Kunst nach Sandy - New York

Ein Jahr nach Sandy

Hurrikan Sandy überflutete nicht nur U-Bahn-Tunnel, sondern auch viele Ateliers, Archive und Galerien. Ein Jahr nach dem Sturm zeigt nun eine Ausstellung 300 Künstler.

Vergangenes Jahr kurz vor Halloween fegte Hurrikan Sandy über New York hinweg. 43 Menschen starben. Der Sturm hinterließ einen Schaden von 19 Milliarden Dollar.

In Chelsea standen Galerien unter Wasser, Teile von Brooklyn wurden überschwemmt. Werke von Künstlern und kostbare Archive gingen verloren.

Auch Phong Bui, Künstler, Kurator und Herausgeber des lokalen Kulturblattes "Brooklyn Rail", wurde in seinem Atelier im Brooklyner Stadtteil Greenpoint übel getroffen. Bei ihm erreichte der Wasserpegel bis zu zwei Meter. Ein großer Teil Redaktionsgeschichte von "Brooklyn Rail" und 90 Prozent der Arbeiten von Phong Bui aus den vergangenen 25 Jahren wurden vom Wasser zerstört. Als die 1981 von Robert Motherwell gegründete Dedalus-Stiftung einen Kurator suchte, um eine Ausstellung im Jahr nach Sandy zu organisieren und um all die Künstler zu würdigen, die durch den Sturm ihre Arbeiten, Studios oder ihr Zuhause verloren hatten, fiel ihre Wahl mit Phong Bui auf einen Betroffenen. “Come Together: Surviving Sandy“ heißt die gigantische Ausstellung, die der Kurator in den Hallen von Industry City, einem früheren Verschiffungs-Terminal an den Ufern von Sunset Park in Brooklyn, auf mehr als 9000 Quadratmetern organisierte.

“Ein Jahr nachdem hunderte von Galerien und tausende von Kunstwerken in Brooklyn, Chelsea und Lower Manhattan in dem kalten, verdreckten Wasser des Hudson und des East Rivers abgetaucht sind, sieht die ganze Erfahrung anders aus und fühlt sich etwas anders an“, schrieb Phong Bui in "Brooklyn Rail". “Aber die Zerstörung, die der Sturm angerichtet hat und die Art und Weise, wie es die New Yorker Kunstszene verändert hat, ist nicht vergessen.“ In den Wochen und Monaten nach Sandy sei die New Yorker Kunstgemeinde zusammengekommen, um wieder aufzubauen – und um zu beweisen, dass sie sich nicht geschlagen gibt.

300 Künstler nehmen an der zweimonatigen Gruppenshow teil, bei der trotz all der guten Worte nicht so richtig klar wird, wofür sie nun eigentlich steht. Die Hälfte der Künstler sei direkt von dem Sturm betroffen gewesen. Darunter: Rita Ackermann, die Bruce High Quality Foundation, die wieder mit ihren aufblasbaren Ratten vertreten ist, Shirin Neshat, Beth Campbell, Mark di Suvero, Dustin Yellin und Lisa Yuskavage. Die andere Hälfe, darunter Chuck Close, Lynda Benglis, Alex Katz, Chris Martin, Richard Serra oder Joel Shapiro erklärte sich mit den Sandy-Opfern solidarisch und stellte für die Ausstellung Arbeiten bereit.

Manches steht zum Verkauf, anderes nicht. Manche Arbeiten beziehen sich auf Sandy, viele andere wiederum überhaupt nicht. Die Ausstellung kommt weitgehend ohne Namensschilder oder Werktitel oder Galeristen, die Besuchern mit erklärenden Worten beiseite stehen, aus. Gelegentlich findet man ein paar Preislisten, die ausliegen. Ansonsten steht die Kunst in den beachtlichen Räumen ein wenig verlassen für sich. Ein Großteil der Erlöse soll an Künstler fließen, die von Sandy betroffen waren. Die Ausstellung ist der Beginn einer Cooperation von der Dedalus-Stiftung mit Industy City. Ein lokaler Kunst-Blog berichtete allerdings, dass vor der Gruppenshow Künstler aus ihren Studios vertrieben wurden und dass die Mieten in den Industry-City-Gebäuden erheblich steigen. Ein Jahr nach Sandy bedeutet für die Künstler vor allem, dass in New York längst wieder wie gehabt Geschäfte gemacht werden.

Alex Katz steuerte Bilder von bedrohlichen Wellen bei. Dustin Yellin seine Unterwasserwelten hinter Glasscheiben, die er zu einem wuchtigen Aquarium zusammenschichtete. Lisa Yuskavages anzügliche Nackte kriechen zwischen den Überresten eines abgebrannten Hauses herum. Fotos von Andrea Robbins und Max Becher zeigen Venedig in der Wüsten-Stadt Las Vegas, wo die Gondeln über künstlich angelegte Kanäle schiffern. Nari Ward lieferte seinen mit Schnürsenkeln an die Wand geschriebenen Aufruf: “We the People.“ Der Maler Gabriel Rizzotti das Bild eines durch blutrotes Wasser watenden Mannes. Christopher Rivera schlug einen “Corner Circle“ in die rohen Lagerhallen-Wände, der an die hässlichen Ränder erinnert, die das Hochwasser an Wänden hinterlassen hatte. Und die Künstlertruppe Superflex zeigt ihr bereits 2008 gedrehtes Video, in dem eine McDonalds-Filiale überflutet wird und all der Konsummüll in den Wassermassen untergeht.

Das Video von Superflex

Come Together Sandy

bis 15. Dezember
http://cometogethersandy.com/