernt". So ist neben Denise René und Marian Goodman vor allem auch "Selfmade-Galerist" Thaddaeus Ropac eines ihrer großen Vorbilder.

"Elena Ochoa Foster beweist eine große Sensibilität bei der Auswahl ihrer Künstler und der Gestaltung der Ausstellungen", bescheinigt ihr auch die spanische Kunstexpertin Teresa Navajas Alberca. "Es ist ein Luxus, eine Galerie in Spanien zu haben, die es ermöglicht, Ausstellungen solchen Kalibers zu sehen. Eine wahre Oase", so die Kunstmarktexpertin.

Tatsächlich zeigt und verkauft Elena Ochoa Foster in Ivorypress die ganz großen Namen: Ai Weiwei, Jean Prouvé, John Gerrard, Andy Warhol, Gilbert & George. Auch vielversprechende Newcomer wie Los Carpinteros oder Nuno Ramos gehören zu ihren Künstlern. Neben Fotografie und Skulpturen rückt in ihrer Galerie auch immer mehr die Architektur in den Mittelpunkt, wie jüngste Ausstellungen von Zaha Hadid und Buckminster Fuller zeigen und woran Ehemann Lord Norman Foster wohl nicht ganz unschuldig sein dürfte. Zeitgleich mit Olafur Eliassons Kunstbuchausstellung zeigt Ivorypress derzeit eine große Exposition des amerikanischen Stardesigners und Architekten Ron Arad.

Ihr Hauptgeschäft sind jedoch immer noch die Künstlerbücher, ihre "große Passion". Limitierte, exklusive Ausgaben von Eduardo Chillida, Richard Long, Damien Hirst, Anish Kapoor, Francis Bacon, Richard Tuttle, Anselm Kiefer, Isamu Noguchi und Ai Weiwei zieren die weißen Regale ihrer Galerie in der Calle Comandante Zorrita.

Zwischen Supermärkten, Apotheken und Wohnblocks sticht die Galeriefassade kaum heraus – und das, obwohl sie von Norman Foster gestaltet wurde. Helles Holz, geschwungene, milchige Glasfenster. Eigentlich verwundert es, dass eine der vielleicht exklusivsten und angesagtesten Galerien Spaniens ausgerechnet in diesem nördlichen Wohnviertel der spanischen Hauptstadt zu finden ist und nicht im vornehmen Salamanca-Viertel oder in der Umgebung des Museo Reina Sofía, wo sich die meisten großen Galerien Madrids sammeln. "Ich wollte aber nicht dahin, wo alle sind. Ich gehe meine eigenen Wege", sagt Ochoa Foster und muss wieder ihres Weges gehen, denn sie ist eine vielbeschäftigte Person.

Neben eigenen Kunstbuchproduktionen, Ausstellungen und dem Buchladen kuratiert sie schließlich auch noch Ausstellungen im Victoria and Albert Museum in London, unterhält den von Ivorypress an der Oxford-Universität eingerichteten Gastlehrstuhl für Moderne Kunst, unterstützt die Ruskin School of Drawing and Fine Arts und muss die spanische Stadt Toledo 2014 zum 400. Jubiläumsjahr von "El Greco" mit Werken internationaler zeitgenössischer Künstler bereichern.