"Ein guter Guerillero kann alleine und im Team arbeiten"

Die Ideen und Intentionen der grünen Kampftruppen sind so verschieden wie die Blumen, die sie pflanzen. Einigen geht es um politische Aussagen, sie pflanzen vorzugsweise Disteln auf Golfplätze, Brennnesseln in Parks von Vorstandsvorsitzenden oder stören Gentechnik-Freilandversuche durch heimliches Zwischensäen von natürlichen Pflanzen. Anderen geht es schlicht um die Verschönerung ihres Stadtteils. Als "Heinzelmännchen-Gärtner" engagieren sie sich heimlich in ihrer Nachbarschaft und graben, jäten und sähen in Gemeinschaft gleichgesinnter Samenspender.

Der Brite Richard Reynolds ist Europas bekanntester Guerilla-Gärtner. Tagsüber arbeitet der 31-Jährige als Werber, und nachts schleicht er sich mit seinen grünen Rächern durch Londoner Straßen – ständig auf der Suche nach dem nächsten Unkraut. Alles begann, als er 2004 im Alleingang anfing, seine Londoner Wohngegend zu bepflanzen. Heute zählt seine Webseite GuerrillaGardening.org über 4000 Mitglieder. "Ich teile sie in Truppen ein und gebe ihnen Nummern. Aber natürlich sind nicht alle Registrierten wirklich aktiv. Aber ich gebe mein Bestes, sie zu überzeugen!", erzählt Reynolds. Termin und Ort der Aktion werden in Internetforen vereinbart, und dann trifft man sich in Gruppen oder arbeitet allein. "Ein guter Guerillero kann alleine und im Team arbeiten," sagt der Anführer.

Aber ist diese Gartenarbeit auch Kunst? Die Gruppe "Kampolerta" aus Wien verbindet das Gärtnern mit dem Kreativen. Mit kleinen Aktionen wie dem Projekt "Phoenix" – bei dem sie Aschenbecher in der U-Bahn mit Blumen bepflanzten – versucht die 24-köpfige Gruppe, die hauptsächlich aus Landschaftsplanern besteht, neue Sichtweisen auf den öffentlichen Raum zu evozieren. "Wir bewegen uns zwischen den Feldern Urbanismus, Landschaftsarchitektur und Kunst", erklärt ein Mitglied. Aber "ob sich Guerillia Gardening als Kunstrichtung und nicht auch als soziale, stadtgestaltende, raumgreifende Bewegung versteht, bleibt für uns ungeklärt und ist auch nicht eindeutig zu kategorisieren", meinen die Wiener Hobbygärtner. "Für einige Guerilla Gardener ist das definitiv Kunst", sagt Reynolds, "für andere weit davon entfernt, sie sehen es als einfaches Gärtnern. Der Akt der Handlung ist das Ereignis, es ist wie Straßen-Theater. Leute halten an, fragen, denken, debattieren, machen Fotos und befassen sich damit."

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3 Leserkommentare vorhanden

Thomas Wulffen

21:43

11 / 04 / 08 // 

Korrektur

"Ähnlich sieht es Ben Wagin, der mittlerweile 77-jährige Umweltaktionist und Baumpate aus Berlin." Nichts für ungut, aber Ben Wargin schreibt man mit einem r... Schöne Grüße an Ben!

Thomas Wulffen

08:18

12 / 04 / 08 // 

Korrektur der Korrektur?

Wer sucht, der findet: die eine Schreibweise ohne r scheint eine jüngere Variante des namens zu sein, während Wargin mit r eine ältere ist. So hat die Korrektur recht wie die Korrektur der Korrektur oder?

Charlie Meadows

01:10

15 / 04 / 08 // 

Schöner Artikel - und regt an!

Ich werd mich jetzt jedenfalls auch mal auf den Bürgersteig bewegen und das ein oder andere Pflänzchen eingraben! Grüße aus Berlin.

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