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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit gelitin, Anna Jermolaeva, Latifa Echakhch und Gender-Recycling
// ANN KIMMINICH
Bielefeld: Schaubilder

Sie stellen Beziehungen her, vermitteln Einsichten und liefern bildliche Argumente – Schaubilder sind jene Bilder, die als Wissensmodelle dienen.

Über die visuelle Darstellung schaffen sie es, komplexe Sachverhalte, Daten und Informationen zu veranschaulichen. Doch Schaubilder haben nicht nur einen funktionalen Charakter, auch ihre ästhetische Wirkung und ihr gestalterischer Aspekt sind von Bedeutung. Eine Gruppenausstellung in Bielefeld widmet sich diesem Thema und zeigt Arbeiten von internationalen Künstlern, die Bezüge zu Diagrammen, Kartografien, Notationen und anderen grafischen Modellen sichtbar werden lassen. Dabei stellen Schaubilder nur den Ausgangspunkt der Werke dar. Die Grundidee einer unmittelbaren Visualisierung von Informationen wird meist zugunsten einer eigenen, offenen Erkenntnisform unterlaufen.

Die Ausstellung "Schaubilder" ist noch bis zum 27. Januar 2013 im Bielefelder Kunstverein zu sehen.

Krems: Anna Jermolaeva

Mit ihrem Blick auf Geschichte und Geschichten schafft Anna Jermolaewa Orte der Erinnerung. Die Künstlerin arbeitet vornehmlich in den Medien Fotografie, Video und Installation und erkundet metaphorisch das Ausgeliefertsein sowie die Möglichkeiten der Einflussnahme des Individuums im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Kontext. Ihr direkter Blick, der nicht auf das Spektakuläre, sondern auf die kleinen Details des Alltags gerichtet ist, gibt Auskunft über individuelles und kollektives Geschichtsbewusstsein. Dabei wird auch das Potential der Kunst für die Gesellschaft deutlich. Jermolaewas Fotografien und Videos sind eindrückliche Bilder, die dem Betrachter in Erinnerung bleiben und dabei Augen wie Geist öffnen.

Die Ausstellung "Anna Jermolaewa" ist vom 18. November bis zum 17. Februar 2013 in der Kunsthalle Krems zu sehen.

Zürich: Goodbye Horses

Die französisch-marokkanische Künstlerin Latifa Echakhch beschäftigt sich in ihren Werken mit kulturellem Transfer und die damit einhergehenden Verschiebungen von Identität. Dafür überführt sie oftmals Gebrauchsgegenstände aus westlichen oder östlichen Kulturkreisen in eine sinnliche, materialbetonte Inszenierung. In ihren poetischen und zugleich konzeptuellen Arbeiten spiegeln sich politische und kulturelle Strukturen und Systeme wider. Echakhch, die an der Venedig-Biennale 2011 teilnahm und bereits mit einer Einzelausstellung in der Tate Modern London vertreten war, stellt nun im Kunsthaus Zürich aus. Unter dem Leitmotiv Zirkus und Leere wird sie mit speziell für die Sammlungsräume geschaffenen Werken den Blick auf das Fremde inszenieren.

Die Ausstellung "Latifa Echakch. Goodbye Horses" ist vom 16. November bis zum 24. Februar 2013 im Kunsthaus Zürich zu sehen.

Delmenhorst: Recycling genders!

Eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst befasst sich unter dem Titel "The old boys’ club. The garden of genders" kritisch mit Gedanken des aktuellen Genderdiskurses. Dabei kommen die gezeigten Arbeiten nicht etwa spröde und theorielastig daher, sondern ganz nach dem leitenden Motto "recycling genders!" leichtfüßig und spielerisch. Geschlechtsindifferente Monster, Pflanzen, Dinge und Hybride sind in allen Ecken und Nischen des Ausstellungshauses in Form von Malerei, Zeichnung, Objekten, Wandtapeten, raumgreifenden Installationen und Animationen zu finden. Allen gezeigten Werken unterliegt die Idee der Transformation und der Kampf gegen rigide Geschlechtermuster.

Die Ausstellung "The old boys’ club. The garden of genders" ist vom 16. November bis zum 20. Januar 2013 in der Städtischen Galerie Delmenhorst zu sehen.

Frankfurt: Rossmarkt hoch 3 mit gelitin

Der Roßmarkt ist ein zentraler Stadtplatz in Frankfurt, der nun schon im dritten Jahr von einem ortsspezifischen Kunstwerk verändert wird. Das Spannende daran ist, dass der Auftrag für das Kunstprojekt von Schülern vergeben wird. In diesem Jahr hat die Schüler-Jury des Partizipationsprojekts "Rossmarkt hoch 3" die österreichische Künstlergruppe "gelitin" beauftragt. Mit ihren Installationen, Happenings und Skulpturen brechen die vier Männer seit 1994 in alter Wiener Aktionismus-Tradition Tabus und stellen gesellschaftliche Konventionen auf die Probe. Für die Bürgerschaft Frankfurts haben sie die Arbeit "Kühlschrank, Bett, Tastatur" auf dem Roßmarkt installiert und dadurch merklich die Situation auf dem öffentlichen Platz verändert.

Die Auftragsarbeit "Kühlschrank, Bett, Tastatur" von gelitin ist seit dem 13. November auf dem Frankfurter Roßmarkt zu sehen.

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