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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunstereignisse, die sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: mit einer Liebesausstellung eines Künstlerpaars, dem Treffen der Künstlerfamilie Smith und mysteriöser Malerei
// STEFFI PARLOW
Leipzig: Kristina Schuldt und Ronny Szillo

Ein Künstlerpaar macht einen Liebesurlaub und dann eine Liebesausstellung mit dem Titel "GZSZ". Kristina Schuldt und Ronny Szillo sind an die Ostsee gefahren, von dort schickten sie insgesamt sieben Urlaubsgrüße in Form von Collagen an die Kuratorin des Potemkas Contemporary Art in Leipzig.

Sie brachten auch Urlaubsandenken mit, darunter zwei kitschige Badehandtücher mit Pferd und Delphin, erworben auf einem Markt in Polen. Zurück in Leipzig ließen sie diese Tücher in Gold mit ihren Initialen besticken. Zu sehen sind diese Souvenirs jetzt in der sehr persönlichen Ausstellung "GZSZ" im Potemka. Das Künstlerpaar tritt das erste Mal zusammen auf. Die kleinformatigen Collagen von Kristina Schuldt verbinden Aquarell und Zeichnung. Ronny Szillo spielt mit der prolligen Ästhetik der achtziger Jahre und nutzt diese für seine Installation.

Die Ausstellung "GZSZ" ist bis zum 13. Oktober 2012 im Potemka in Leipzig zu sehen.

Tübingen: Nicola Samorì

Die Malereien und Skulpturen des italienischen Künstlers Nicola Samorì wirken mysteriös und unheimlich. Aus dunklen Bildräumen treten Figuren, Porträts und Körper an die Oberfläche. Diese sind in einer präzisen Helldunkelmalerei ausgearbeitet und erinnern an die Bildsprache des Barocks und der Renaissance. Doch eine Zerstörung, Übermalung und Fragmentierung des Gesehenen stört den Blick auf das scheinbar Vertraute. Nach Anlage des Bildgrunds wird dieser vom Künstler übermalt, mit Farbe übergossen oder mit dem Palettenmesser aufgelöst. Die Werke werden so von einer Stimmung der Dekonstruktion und Vernichtung getragen, die Parallelen zum Vanitasmotiv bilden. Die Tübinger Kunsthalle zeigt die erste Einzelausstellung mit 60 Gemälden und fünf skulpturalen Arbeiten von Nicola Samorì. Seine Arbeiten werden im Kontext des Museums, etwa im Verhältnis zu Barockwerken präsentiert.

Die Ausstellung "Fegefeuer" ist vom 21. September bis 2. Dezember 2012 in der Kunsthalle in Tübingen zu sehen.

Münster: David Jablonowski

Der Westfälische Kunstverein präsentiert sich mit der Ausstellung "Blue Greens" von David Jablonowski im Botanischen Garten Münsters. Der in den Niederlanden lebende deutsche Künstler untersucht in seinen Installationen und Skulpturen die Möglichkeit der Kommunikation in der gegenwärtigen visuellen Kultur. Dabei berücksichtigt er gerade die Spanne zwischen analogen und digitalen Medien. Technische Apparaturen werden nicht nur auf ihre skulpturale Qualität befragt, sondern auch auf ihre geometrische Formensprache. Für das botanische Umfeld entwickelt Jablonowski eine ortsspezifische Werkgruppe, die sich mit der Frage auseinandersetzt, wie eine ökologische Rhetorik gezielt in der Industrie eingesetzt wird. Seine künstlerische Arbeit lehnt sich an eine Kommunikationsästhetik aus der Werbung und Politik an.

Die Ausstellung "Blue Greens" ist vom 21. September bis 18. November 2012 im Westfälischen Kunstverein in Münster zu sehen. Im November erscheint bei Mousse Publishing eine Publikation, die auch als e-book erhältlich sein wird.

Bielefeld: Kiki Smith, Seton Smith, Tony Smith. Eine Künstlerfamilie

Familientreffen der Smiths in der Kunsthalle Bielefeld. Anlass bietet der 100. Geburtstag von Tony Smith (1912 bis 1980), dessen Werk nun parallel mit dem seiner Töchter, Kiki Smith (*1954) und Seto Smith (*1955), gezeigt wird. Tony Smiths künstlerisches Schaffen begann zunächst in der Architektur, erst im Alter von 50 Jahren widmete er sich ganz der Kunst. Bekannt geworden ist er vor allem mit seinen monumentalen Skulpturen, dabei war er auch immer schon als Maler aktiv. Seine Gemälde und Skulpturen waren mit ihren geometrischen Formen und der Untersuchung von Körper und Raum wegweisend für die Minimal Art. Die Ausstellung in Bielefeld wird auch auf seine architektonische Schaffenszeit eingehen, anhand von Zeichnungen und Modellen. Kiki Smiths narrative und poetische Bildsprache wirkt sehr konträr zu der des Vaters, sie lehnt sich an mythologische und biblische Bildmotive an. Die Arbeitsweise von Seton Smith hingegen orientiert sich an den künstlerischen Anfängen des Vaters. Bereits sehr früh begann sie, dessen Architektur zu fotografieren, allerdings nicht in einer Tradition des Dokumentarischen, der Fokus dieser Arbeiten liegt im Moment der Unschärfe.

Die Ausstellung "Kiki Smith/Seton Smith/Tony Smith" ist vom 23. September bis 25. November 2012 in der Kunsthalle in Bielefeld zu sehen. Ein Katalog erscheint im Kerber Verlag.

Bochum: 50 Jahre Kunstverein

Am 1.10.1957 gründete sich der Verein Freunde der bildenden Kunst in Bochum e.V.. Im Jahr 1962 schloss man sich dann mit der Städtischen Galerie zusammen, und es entstand der heutige Kunstverein, dessen Schwerpunkt in der aktuellen Gegenwartskunst liegt. Nach 50 Jahren und über 300 Einzelausstellungen blickt man kritisch auf die Zeit zurück. Hinterfragt wird, was heutige Gegenwartskunst auszeichnet und welche Rolle dabei ein Kunstverein als spezifische Institution spielen kann. Die Jubiläumsausstellung mit 50 künstlerischen Positionen zeigt einen Überblick der Jahrzehnte, darunter Katharina Grosse, Bogomir Ecker, Stephan Balkenhol, Christiane Baumgartner und Christina Kubisch.

Die Ausstellung "bis hier...50 Jahre Kunst Bochum" ist vom 22. September 2012 bis 20. Januar 2013 im Kunstverein in Bochum zu sehen.

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