Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Nora Gohlke d.i.v.o. Institute in Kassel, Picasso in Hamburg und Ian White in Berlin.

Kassel: d.i.v.o. Institute

Dada als Vorbild: Provokation und Parodie bis hin zu satirischer Überspitzung sind Teil der Aktionen des Künstlers Mark Divo. Seine Werke produziert der tschechisch-schweizerische Künstler aus Fundstücken wie Abfall, Antiquitäten, Nippes oder Büchern.

Im Kasseler Fridericianum eröffnet er nun eine Dependance seines d.i.v.o Institutes, welches er bereits 2007 in Kolin bei Prag gründete: eine "bewohnte Skulptur", in der Kunst ausgestellt, hergestellt und diskutiert wird. In einer Art Schmelztiegel veranstaltet Divo gemeinsam mit Künstlern aus der Schweiz, Tschechien, Deutschland, Schottland und Australien bis zum 14. Juli Workshops, Tanztees, Talentshows, Performances, Aktionen, Vorträge sowie Diskussionen und macht die Kunsthalle zu einem Forum, das zur Infragestellung und Kritik gängiger Konventionen in der Kunst dient.

Hamburg: "Picasso. Der Stier und das Mädchen"

"Die Leute stellen sich vor, ich hätte die Stierkämpfe meiner Bilder nach dem Leben gemacht. Sie irren sich. Ich hab’ sie am Abend vorher gemalt, um das Eintrittsgeld bezahlen zu können", verriet Picasso. Die lebendigen Stierkampfbilder gehören zur Sammlung von Klaus und Erika Hegewisch und sind bis zum 3. Oktober in der Ausstellung "Picasso. Der Stier und das Mädchen" im Hamburger Ernst Barlach Haus zu sehen. Frauen, Mythologie und Stierkampf: Die Motive in Picassos Zeichnungen sind so symbolhaft wie ausdrucksstark. Die Kollektion mit 80 Zeichnungen und Druckgrafiken aus mehr als fünf Jahrzehnten gibt einen faszinierenden Einblick in das grafische Schaffen Picassos, seine stilistische Sicherheit und Vielfalt.

Hamburg: "Lost in summer"

Es ist Sommer und alle fahren in die Ferien. Alle? Nein, denn Künstler sind immer im Dienst und so auch die Galerie "White Trash Contemporary", die am 8. Juli ihre Ausstellung "Lost in summer" eröffnet. Eine junge Mannschaft aus New York, Berlin, Hamburg und Kiel präsentiert künstlerische Positionen, die sich mit Fragen der Deformation der Wirklichkeit befassen. So zum Beispiel Thorsten Brinkmann, der sich in seinen Fotografien in merkwürdigen Verkleidungen inszeniert und humorvoll die Verkapselung des Einzelnen in der medial gelenkten Welt zeigt. Oder auch der deutsch-koreanische Künstler Seok Lee, der in altmeisterliches Licht getauchte Innenräume oder Landschaften malt, die auf irritierende Weise in Abstraktionen zerfließen. Außer den genannten verlieren sich John von Bergen, Manfred Holtfrerich, Benjamin Mastaglio, Sandra Meisel, Martin G. Schmid, Oliver Schmidt und Christof Zwiener im Hamburger Galeriesommer.

Berlin: Ian White

Der Kurator und Künstler Ian White geht bei seinen Performances von einer Vortragssituation aus, die dann in eine Art provisorische Live-Theatervorführung ausufert. So kommen neue Elemente ins Spiel, wie "Berichte über Begegnungen sexueller Art, (...), Tate Moderns Richtlinien zur Beschriftung, der BBC World Service, Queen Elizabeth I., Tanz, Geste, unbewegte und bewegte Bilder, Liebe, Hoffnung, Verzweiflung und Freundschaft", wie der Künstler sie selbst beschreibt. Die Vorführungen "Black Flags" und "Democracy", am 10. und 17. Juli in der Berliner daadgalerie, werden vom dritten bis 17. Juli von einer Installation in Form eines Schaufensterdisplays begleitet.

Heidelberg: "Mein Essen"

Während der Documenta 2007 bekochte Ferran Adrià jeden Tag zwei Gäste der Ausstellung in seinem weltberühmten Restaurant nördlich von Barcelona. Es schien, als ob Kunst und Kochen gleichgestellt würden. In der kleinen Gruppenausstellung im Studio des Heidelberger Kunstverein soll ab dem 9. Juli jedoch eine gänzlich andere Perspektive gezeigt werden: In den präsentierten Werkgruppen wird nicht nach kreativen Rezepten gesucht, sondern versucht, das Kulturphänomen "Essen" zu umreißen. In einem Video stellt der britische Künstler Tim Etchells neue Eissorten nach künstlerischen Motiven her, Heath Bunting kartographiert Orte in Städten, an denen frei verfügbares Essen, zum Beispiel von Apfelbäumen oder chinesischen Stachelbeeren, gesammelt werden kann. Von der dänischen Künstlergruppe Superflex wird nach einem eigenen Rezept gebrautes Freibier angeboten und Gaël Peltier arbeitet mit seinem Körper, den er extremen Fress- und Hungerkuren unterwirft.