Warschau Gallery Weekend

Premiere



SEHNSUCHT AUF DIE ZUKUNFT

Das erste Gallery Weekend sollte Warschau fest im Kalender der europäischen Kunstwelt verankern: Internationale Kuratoren, Künstler und Sammler kamen zum Herbstrundgang in die polnische Hauptstadt.
// RENATA KAMINSKA, WARSCHAU

Der "goldene polnische Herbst" wird in der Regel mit einer kurzen, fröhlichen und sehr sonnigen Zeit assoziiert – die Redewendung ist dem Gedicht von Wincenty Pol "Na jesieni – Im Herbst" entnommen und ist ein feststehender, sehnsuchtsvoller Begriff für bevorstehende Ereignisse.

Jetzt hat eine Riege Warschauer Galeristen dem goldenen Herbst ein neues Kulturevent hinzugefügt, den Kunstmarathon Warschau Gallery Weekend WGW. Das Gallery Weekend hat den Ehrgeiz, die ständig wachsende Zahl der Galerien und Kunsträume zu präsentieren und Warschau zugleich einen festen Platz im europäischen Kalender der zeitgenössischen Kunst zu sichern. Nach der Gästeliste zu urteilen, sollte das auch schnell gelingen: Kitty Kraus, Karen und Christian Boros, Wilhelm Schürmann, Nicolaus Schafhausen, Alexander Schröder, Adam Szymczyk, Ariel Schlesinger und Klara Lidén fanden alle nach Warschau.

Die Warschauer Kunstszene ist eine der am schnellsten wachsenden in Europa, an diesem Wochenende luden 17 zeitgenössische Kunstinstitutionen wie Galerien, Stiftungen und Projekträume zu Vernissagen ein. Organisiert wurde das Wochenende von Michal Wolinski von der Galerie Piktogram und Lukasz Gorczyca von der Galerie Raster. Wolinksi ist Kunstwissenschaftler, er betreibt nicht nur die Galerie und arbeitet als Kurator, sondern gibt auch das einzige polnische Kunstmagazin, "Piktogram", heraus. Er war es auch, der die internationalen Sammler und Kuratoren eingeladen hatte.

Das Ausstellungsprogramm umfasste faszinierende Klassiker der Moderne wie Hans Bellmer und Bruno Schulz in der Galerie Leto genauso wie Neuentdeckungen: Raster präsentierte die erste Einzelausstellung des Künstlerkollektivs Slavs & Tatars, daneben gab es Präsentationen von internationalen Künstlern wie Pawel Althamer, Kitty Kraus, Willem de Rooij und der Société Réaliste. Man konnte Fotografien von Marek Piasecki und Wojciech Zamecznik finden, sowie neues von der jüngeren Generation polnischer Künstler: Wojciech Lazarczyk, Grzegorz Sztwiertnia oder Christian Tomaszewski. Das polnische Kulturinistut Adam-Mickiewicz-Institut coorganisierte das Podium des Warsaw Gallery Weekend mit bekannten Sammlern der zeitgenössischer Kunst wie Karen und Christian Boros und Wilhelm Schürmann.

Alle Galerien des WGW Kollektivs zeigten ein reichhaltiges Begleitprogramn. Galeria Czarna weihte neben der Vernissage von Sawomir Rumlag ihre neuen Räume ein, inklusive einer Künstlerbar. Die Bochenska Gallery eröffnete, zusätzlich zu der Hauptausstellung von Wojciech Lazarczyk, die siebentägige Gruppenausstellung "Esencja". BWA Warszawa, ergänzte ihre Ausstellung in den heimatlichen Räumen mit der Gruppenausstellung "Alphaville" in einem ehemaligen Fabrikgebäude. Raster begleitet die Ausstellung von Slavs & Tatars mit Vorträgen, Periodika und Editionen. Die Galeria Leto ging mit Außenskulpturen von Maurycy Gomulicki in den öffentlichen Raum. Piktogram/Bla eröffnete mit Willem de Rooij, und zeitgleich erschien die lang ersehnte neue (16.) Ausgabe des Magazins Piktogram.

Wie in Berlin, Basel und Miami gab es auch in Warschau Trittbrettfahrer – ausgerechnet die renommierte Zacheta Nationalgalerie beteiligte sich zwar nicht an der Planung und den Kosten des Kunstwochenendes, eröffnete aber am Freitagabend die Ausstellung "HULS" mit Arbeiten von David Adamo, Klara Lidén und Konrad Smolenski. Die exzellente Sound-Bombing-Performance von BNNT erwies sich als erfolgreicher Publikumsmagnet und konnte einige Besucher von Eröffnungen des offiziellen WGW-Programms abziehen.

Renata Kaminska ist Künstlerin und lebt in Berlin.

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1 Leserkommentar vorhanden

Wojtek

18:32

02 / 10 / 12 // 

na ja...

So viele Tippfehler sieht man sehr selten in den deutschen Zeitschriften. Und warsachauer Galerie Zachete als Trittbrettfahrer zu beschreiben finde ich in dem Kontext sehr misslungen.

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