Gib mir Fünf!

Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunstereignisse, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit verantwortungsvoller Dokumentarfotografie, Goyas Erben und Medienkunst aus Halle.
// ANN KIMMINICH
München: Achtung?! – Respekt, Kontrolle, Veränderung

Wie kontrolliert das Bild die Welt? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Gruppenausstellung im Münchner Stadtmuseum. 15 zeitgenössische Fotografen zeigen im Rahmen des FotoDoks-Festivals, was sie unter verantwortungsvoller Dokumentarfotografie verstehen.

Fotografin Dana Popa aus London blickt in ihrer Arbeit "Our Father Ceausescu" auf ihre rumänische Jugend und ihre veränderten Lebensumstände, 20 Jahre nach der rumänischen "Revolution" im Dezember 1989. In seiner Serie "Kids of Sodom" thematisiert Kai Löffelbein die Auswirkungen des achtlosen Wegwerfens von elektronischen Geräten der Industriestaaten. Seine Fotografien zeigen Kinder in Ghana, die ungeschützt hochgiftigen Dämpfen ausgesetzt sind, weil sie in Müllhalden aus Elektroschrott nach verwertbaren Metallteilen suchen. Der Brite Edmund Clark hat sich in seiner Arbeit mit den Konsequenzen von Kontrolle und Inhaftierung auseinandergesetzt. Er zeigt Innenansichten des Gefängnisses Guantánamo und verbindet diese mit Aufnahmen von Unterkünften der Bewacher oder vom neuen Zuhause der ehemaligen Häftlinge.

Die Ausstellung "Achtung?! – Respekt, Kontrolle, Veränderung" ist noch bis zum 25. November 2012 im Münchner Stadtmuseum zu sehen.

Rüsselheim: Goyas Erben – Anmutig und schockierend zugleich

Fünf Künstlerinnen und Künstler und ein Künstlerduo zeigen mit rund 200 Zeichnungen, Grafiken und Objekten, dass man das Werk des spanischen Malers Francisco de Goya neu entdecken kann. Die Bezüge sind oft vordergründig, wie bei dem Werk "The same but silver" des Künstlerduos Jake und Dinos Chapman, das Goyas Radierung "Heldentat! Mit Toten!" in eine Skulptur aus Silber umsetzt. Auch die Künstler Marcel Dzame und Cornelia Renz beziehen sich inhaltlich auf Goyas Grafik-Zyklus "Los Desastres de la Guerra" und thematisieren in der Zeichnung "World Gone Wrong" oder in der Collage "Good" barbarische Grausamkeiten, die im Rollenspiel zwischen Opfer und Täter entstehen können. Bei den abstrakten Bildern von Michael Pfrommer oder den surrealen Objekten von Gitte Schäfer fällt es einem nicht leicht, das Erbe Goyas zu erkennen.

Die Ausstellung "Goyas Erben" ist noch bis zum 27. Januar 2013 in den Opelvillen in Rüsselsheim zu sehen.

Stuttgart: Eine Ausstellung über die Poetiken und Politiken der Stimme

"Acts of Voicing" widmet sich der ästhetischen, performativen und politischen Bedeutung der Stimme. Da gibt es zum Beispiel die fiktionale Videodokumentation der Künstlerin Bani Adibi, "The Speech Writer", die in Form eines zehnteiligen Daumenkinos vorliegt. Der Protagonist, ein pensionierter Redenschreiber, hat in seiner Wohnung ein Mikrofon installiert, das mit zahlreichen vor seinem Haus montierten Lautsprechern verbunden ist. Jeden Tag sendet er von hier aus Botschaften nach draußen. In "I Will Die, 2000–2005" hat der Künstler Yang Zhenzhong an verschiedenen öffentlichen Orten auf der Welt Personen gebeten, spontan den Satz "Ich werde sterben" in die Kamera zu sprechen. Künstlerin Katarina Zdjelar zeigt in "The Perfect Sound" einen Sprachtherapeuten aus Birmingham, der gestenreich versucht, einem Einwanderer die perfekte englische Aussprache zu vermitteln. Das Verräterische der Stimme, das, was auf Fremdheit verweist, gilt es hier zu überwinden, abzutrainieren. In Anri Salas Beitrag "Natural Mystic (Tomahawk #2)" werden Mensch und Rakete eins. Ein Mann in einem Tonstudio ahmt auf eindrückliche Weise das Geräusch einer sich nähernden Tomahawk-Rakete nach.

Die Ausstellung "Acts of Voicing" ist noch bis zum 13. Januar 2013 im Württembergischen Kunstverein Stuttgart zu sehen.

Halle: Die Documenta des Ostens oder das Werkleitz Festival

Das seit 2008 jährlich stattfindende Festival ist das größte seiner Art in den neuen Bundesländern. 14 Tage lang werden Videoinstallationen, Objektkunst, internetbasierte Arbeiten, Fotografien und Filme ausgestellt. Dieses Jahr geht es um den Austausch zwischen europäischen und mexikanischen Medienkünstlern. Die britische Medienkünstlerin Rebecca Lennon zeigt mit ihrem Drive By Cinema "Viva La Revolution Part One" ihr Interesse an einem imaginären Mexiko, das sich aus Trümmern von Ideen, Ideologien, Geschichten und Überzeugungen generiert. Die Videoinstallation des slowenischen Künstlerpaares Nika Oblak und Primo Novak erforscht die vom Kapital gesteuerte Gesellschaft, indem sie deren visuelle und linguistische Strukturen analysiert und aufzeigt. "Reality Is Out" heißt ihre neue pneumatische Videoinstallation in 3D, in der es so aussieht, als ob ein Pappschild mit dem Text "reality" das Video verlässt und buchstäblich in den Ausstellungsraum hineintritt. Alle Arbeiten sind in verschiedenen, teilweise brach liegenden Gebäuden und Geländen installiert.

Das Werkleitz Festival ".move forward" kann noch bis zum 21. Oktober 2012 in Halle besucht werden.

Ahrensburg: Under Palm Trees – Die Kunst der Recherche

Das Künstlerpaar Antje Feger und Benjamin F. Stumpf hat sich für seine raumgreifende Arbeit mit den geografischen und anthropologischen Betrachtungen der europäischen Kolonien beschäftigt. Zu sehen gibt es Landkarten und Reiseberichte der kolonialen Geschichte, die durch Neukombinationen und Überlagerungen ein Moment zwischen subjektiv erlebter Geschichte und kollektivem Zustand entstehen lassen. Die Arbeit bewegt sich auf der Schwelle zwischen Fiktion und dokumentarischem Relikt und weckt dadurch das Interesse an sozialen Fragestellungen und rätselhaften Erzählungen. Die Künstler Feger und Stumpf setzten sich in ihren Werken stets mit Momenten des Alltags und mentalen Zuständen der Gesellschaft auseinander.

Die Ausstellung "Under Palm Trees" ist vom 14. Oktober bis zum 11. November 2012 im Marstall am Schloss Ahrensburg zu sehen.

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