Karl Lagerfeld - Hamburg

Paris an der Alster

Ganz großer Bahnhof für Karl Lagerfeld in Hamburg: Der Modezar lässt sich und seine Ausstellung in der Kunsthalle feiern
Großer Bahnhof für Lagerfeld:Ausstellung von Fotos von Karl Lagerfeld

Premiere für die Hamburger Kunsthalle: roter Teppich, hier mit Karl Lagerfeld

Das hat Hamburgs Kunstszene noch nicht erlebt: roter Teppich, Blitzlichtgewitter und eine Promi-Dichte, wie man sie sonst nur von den Filmfestspielen oder den Fashion-Schauen in Paris kennt.

Modezar Karl Lagerfeld beehrte die Kunsthalle mit seinem Besuch. Anlass war die Eröffnung der Ausstellung "Feuerbachs Musen, Lagerfelds Models". Im Foyer der Galerie der Gegenwart rangelten Dutzende von Fotografen und Kamerateams um die besten Plätze. Mittendrin und von der Menge fast verschluckt leuchtete der silberweiße Haarschopf mit Zopf. Lagerfeld trug seine Standard-Uniform: Enge Jeans, maßgeschneiderte schwarze Jacke, steifer Vatermörder-Kragen, Biker-Handschuhe, schwarze Sonnenbrille und dazu der typisch blasiert-sauertöpfische Gesichtsausdruck.

Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner, der den berühmten Gast durch die Ausstellung führte, wirkte dagegen aufgekratzt wie ein Teenager beim Beatles-Konzert. Er rühmte Lagerfelds vielseitiges Talent, verglich dessen fotografische Inszenierungen makeloser Models mit Künstlermusen vergangener Jahrhunderte und sah eine direkte Verbindung zum dandyhaften Salonmaler Feuerbach. Vergeblich versuchte er den launigen Modeschöpfer und gebürtigen Hamburger in eine Konversation über Kunst, Kultur und Geld zu verstricken.

Lagerfeld raunte die üblichen Bonmots ins Publikum: "Geld ist schön, wenn man nicht darüber sprechen muss." – "Ich lese jeden Morgen von 6 bis 9 Uhr, und zwar in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch." – "Immer auf der Bühne stehen ist ungesund. Man muss auch mal allein sein, um seine Batterien aufzuladen." – "Ich finde es ja wahnsinnig nett, dass die Leute sich überhaupt für meinen Fall interessieren." Das Publikum nahm’s mit Humor. Die Smartphones klickten, schließlich kriegt man nicht alle Tage einen Superpromi vor die Linse. Zur guten Stimmung trug auch der üppige Champagner-Ausschank bei. Da fühlte man sich plötzlich ganz pariserisch. Überhaupt hatten die Hamburger Damen der Gesellschaft für diesen Anlass ein bisschen tiefer im Kleiderschrank gewühlt, ihre Chanel-Jäckchen rausgeholt, High Heels und nackte Beine dazu – "wie in München", bemerkte ein Vernissage-Gast.

Ach ja, und die Ausstellung selbst? Vielleicht der einzige Schwachpunkt des glamourösen Abends. Schon dass man dazu ins Sockelgeschoss, sprich den Keller der Kunsthalle steigen musste. Dort wirkte die Gegenüberstellung von Feuerbachs schwülstig-romantischer Salonmalerei mit Lagerfelds auf Leinwand übertragenen Schwarzweiß-Fotos von blütenbekränzten Models in Ruinenlandschaft blutleer und überproduziert, ein bisschen so wie die Bühne nach einer Fashion-Show, wenn die Models schon wieder beim Abschminken sind.

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