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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit Haboob und Sputnik, schockierenden Performances und Kunst zum Thema Fliegen.
// ANN KIMMINICH
Berlin: Flugreisen vermeiden

Das Klima schonen und trotzdem fliegen – wie geht das? Mehr als 60 Künstler, unter ihnen zahlreiche ehemalige Stipendiaten des Künstlerhauses Bethanien, wurden für eine Gruppenausstellung mit dem Titel "Flying" dazu aufgefordert, kreative Gedankenflüge zu unternehmen.

Das daraus entstandene Werkensemble zeigt sich erwartungsgemäß frei – im Wesentlichen aber im Feld der Malerei. Das in Berlin-Kreuzberg situierte Künstlerhaus Bethanien ist ein internationales Kulturzentrum, Atelierhaus und Arbeitsstätte für professionelle Künstler. Ziel der Einrichtung ist die Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst. Jedes Jahr arbeiten dort Künstler aus der ganzen Welt Projekte aus, die sie im Anschluss präsentieren. Dieses Jahr ist es Kunst zum Thema Fliegen.

Die Ausstellung "Flying" ist vom 9. November bis zum 16. Dezember 2012 im Künstlerhaus Bethanien in Berlin zu sehen.

Hamburg: Haboob und Sputnik

"Haboobs" werden die für die Wüste Arizonas typischen zerstörerischen Sandstürme genannt, und "Sputnik" ist russisch und bezeichnet einen Weggefährten. Beide Wörter dienen als Titel für eine Doppelausstellung, in der die Fotografen Andrew Phelps und Andreas Herzau ihre jeweiligen Arbeiten zeigen. Für die von der Finanz- und Immobilienkrise gebeutelte Kleinstadt Higley in Arizona sind Haboobs zum Sinnbild für die Angst und Unsicherheit geworden, die die US-Mittelklasse erfasst hat. In seiner Fotoserie über diese verlassene Ortschaft versucht Phelps sich der Frage zu nähern, was vom American Dream übrig geblieben ist. "Sputnik" wiederrum versammelt gleich drei fotografische Serien von Andreas Herzau, die in den letzten drei Jahren in Moskau, Kiew und Novosibirsk entstanden sind. Die post-sowjetische Reise erzählt vom Alltag, von Gesichtern und von Lebensgefühlen auf den Straßen Russlands. Herzaus Fotografien fangen Momente ein, in denen sich die Lebensläufe des Alltags zu einem Bild verdichten, denn er versteht es, die Grenzen der klassischen Reportagefotografie immer wieder zu erweitern.

Die Doppelausstellung "Sputnik" von Andreas Herzau und "Haboob" von Andrew Phelps sind noch bis zum 12. Januar in der Galerie Robert Morat in Hamburg zu sehen.

Wien: Edelweiß

Er arbeitet mit Schock, Schmerz, Ekel und Tabu, um das Publikum zu aktivieren und zur Diskussion über Kunst und Ethik anzuregen. Der australische Künstler Mike Parr ist einer der radikalsten Performancekünstler der Gegenwart. Eine Ausstellung in Wien präsentiert die erste umfassende monografische Schau seines Werks in Europa. Neben einer Auswahl seiner wichtigsten Performances, die in den Medien Video und Fotografie präsentiert werden, sind auch Zeichnungen, Druckgrafiken und Skripte zu sehen. Der 1945 geborene Parr begann seine künstlerische Laufbahn in den frühen 1970er-Jahren und provozierte mit Auftritten, in denen er die Grenzen der eigenen physischen Leistungsfähigkeit bis hin zur Selbstverletzung austestete. Mit der Aktion "Armchop" etwa schockierte er 1977 sein Publikum, indem er sich scheinbar seinen linken Arm – tatsächlich eine Prothese aus Fleisch und Blut – unvermutet abhackte.

Die Ausstellung "Mike Parr. Edelweiß" ist noch bis zum 24. Februar 2013 in der Kunsthalle Wien zu sehen.

Kraichtal: Pixelmondo – die Alchemie der Bilder

Der Video- und Grafikdesigner Philip Bussmann ist seit Mitte der neunziger Jahre bekannt für seine Installations-, Performance und Filmprojekte. Für zahlreiche internationale Tanz-, Theater- und Opernproduktionen entwarf er Bühnenvideos und Bühnenbilder, unter anderen für den berühmten Choreographen William Forsythe. Die Ursula Blickle Stiftung zeigt nun die erste institutionelle Einzelausstellung Bussmanns. Zu sehen sind raumgreifende Video- und Soundinstallationen sowie fotografische Arbeiten. Die Videoarbeiten fangen Körperlichkeit und Dynamik ein, während die Fotografien ein erstarrtes, menschenleeres, urbanes Umfeld abbilden, das gefundene Spuren unserer Zivilisation enthält. Gezeigt werden auch Porträts von Frauen, die sich in ihrer Introvertiertheit und Extrovertiertheit zeigen.

Die Ausstellung "Philip Bussmann. Pixelmondo – die Alchemie der Bilder" ist vom 11. November bis zum 16. Dezember 2012 in der Ursula Blickle Stiftung in Kraichtal zu sehen.

Braunschweig: Historische Disziplin

Der österreichische Fotograf Arno Gisinger verbindet die Fotografie mit Historiografie. Er konstruiert seine Projekte im Vorfeld, arbeitet systematisch in Archiven oder befragt Zeitzeugen, oft lange bevor die ersten Aufnahmen entstehen. Mit seinen Arbeiten stellt Gisinger die generelle Frage nach Erinnern und Vergessen im Medium der Fotografie. Die bisherigen Projekte reichen von der französischen Gedenkstätte Oradour-sur-Glane ("Archéologie d’un lieu de mémoire", 1994) über eine unterirdische Rüstungsproduktion in den Tiroler Alpen ("Messerschmitthalle", 1995), bis hin zu einer Auseinandersetzung mit der Enteignung jüdischen Eigentums in Österreich und Frankreich während des Zweiten Weltkrieges ("Invent arisiert", 2000 und "147, rue Sainte-Catherine", 2004). Seine Bilder liefern eine zeitgenössische Neuinterpretation von Geschichtsschreibung am Beispiel ausgewählter Orte und Nicht-Orte der Erinnerung. Dadurch findet Gisinger eine neue künstlerische Ausdrucksform innerhalb der Tradition des Dokumentarischen.

Die Ausstellung "Arno Gisinger. Topoii" ist vom 9. November bis zum 6. Januar 2013 im Museum für Photographie Braunschweig zu sehen.

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