Kunstraub - Paris

In der Stille der Nacht

Aus dem Musée d'Art moderne de la Ville de Paris wurden vergangene Nacht fünf Werke mit einem geschätzten Wert von 100 Millionen Euro getohlen. Bedeutende Gemälde von Pablo Picasso, Georges Braque und Henri Matisse fielen dem Kunstdiebstahl zum Opfer, der damit zu den wohl größten aller Zeiten zählt.

Bemerkt wurde die Tat erst am frühen Morgen. Eine eingeschlagene Fensterscheibe, ein aufgebrochenes Vorhängeschloss, die zurückgelassenen Bilderrahmen und Aufnahmen einer Überwachungskamera, die einen einzelnen maskierten Eindringling aufgezeichnet haben. Das sind die wenigen Spuren eines der größten Kunstdiebstähle aller Zeiten. Aus dem städtischen Museum für moderne Kunst in Paris (Musée d'Art moderne de la Ville) wurden über Nacht fünf Gemälde entwendet, deren Gesamtwert von der Staatsanwaltschaft zunächst mit 500 Millionen Euro angegeben wurde. Später wurde diese Angabe korrigiert und der Wert der Bilder auf rund 100 Millionen Euro beziffert.

Picasso und Matisse, Georges Braque und Amedeo Modigliani – die betroffenen Künstler gehören allesamt zum "Who Is Who" der jüngeren Kunstgeschichte. Das berühmte Picasso-Werk "Le pigeon aux petits pois" ist ebenso Teil des spektakulären Diebesguts, wie "La pastorale" von Henri Matisse. Nach Museumsangaben fehlen überdies "La femme à l'éventail" von Amédéo Modigliani, "Nature morte aux chandeliers" von Fernand Léger und "L'olivier près de l'Estaque" von Georges Braque. Der Dieb wusste offensichtlich genau, was er entwendete. Gerade die Bekanntheit der Werke würde ihm allerdings auch die Suche nach einem Käufer erheblich erschweren. Wahrscheinlicher ist daher, dass es sich bei dem Kunstraub um eine Auftragsleistung für einen Sammler gehandelt hat.

Frankreichs Museen waren zuletzt häufiger von Diebstählen betroffen. Eine Debatte über unzureichende Sicherung der Kunstwerke war bereits entbrannt. Zuletzt traf es die Stadt Marseille, wo im Januar ein Gemälde von Edgar Degas im Wert von 800.000 Euro gestohlen wurde. Der jüngste Kunstraub in Paris aber übertrifft alle bisherigen Vorfälle bei weitem. Bürgermeister Bertrand Delanoë ließ wissen, das Musée National d'Art Moderne werde zunächst geschlossen. dpa, Erik Stein