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DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit letzten Bildern, bunter Authentizität und der Alltagspoesie von Fisch und Kartoffeln.
// DIANA GREINER
Hamburg: Nicht-Kunst der Einfachheit

Man könnte ihn "Onkel Dagobert" nennen, aber weder liegt ihm etwas am Geld, noch ist Düsseldorf Entenhausen. Dennoch hat Hans-Peter Feldmann 2011 Wände und Decken seines Ausstellungsraumes mit 1006nbsp;000 amerikanischen 1-Dollar-Scheinen "tapezieren" lassen. Sein Preisgeld des "Hugo Boss Prize", das er am liebsten ausgeschlagen hätte, so aber zur Kunst machte.

Generell hat Feldmann, der sich selbst nicht als Künstler sieht, Sinn für Humor und die Einfachheit der Dinge. Von goldenen Sandaletten, deren Fußbett mit Reißzwecken versehen ist, über eine clownnasige Queen Elizabeth auf einer 10-Pfund-Note bis hin zu Porträtfotos von Erdbeeren oder einer rosafarbenen Davidstatue mit gelbem Haar und ebenso gelber Intimfrisur bildet seine "Nicht-Kunst" ein Spektrum des Alltags ab.

Die Ausstellung "Hans Peter Feldmann – Kunstausstellung" ist vom 1. März bis zum 2. Juni in der Halle für aktuelle Kunst in den Deichtorhallen in Hamburg zu sehen. Die Eröffnung findet am 28. Februar um 19:30 Uhr statt.

Mannheim: Farbexplosionen

Universen, Uhrwerke, organische Innenwelten, Fieberträume oder das Chaos – die abstrakte Malerei des Londoner Künstlers Sean Dawson bietet viel Raum für Interpretationen und Assoziationen. Seine vielfarbigen Bilder entfalten eine Wirkung, die dem Sog eines schwarzen Lochs gleichen. Man weiß nie, wo man hinkommt, wohin die Gedanken – oder viel mehr die Sinneseindrücke – einen führen, und lässt es einfach geschehen. Kennzeichnend für seine Malerei ist, dass sie zwar aussieht, als wäre sie wie bei Jackson Pollock aus einer spontanen Dynamik heraus entstanden, tatsächlich aber in kontrollierten Arbeitsschritten und mit unheimlicher Präzision entsteht. Seit 2005 war Dawson mit mehreren Einzelausstellungen in Deutschland vertreten.

Die Ausstellung "Sean Dawson – Trashstar Plumes" ist noch bis zum 16. März in der Galerie Peter Zimmermann in Mannheim zu sehen.

Wiesbaden: Fliegende Schwere

Zwei junge deutsche Künstlerinnen und ein japanischer Konzeptkünstler, der Kunst nicht als statisches Moment, sondern als kreative Tätigkeit begreift: Der Nassauer Kunstverein zeigt Arbeiten, die zwischen Schwere und Leichtigkeit, Zeit und Raum sowie Fisch und Kartoffel einzuordnen sind. Lena Henke, die bisher für schwarze Stoffe, die gewichtig und massig aussehen wie Beton und gleichzeitig zu schweben scheinen, oder schwere, dunkle Säulen auf einem Parkplatz bekannt war, stellt durchsichtige Sockel in Form von Einkaufstaschen aus, die mit den Fotografien der Lebenszyklus-Skulpturen Gustav Vigelands bedruckt sind, und so Schwere und Leichtigkeit vereinen. Sophia Pompéry ließ sich in Istanbul zu Video- und Fotoarbeiten sowie Installationen inspirieren, die Zeit und Raum reflektieren. Und als "NKV extra" wird das Video "Fish & Chips" von Michihiro Shimabuku gezeigt, in dem der Künstler, der auch schon mal mit einem Oktopus quer durch Japan reiste, Englands Vorliebe für Fisch und Kartoffeln als Poesie des Alltags deutet.

Die Ausstellungen "Lena Henke – From One Artist to Another", "Sophia Pompéry – Atölye" und "NKV extra: Shimabuku – Fish & Chips" sind bis zum 21. April im NKV – Nassauer Kunstverein Wiesbaden zu sehen.

Leverkusen: Glück abseits der Norm

Betrachtet man die Biografie Kurt Wanskis (1922 bis 2012) wird man sich bewusst über Schicksal und Drama, aber auch unermessliche Freude im Leben des Berliner Malers und Musikers. Seine ersten fünf Lebensjahre verbrachte Wanski zusammen mit seinem Zwillingsbruder in einem Waisenhaus, mit 19 Jahren kam er als "psychisch Abwegiger" ins Städtische Arbeits- und Bewahrungshaus Berlin-Lichtenberg, nach dem Krieg und nur kurzer Zeit in Freiheit wieder ins Gefängnis und von dort aufgrund seiner Oligophrenie – er war geistig zurückgeblieben – in verschiedene Heilanstalten. Erst ab 1971 lebte er, der für sein "sonniges Gemüt" bekannt war, als "Freigänger" im St. Joseph Stift in Berlin-Weißensee und konnte in den Zoo, den Zirkus oder auf Paraden gehen. Dass er seine Kreativität von Kindheit an, ob im Malen und Zeichnen oder im Mundharmonikaspielen, frei ausleben konnte und in den achtziger Jahren von Künstlern als ihresgleichen entdeckt wurde, war sein großes Glück. Bunt und unverfälscht eröffnen seine Bilder einen ganz unbefangenen Blick auf ein Stück Berliner Geschichte.

Die Ausstellung "Kurt Wanski – Ausrufezeichen und unterstrichen" ist bis zum 28. April im Bayer Kulturhaus in Leverkusen zu sehen.

Frankfurt: Letzte Bilder

Jawlensky gebrauchte seine linke Hand zusätzlich zur rechten, da die Lähmungserscheinungen und Schmerzen immer weiter fortschritten, Monet malte seine Seerosenbilder trotz fortschreitender Erblindung und als zweifacher Witwer von Depressionen geplagt, de Chirico kopierte seine begehrtesten Werke, da sein neuer Malstil nicht rentabel war, und Ad Reinhardt fertigte nur noch Black Paintings, monochrome Bilder in Schwarz. Die letzten Jahre der großen Künstler sind prägend für ihr Spätwerk und damit einhergehend auch auf die Sicht auf ihr Gesamtwerk. Krankheit – von Alkoholismus und Krebs bis hin zu Alzheimer –, Politik, Verbitterung und Armut sind dabei genauso starke Einflussfaktoren wie neue Erfahrungen, finanzielle Freiheit, Lebensfreude oder innere Einkehr. Die Schirn zeigt 100 "Letzte Bilder – Von Manet bis Kippenberger" in "poetischen Konstellationen".

Die Ausstellung "Letzte Bilder – Von Manet bis Kippenberger" ist vom 28. Februar bis zum 2. Juni in der Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main zu sehen. Die Eröffnung findet am 27. Februar um 19 Uhr statt.

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