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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunstereignisse, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit dem fünften Europäischen Monat der Fotografie, glänzend gelbem Gold und kunstvollem Kontern auf Finanzkrisen.
// ANN KIMMINICH
Berlin: 5. Europäischer Monat der Fotografie

Das Thema des größten deutschen Fotofestivals lautet dieses Jahr "Der Blick des Anderen". 100 Festivalteilnehmer, die von einer Jury unter der Leitung der neuen Kuratorin des Festivals Katia Reich ausgewählt wurden, stellen in 107 Ausstellungen ihre spannenden Sichtweisen fotografisch dar.

Präsentationen von Berliner Fotoschulen wie Ostkreuz sind ebenso vertreten wie Ausstellungen mit Vintage-Fotografien von Dennis Hopper. Das Museum für Fotografie Berlin zeigt die Ausstellung "Das Koloniale Auge" mit Arbeiten von britischen Fotografen wie Samuel Bourne, Shepherd und Robinson, A.T.W. Penn oder John Bourke, die ihre indischen Modelle vor die Kameras geholt hatten, weil sie den Vielvölkerstaat durch Dokumentation der Rassen in seiner Vielfalt erfassen wollten. Einen weitgreifenden Blick bietet das im europäischen Netzwerkverbund des Festivals mit Bratislava, Budapest, Ljubljana, Luxemburg, Paris und Wien gemeinsam erarbeitete Ausstellungsprojekt "DistURBANces". Es wird an verschiedenen Standorten in Berlin präsentiert. Einer der Höhepunkte des Festivals ist die bisher umfassendste Ausstellung zur DDR-Fotokunst in der Berlinischen Galerie. Vor die Linse genommen wurde auch das West-Berlin der Nachkriegszeit; zu sehen in den Bildern von Herbert Maschke im Stadtmuseum Berlin. Das Festival wurde von mehreren europäischen Hauptstädten ins Leben gerufen und soll auf das Medium Fotografie bewusst machen und es stärker unterstützen.

Der "5. Europäische Monat der Fotografie Berlin" findet vom 19. Oktober bis zum 25. November 2012 in 100 ausgewählten Museen, Kulturinstituten, Galerien, Botschaften, Landesvertretungen, Fotoschulen und Projekträumen in Berlin statt.

Nürnberg: Goldrausch in der Gegenwartskunst

In den letzten 100 Jahren war der künstlerische Umgang mit dem traditionsbeladenen Werkstoff Gold wenig populär. Gerade die weit verbreitete Ablehnung des glänzend gelben Materials stellt für einige zeitgenössische Künstler einen großen Reiz in der Auseinandersetzung mit eben diesem Werkstoff dar. Ausschließlich Arbeiten mit Gold als Material oder auch als Farbe sind nun in einer internationalen Gruppenausstellung in der Kunsthalle Nürnberg zu sehen. Die Ausstellung zeigt welche künstlerischen Strategien entwickelt werden können, um das Pathos des Materials zu hinterfragen. Von humorvollen Arbeiten, wie die mit Blattgold belegte Sprechblase von Jürgen Drescher oder das Gemälde von Jonathan Monk mit dem Titel "This painting should be installed by a millionaire", bis hin zu irritierenden Werken, wie die aus goldenem Karton, Metall und Neonröhren bestehende Installation "edition gold" von Martin Pfeile, bietet die Ausstellung vielseitige Kunst rund um das kostbare Metall.

Die Ausstellung "Goldrausch Gegenwartskunst aus, mit oder über Gold" ist noch bis zum 13. Januar 2013 in der Kunsthalle Nürnberg zu sehen.

Klosterneuburg/Wien: Das Bild zur Bühne werden lassen

Bei den großformatigen figurativen Malereien der österreichischen Künstlerin Xenia Hausner sind die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei aufgehoben. In ihren Werken, die fast ausschließlich Frauen abbilden, tauchen immer wieder fotografische Elemente auf; häufig fotografiert sie gemalte Arbeiten oder bearbeitet Fotos malerisch nach. Ihre Kunst hält scheinbar flüchtige Augenblicke malerisch fest und lässt das Bild zur Bühne werden. Diese geheimnisvolle Doppeldeutigkeit spiegelt sich auch in dem Titel "ÜberLeben" ihrer aktuellen Ausstellung im Essl Museum wider. Neben ihrem malerischen Werk zeigt die ehemalige Bühnenbildnerin Hausner eine eigens für die Ausstellung geschaffene Installation, die den gesamten Boden der Rotunde im Museum mit einem Leuchtkasten ausfüllt. Er zeigt ein friedlich im Bett schlafendes Frauenpaar, das jedoch von einem großen, scharfkantigen Stein, der über Ihnen schwebt und jeden Moment auf sie hinunterfallen könnte, bedroht wird.

Die Ausstellung „Xenia Hausner: ÜberLeben“ ist vom 24. Oktober bis zum 20. Januar 2013 im Essl Museum in Klosterneuburg/Wien zu sehen.

Halle: Hölderlin sehen mit Harald Bergmann

Der Filmemacher und Grimme-Preisträger Harald Bergmann hat zwischen 1992 und 2003 vier Filme gedreht, die sich mit Leben und Werk des Poeten Friedrich Hölderlin (1770 bis 1843) auseinander setzen. Bei den Filmen handelt es sich nicht etwa um Historienverfilmungen, sondern um multimediale Kunstwerke, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Person und dem Werk Hölderlins nähern. Die Spielfilme "Scardanelli", "Hölderlin Comics", "Lyrische Suite" sowie der Dokumentarfilm "Passion Hölderlin" versuchen das dichterische Werk Hölderlins in das Medium Film zu übersetzen. Hierfür hat Bergmann mit Interviews, Montagen, Collagen, Nachspielszenen, Lesungen, Musik, animierten Schreibprozessen, gezeichneten Landschaften, Ortsbegehungen und einer szenischen Kunstwelt gearbeitet. Die Moritzburg in Halle zeigt nun unter dem Ausstellungstitel "HIN – Hölderlins Archive" alle vier Hölderlin-Filme. In Form einer Filminstallation soll die Beziehung zwischen bewegtem Bild und Text dargestellt werden und Korrespondenzen zwischen den verschiedenen Medien aufgezeigt werden.

Die Ausstellung "HIN – Hölderlins Archive" ist vom 21. Oktober bis zum 06. Januar 2013 in der Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt in Halle zu sehen.

Berlin: Blick zurück nach vorne

Wird Europa bald Bankrott gehen? Und was passiert danach? Ein Blick nach Argentinien, das im Jahr 2001 pleite ging, kann möglicherweise Antworten auf diese Fragen bringen. "Please Argentinians give me advice, I am not experienced with the crisis" ist die Bitte und der kreative Ansatz der Berliner Videokünstlerin Graw Böckler. Sie hat gemeinsam mit Paulina Jeziorek und Catarina Santos 16 Videointerviews mit argentinischen Künstlern geführt um sich und uns auf mögliche Veränderungen vorzubereiten. Begleitet werden die Videos von einer Performance der Warschauer Künstlerin Paulina Jeziorek, die im Rahmen des Festivals noch mit ihrem Bandkollegen Tomek Sacilowski eine Akkordeon-Techno-Tour durch Berlin veranstalten wird. Das "After the crisis" Festival wird vom Berliner Projektraum "General Public" in Zusammenarbeit mit dem "Raum für Projektionen" veranstaltet und bietet an den nächsten drei Wochenenden ein vielseitiges und anspruchsvolles Programm, bei dem auch ein Auftritt des Elektronik-Pop-Duos Donna Regina nicht fehlen darf.

Das "After the crisis" Festival findet vom 19. Oktober bis zum 04. November 2012 bei General Public in Berlin statt.

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