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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunstereignisse, die sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: eine Retrospektive von Sylvia Sleigh, Collagen unter UV-Licht und Künstler aus Aotearoa, Neuseeland
// DANIEL BOESE, PETRA BOSETTI, ANN KIMMINICH
St. Gallen: Sylvia Sleigh

Die Werke der britischen Malerin Sylvia Sleigh (1916 bis 2010) verbinden kühne Sinnlichkeit mit persönlichem Feminismus. In mehr als 60 Jahren künstlerischen Schaffens fertigte die in den USA lebende Künstlerin Porträts, Modellstudien und Akte von Schriftstellern, Schauspielern, Musikern und Künstlerkollegen an.

Sleighs Arbeiten transportieren eine absichtlich auf den Kopf gestellte Sichtweise von Macht, Repräsentation und Gender. Ihre Akte verweisen zwar häufig auf die große Tradition der Malerei, gleichzeitig stellen sie aber auch eine Art ironischen Kommentar zu festgefahrenen gesellschaftlichen Werten dar. Neben Porträts werden in der Ausstellung mehrere Stillleben und Landschaften zu sehen sein, darunter die selten gezeigten Gemälde von Statuen in der Parklandschaft nahe dem Kristallpalast in London aus den fünfziger Jahren.

Die Retrospektive von Sylvia Sleigh ist vom 6. Oktober bis zum 2. Dezember 2012 in der Kunst Halle Sankt Gallen in St. Gallen zu sehen.

Wolfsburg: Marc Brandenburg

Der Künstler Marc Brandenburg hat für seine Ausstellung "Normex" Installationen geschaffen, die unter UV-Licht präsentiert werden. Die zweidimensionalen Collagen erhalten durch den Einsatz von Schwarzlicht eine zusätzliche Leuchtkraft und ziehen so die volle Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Mit dieser Arbeit versucht Marc Brandenburg Momente festzuhalten, die nicht eindeutig sind. Oft sind es Motive aus der Alltagswelt, die bei einem genauen Hinsehen ein Unbehagen auslösen können. Brandenburg ist für seine Bleistiftzeichnungen bekannt, aus denen er zusätzlich Reproduktionen wie Sticker und temporäre Tattoos herstellt. Auch zu der Ausstellung "Normex" erscheint eine Künstleredition mit temporären Tattoos und einem Text von Oliver Koerner von Gustorf.

Die Ausstellung "Normex" ist vom 6. Oktober 2012 bis zum 17. März 2013 in der städtischen Galerie in Wolfsburg zu sehen.

Frankfurt: Aotearoa/Neuseeland + Alex Monteith

Neuseeland ist Gastland bei der Frankfurter Buchmesse 2012, passend dazu finden die Gruppenausstellung "Contact. Artists from Aotearoa/New Zealand" im Frankfurter Kunstverein und die Austellung "Exercise Blackbird" von Alex Monteith im Museum für Moderne Kunst Frankfurt statt. Das Werk der neuseeländischen Künstlerin und Regisseurin Alex Monteith ist eine raumgreifende 3-Kanal-Video-Installation "Composition with RNZAF 3 Squadron Exercise Blackbird", die dem Betrachter das Gefühl vermittelt, er fliege in einem Hubschrauber über die verschneite alpine Landschaft der Südinsel Neuseelands. Die Filme sollen einerseits die Freiheiten der modernen Gesellschaft widerspiegeln, andererseits aber auch die Grenzen des menschlichen Handelns an der Schwelle geografischer, umweltpolitischer oder territorialer Extreme aufzeigen. Die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein zeigt einen multiperspektivischen Blick auf Neuseelands künstlerische Szene. Es werden malerische, fotografische, filmische und installative Werke von 25 neuseeländischen Künstlern der letzten 40 Jahre in Aoteaora/Neuseeland gezeigt. Der Begriff "Contact" im Titel der Ausstellung verweist auf das Beziehungsgeflecht zwischen den beiden dominanten Ethnien im bikulturellen Aotearoa/Neuseeland.

Die Gruppenausstellung "Contact. Artists from Aotearoa/New Zealand" ist vom 5. Oktober bis zum 25. November 2012 im Frankfurter Kunstverein in Frankfurt am Main zu sehen. Die Ausstellung "Exercise Blackbird" von Alex Monteith ist vom 05. Oktober bis zum 25. November 2012 im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt Am Main zu sehen.

München: Richard Tuttle

"Beim Werk von Richard Tuttle ist weniger eindeutig weniger" – und nicht mehr. Mit dieser Anspielung aus Mies van der Rohes „Less is more“ disste Hilton Kramer, Kritiker der New York Times, 1975 die Einzelausstellung minimalistischer Arbeiten von Tuttle im Whitney. Der Karriere von Tuttle hat die Schmähung nicht geschadet, er gilt als "artist’s artist" – also als Künstler, der besonders von seinen Kollegen geschätzt wird. Jetzt hat er für den Kunstverein München einen eigenen Werkkomplex geschaffen: "Hello, The Roses". Die Arbeiten entstanden gemeinsam mit der Dichterin Mei Mei Berssenbrugge, Tuttles Ehefrau. Sie hat für die Ausstellung ein neues Gedicht verfasst, das sie am Sonntag lesen wird. Ab dem 30. Oktober wird die Pinaktothek der Moderne parallel eine Ausstellung von Tuttles Frühwerken aus Münchner Privatsammlungen zeigen.

Hello, The Roses. Kunstverein München. Bis 25. November. Lesung: Sonntag, 7. Oktober 2012.

Dortmund: 2. Ruhr Biennale

Spielen, eigentlich eine Tätigkeit, die Vergnügen und Entspannung bewirken soll, kann auch ganz ernst genommen werden. Dem "Möglichkeits- und Wirklichkeitssinn des Spielens" gehen auf der 2. Ruhr Biennale 59 Künstler aus neun Nationen nach. Sie wollen zeigen, "wie das entfremdete Sehnsuchtsbild der Moderne die Kultur des Spielens und die in ihr angelegte Idee der Freiheit" durchzieht. Halb so schlimm. Auf der Biennale, deren Hauptausstellung im Alten Medizinischen Institut in Dortmund sowie an verschiedenen öffentlichen Orten in Bochum, Duisburg und Dortmund stattfindet, gibt es viel zu sehen und zu erleben. Anton Schaller etwa hat Abhilfe für einen negativen Aspekt des Spielens geschaffen: einen "Space for gambling addict", in dem süchtige Spieler "entschleunigt" werden. Mit tiefgründigem Humor hat Charly Cobdak Klone der dichtenden Schwestern Brontë gefertigt ("Inspirationsmaschine für Autoren"). Kirsten Borchert und Larissa Leverenz treiben mit Entsetzen Scherz: Sie fordern Besucher auf, Flugzeugtypen ausgewählter Luftwaffen aus Papier zu basteln. Makaber: Der Titel der Arbeit lautet "Enola Gay", so hieß der B-29-Bomber, der 1946 die Atombombe "Little Boy" über Hiroshima abgeworfen hatte. Anja Sonnenburgs Projekt "Kriegsspiel.de" zeigt ein aus 5000 Plastiksoldaten gefertigtes Brautkleid und versucht ein Beziehungssystem zu schaffen, das auf verschiedene Weisen um das Grauen des Krieges und seine mediale Vermittlung in den Industrienationen kreist. Eher heiter ist das Projekt "Familienporträt" des niederländischen Künstlerduos Boegel und Luis Spoelstra. Sie transformieren zufällig vorbeikommende Besucher zu Mitgliedern in einem Familienporträt.

Die 2. Ruhr Biennale läuft bis zum 12. Dezember 2012.

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