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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunstereignisse, die sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: aktivistische Hasen, eine "Monsterkuh" und kultisch-religiös anmutende Objekte von Björn Dahlem
// STEFFI PARLOW
Hamburg: Manuel Graf + Kiki Kogelnik

Der Hamburger Kunstverein hat sich auf die Suche nach blinden Flecken in der Kunstgeschichte begeben. Da dieses Feld weit ist, konzentriert man sich vor allem auf feministische Positionen der sechziger bis achtziger Jahre, die in der Kunstrezeption immer noch unterrepräsentiert sind.

Gezeigt werden 90 Arbeiten der bereits verstorbenen österreichischen Künstlerin Kiki Kogelnik, deren Arbeiten stark von der Pop Art beeinflusst sind. Die Ausstellung konzentriert sich vor allem auf Arbeiten aus den sechziger Jahren, als Kogelnik lebensgroße Schablonen ihrer Künstlerfreunde anfertigte, diese auf Leinwand übertrug; später wurden dann aus den Schablonen eigenständige Arbeiten aus Vinyl. Gerade in Deutschland wurde das Werk der Österreicherin bis heute noch nicht umfassend präsentiert. Der zweite Künstler, dem sich der Hamburger Kunstverein widmet, ist der in Düsseldorf lebende Manuel Graf. In seinen animierten Videoarbeiten und Installationen bezieht er sich auf die Bedeutung der Architektur in ihrer physischen Präsenz und untersucht ihre soziale und kulturelle Bedeutung. Im Kunstverein verbindet Manuel Graf Poster, Skulpturen, Filme und Fotografien zu einer Gesamtinszenierung.

Die Ausstellung von Manuel Graf ist vom 15. September bis 2. Dezember 2012, die Ausstellung von Kiki Kogelnik vom 15. September bis 30. Dezember im Kunstverein Hamburg zu sehen. Begleitend zur Ausstellung "I Have Seen the Future" von Kiki Kogelnik erscheint im Snoeck Verlag ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen von Angela Stief, Annette Tietnberg und Florian Waldvoegel.

Berlin: The Body in Languages

Das koreanische Kulturzentrum in Berlin und New York hat in einer öffentlichen Ausschreibung koreanische Künstler gesucht, die in Deutschland oder in den USA leben und arbeiten. Vier Bewerber wurden ausgewählt: Ankabuta aus Wiesbaden, Hyoun-Jung Sung aus Halle, Miru Kim und Sun You aus New York. Im Vordergrund steht eine stärkere internationale Vernetzung koreanischer Künstler untereinander. Die Künstlerin Miru Kim verlagert für ihr "Camel Project" ihren Lebensmittelpunkt zeitweise in verschiedene Wüsten der Welt, dort lässt sie sich auf die Gegebenheiten und Lebensumstände vor Ort ein. Die Künstlerin Sun You lebt ebenfalls in New York. In ihren farbenfrohen Installationen verarbeitet sie sowohl industrielle, als auch kunsthandwerkliche Materialien, dazu kommen Accessoires aus der Modewelt. Die Wiesbadenerin Ankabuta sucht mit ihren poetischen und autobiografischen Installationen nach der "Tiefe in der Kunst." Die in Halle lebende Hyoun-Jung Sung schafft ambivalente und skurrile Wesen aus bedruckten Textilien und Garn.

Die Austauschausstellung "The Body in Languages" wird vom 14. September bis 8. Oktober im Koreanischen Kulturzentrum in Berlin und vom 24. Oktober bis 30. November 2012 im Koreanischen Kulturzentrum in New York präsentiert. Parallel zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Braunschweig: Björn Dahlem

Unter dem apokalyptischen Titel "THE END OF IT ALL" präsentiert der Braunschweiger Kunstverein den Künstler Björn Dahlem. Seine Skulpturen und Installationen erinnern an kultische oder religiöse Objekte. Sie bewegen sich zwischen Gefundenem und Gebautem. Behütet und umschlossen sind sie zumeist von Glasvitrinen. Zarte filigrane Holzstreben verbinden sich mit verschiedensten Uhren zu einer Stehle. Von der Decke hängende alte Lampen werden in einem Holzkreis gebündelt, die Arbeit "Sonne" erinnert an kosmische Sphären. Der in Berlin lebende Künstler bezieht sich auf gewichtige Themen aus der Astronomie, Kosmologie, Philosophie oder Religion. Seine Arbeiten sprechen aber dennoch eine spielerische, fragile und kuriose Sprache.

Die Ausstellung "THE END OF IT ALL" ist vom 15. September bis 18. November 2012 im Kunstverein Braunschweig zu sehen.

Bremen: Korpys/Löffler+20 Jahre Künstlerhaus

Das Künstlerhaus in Bremen feiert sein 20-jähriges Bestehen. Die Geburtstagsfeier breitet sich in ganz Bremen aus und reicht bis ins Umland: zusammengekommen sind 18 Orte, 45 Veranstaltungen und 67 Künstler. Galerien und Kunst- und Kulturinstitutionen sind bei "ZWANZIG12" mit dabei. Im Rahmen dieser Veranstaltung eröffnet im Künstlerhaus nun die Ausstellung "Geist" von Andree Korpys/Markus Löffler in Kooperation mit Dieter Schmal. Die Künstler installieren eine Destillieranlage in den Ausstellungsräumen und gewinnen so neue Essenzen aus ausgewählten Materialien. Destilliert werden bedeutsame Objekte, wie der Ausstellungskatalog zur legendären Harald-Szeemanns-Schau: "When Attitudes Become Form" aus dem Jahre 1969 oder Bruchstücke von Dieter Roths Schokoladenbüsten. Der Zersetzungsprozess verändert den Inhalt und die Form des aufgeladenen Ausgangsmaterials, das so aus seinem ursprünglichen Kontext enthoben wird. Was bleibt, sind konservierte Artefakte.

Die Ausstellung "Geist" von Korpys/Löffler in Kooperation mit Dieter Schmal ist vom 14. September bis 28. Oktober 2012 im Künstlerhaus Bremen zu sehen. Den 20. Geburtstag feiert das Künstlerhaus noch bis zum 30. September 2012.

Oldenburg: Hörner/Antlfinger

Dass der von vielen so geliebte Fleischkonsum zur Sünde werden kann, ist nicht erst seit bekannter Missstände in Fleischerzeugerfirmen klar. Der Titel "Discrete farms. Irgendwo muss das Fleisch doch herkommen" erinnert schon irgendwie an diese Tatsache. Das Künstler-Duo Hörner/Antlfinger erörtert in ihrer künstlerischen Zusammenarbeit immer wieder politisch brisante Themen. In absurden Bildern verfolgen Hörner/Antlfinger im Edith-Ruß-Haus die Tierindustrie Niedersachsens, entwerfen Alternativen zum Fleischverzehr und werden selbst zu aktivistischen Hasen. Das alles kommt natürlich nicht ohne eine große Portion Ironie und Surrealem aus.

Die Ausstellung ist vom 14. September bis zum 25. November 2012 im Edith-Ruß-Haus zu sehen.

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