Gib mir Fünf!

Tipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunstereignisse, die sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: der Wilde Westen in Dresden, der legendäre Anton Anton Corbijn und ein "Eingriff" in Picassos "Guernica"
// STEFFI PARLOW
Berlin: Between Walls and Windows. Architektur und Ideologie

Die "schwangere Auster", entworfen von Hugh Stubbins, sollte einst den Dialog im geteilten Berlin fördern, jetzt bildet sie den Ausgangspunkt für die Ausstellung "Between Walls and Windows. Architektur und Ideologie."

Als Architektur-Ikone und Symbol der Freiheit, entstanden im Nachkriegsdeutschland, war die ehemalige Kongresshalle schon immer auf eine interkulturelle Verständigung ausgerichtet. Das architektonische Wahrzeichen der westlichen Moderne ist seit 1989 Sitz des Hauses der Kulturen der Welt. Die Kuratorin Valerie Smith öffnet das Haus nun zur Großskulptur – internationale Architekten und Künstler diskutieren anhand von zehn ortspezifischen Installationen das Haus neu. Die Frage wie Architektur als Instrumentarium machtpolitischer Interessen und für ideologische Strategien benutzt wurde, wird kritisch hinterfragt. Am Eröffnungstag werden die Künstler und Architekten, darunter Ângela Ferreira & Marion von Osten, Arno Brandlhuber und Terence Gower & Steffen de Rudder von der Bauhaus-Universität Weimar, persönlich ihre Interventionen vorstellen. Eines der Projekte, die Installations "fm-scenario/where palms stand/mask/delay" von Eran Schaerfs. Sie findet in den Dolmetscherkabinen des Hauptkonferenzraumes statt. Ausgangsszenario hierfür bildet die Montage aus Höreranrufen, Features und Nachrichten des fm-Audioarchivesprojektes des Berliner Künstlers.

Delmenhorst: Anton Corbijn

Nicht nur Musikgrößen aus Rock und Pop posierten vor seiner Kamera, Anton Corbijn fotografierte auch Literaten, Schauspieler, Designer – die Liste ist lang: ob David Bowie mit zartem Lendenschutz, David Lynch sitzend vor einem Kaktus, Anthony Kiedis mit großer Taucherbrille oder ein schreiender Henry Rollins. Der Niederländer ist nicht nur für seine Fotografien bekannt, sondern auch für seine Spielfilme "Control" (2008) und "The American" (2010) , für Musikvideos und Plattencover. Auch scheut sich Corbijn nicht, sich selbst als Sujet seiner Bildfindung zu nehmen. Die Ausstellung "Private Passion" in der Städtischen Galerie in Delmenhorst konzentriert sich auf 30 großformatige Fotografien aus der Sammlung Günter Beckers aus Darmstadt. Aufnahmen von Mick Jagger, Gerard Dépardieu, Lucianio Pavarotti oder Miles Davis geben einen Einblick in das fotografische Werk des Künstlers.

Die Ausstellung "Private Passion" ist vom 1. September bis zum 28. Oktober 2012 in der Städtischen Galerie in Delmenhorst zu sehen.

Dresden: Manuel Frolik

Der Künstler Manuel Frolik bringt den Wilden Westen nach Dresden. Er schafft es, den Betrachter mit seiner raumgreifenden Installation "Horses" mit Humor und Pathos in entfernte Welten zu entführen. Beim Betreten der Ausstellungsräume des C. Rockefeller Center for the Contemporary Arts strömt einem ein Duftgemisch aus Holz, Heu und Pferdemist entgegen. Holzbank und Saloon-Hütte laden zum Verweilen ein – aber irgendwie ist alles ein bisschen zu klein geraten und aus dem Lot. Der Künstler, der in diesem Jahr mit dem Hegenbarth-Stipendium ausgezeichnet wurde, spielt gekonnt mit der Wahrnehmung des Publikums. Der Holz-Saloon ist nicht nur skulpturales Objekt, sondern dient im Inneren auch als autonomer Ausstellungsraum. Hier präsentiert Manuel Frolik elf Kaltnadelradierungen und die Kleinplastik "Big Bart On His Lame Horse". Ein vollbärtiger Mann sitzt oberkörperfrei mit einer Flasche in der Hand auf einem für ihn zu klein geratenen Pferd. Froliks wilde Pferde sind bildgebendes Element der Ausstellung, werden aber vom Künstler gezähmt und auf der "Spielwiese der Kunstwelt" gebracht.

Die Ausstellung ist vom 23. August bis zum 6. September 2012 im C. Rockefeller Center for the Contemporary Arts in Dresden zu sehen.

Oldenburg: Thomas Zipp

"Guernica" ist eines der bekanntesten Bilder von Pablo Picasso und ein Zeichen für die Schrecken des spanischen Bürgerkrieges. Fest verankert in unseren Köpfen als Meilenstein der Kunstgeschichte wird es nun von Thomas Zipp "aufgebrochen" und modifiziert. Der Berliner Künstler greift in das Bild ein, befragt sein immanentes Wertesystem. Was er genau mit "Guernica" vorhat, wird noch nicht verraten, gelüftet wird das Geheimnis am Eröffnungsabend im Oldenburger Kunstverein, wo Zipp bereits 2005 seine erste institutionelle Einzelausstellung hatte. Zipps Arbeiten zeichnen sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit Geschichte und Wissenschaft aus und sind geprägt von der Politik und Gesellschaft unserer Zeit.

Die Ausstellung ist vom 31. August bis zum 21.Oktober 2012 im Oldenburger Kunstverein zu sehen.

Berlin: "A Burn-Out Case?"

Höher, schneller, weiter – bis zum Burn-out. Diese Diagnose ist leider keine Seltenheit in der Leistungsgesellschaft, zumeist hervorgerufen durch psychischen Druck und fortdauernden Stress. Was treibt Leute dazu, sich komplett für eine Sache zu verausgaben und mehr als alles zu geben? Das Phänomen Burn-out wurde in den letzten Jahren medial viel besprochen – einheitliche Lösungen gibt es nicht. Jetzt nimmt sich auch die Kunst dieser Thematik an. Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin hat in einer öffentlichen Ausschreibung Künstler, Aktivisten und interdisziplinäre Arbeitsgruppen eingeladen, sich dem Thema Burn-out zu stellen, darunter Franziska Acngermann, Kaoru Hirano und Karin Michalski. Die Ausstellung "A Burn-Out Case?" behandelt Burn-out als ein Zeitphänomen. Gerade die flexible Arbeitsweise, aber auch die prekäre Situation der Kunst- und Kulturschaffenden, bilden eine gute Grundlage diese Erscheinung neu zu befragen. Am 8. September 2012 (12-21 Uhr) organisiert die NGBK ein Symposium zum Thema im Radialsystem V.

Die Ausstellung ist vom 1. September bis zum 14. Oktober 2012 in der NGBK in Berlin zu sehen.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo