Rückzug nach Banff

documenta 13



RÜCKZUG ZUR NATUR

Nach Kassel, Kabul und Alexandria macht die documenta 13 auch in Banff in Kanada Station. art-Redakteurin Susanne Baade berichtet vom Retreat in den Bergen.
// SUSANNE BAADE, BANFF

Wie ernst die Künstler die Klausur nehmen, verraten Zettel an den Türen ihrer Zimmer: Don’t disturb. No Housekeeping. Please don´t move the piano. Ins Banff Centre, diesen Ort des Austausches und der relativen Abgeschiedenheit, haben sich Vertreter aus sechs wissenschaftlichen Disziplinen und 30 Künstler im Rahmen der Documenta 13 zurückgezogen.

Die Veranstaltung nennt sich "The Retreat", und der Titel ist Programm. Nur sechs Vorträge werden in dieser Zeit gehalten, die Auftaktdiskussion leitet die künstlerische Leiterin der d13 Carolyn Christoph-Bakargiev selbst ein.

Die documenta-Direktorin hält ihre Lecture mit dem Titel "Time, Retreat, Earth and the cooked object as a space for aesthetics and politics" per Videokonfernz, obwohl angekündigt, konnte sie nicht nach Banff reisen. Sie spricht unter anderem darüber, wie aus Lehm Objekte werden, einem Thema, dem man in dem zentralen Ausstellungsraum "The Brain" im Fridericianum in Kassel und den dort präsentierten alten Keramiken oder dem im libanesischen Bürgerkrieg zerstörten Exponat aus dem Nationalmuseum in Beirut bereits begegnen konnte.

Teil des Retreats ist dementsprechend ein Keramik-Workshop, dessen Ergebnisse jedoch nicht ausgestellt werden. Immerhin wurden die Vorträge aufgezeichnet und können im Itunes-Kanal des Centre umsonst angehört werden. Im Programm heißt es, dass die Künstler "in eine Phase des des begrenzten Studiums, der Reflexion und des Austausches eintreten, mit dem Ziel, permanente Veränderung zu bewirken". Aber vor allem entsteht der Eindruck, dass sie hier Spaß gehabt haben. Auf den Tischen im Garten des Keramikstudios stehen noch Weinflaschen und Gläser, abends werden an die weiße Hauswand Filme projiziert.

Die Hitze eines herannahenden Gewitters liegt in der Luft, das Wetter wechselt schnell hier in den kanadischen Rocky Mountains. Die beeindruckende Bergwelt, die mit ihren weiten Tälern so ganz anders ist als man es von den engen Alpen gewohnt ist, zieht jedes Jahr tausende von Touristen an. Mitten im gleichnamigen Nationalpark liegt Banff. Es ist ein mondäner Ort, von dem man sommers zu Hiking- und Trekking-, Rafting- und Mountainbike-Touren aufbricht, im Winter fährt man Ski. Auf den ersten Blick scheint Banff mit Kunst und Kultur nichts zu tun zu haben. Und dennoch war die Stadt für zwei Wochen der Rückzugsort einiger Documenta-Künstler.

Oberhalb des Ortes, unweit des 2600 Meter hohen Mount Sulphur, liegt das Banff Centre. Es wurde in den dreißiger Jahren als Schule für Theater gegründet und ist zu einem über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Ort des Austausches geworden. Künstler, Musiker, Mathematiker können hier, umgeben von Laubbäumen, ihrer Arbeit nachgehen, finanziell unterstützt durch diverse Förderprogramme. Im Sommer werden hier Workshops abgehalten, eigene Lehrer und Koryphäen aus aller Welt unterrichten verschiedene Fachbereiche.

Die Ausstattung des Banff Centres ist bemerkenswert: eine Oper mit anliegenden Werkstätten, eine Open-Air-Bühne und eine Keramikbrennerei. Aber, typisch für Nordamerika, auch an die Vermarktung ist gedacht: Wichtige Einrichtungen wie Konferenzräume, ein Hotel, diverse Restaurants und sogar ein Fitnessclub mit Kletterwand und Swimming Pool gehören ebenfalls dazu. In einem abgeschiedenen Waldstück stehen von kanadischen Architekten entworfene Hütten, in denen man in Ruhe komponieren, malen und schreiben kann.

Einzig von Brian Jungen und Duane Linklater ist bereits eine Arbeit in der Walter Phillips Galerie des Banff Centres zu sehen. In Kassel hat Jungen die Besucher mit dem "Dog Run" überrascht, einer Auslaufzone für Herrchen und Hund als Sinnbild für das domestizierte Tier. In seinem 50-minütigen Stummfilm "Modest Livelihood" geht es hingegen um das wilde Tier. Er zeigt wie Jungen und Linklater vom Gelände der First Nation in Fort St. John aus auf Elch-Jagd gehen, begleitet werden die Künstler Jungens Onkel, einem Ureinwohner Kanadas. Sie lesen Spuren, lauschen dem Wind, bewegen sich über Tage und Wochen durch das Unterholz, leben wie die "Indianer". Am Ende erlegen sie das Tier. Es wird aufgeteilt und während der Arbeit an dem Film portionsweise gegessen. Am Abschlussabend des Documenta-Retreats kommt Fleisch aus eben jener Elchjagd auf den Tisch.

Schmetterlinge, Libellen und Murmeltiere tummeln sich auf den Grasflächen zwischen den Gebäuden. Die Künstlerin Kristina Buch hatte in Kassel mit ihrem Schmetterlingsgarten versucht, die Falter anzulocken. Hier tanzen unzählige von ihnen durch die Luft – die Tiere sind Bestandteil dieser Umgebung. Insgesamt dominiert die Natur das Leben in den Rockies. Es gibt Bären, und deshalb sind die Mülleimer auf dem Gelände wie fast überall in der Region aus Stahl und mit einer bärensicheren Öffnungsmechanik versehen. Abends treiben einen Mücken und Bremsen in die Gebäude. Christov-Bakargiev hätte an diesem Ort Gefallen gefunden – nicht der Mensch steht im Zentrum, sondern die belebte Natur diktiert das Geschehen. Und dann bricht das Gewitter los, Mensch und Tier suchen Unterschlupf. Die Weingläser der documenta-Künstler füllen sich mit Wasser.

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2 Leserkommentare vorhanden

ranga yomasetivabama rngshiktopilaveti bigasitival

23:33

20 / 08 / 12 // 

ja auch mit diese dort

muss verständnis für das mit und gute menschlich. aber documenta hier geht nicht deutlichkeit domestiziert, skandal für fallobjekt. Wieder nicht bockland gebrummt. das mensch mit lange haar in gesicht rasur nicht wirklichkeit faden. gute forkus direktion doucmenta kassel benagisagesi für waren. wer liest das muss noch lerne

ranga yomasetivabama rngshiktopilaveti bigasitival

23:36

20 / 08 / 12 // 

vergesse

mit der mütze auch noch nachbereitung kunst muss. bleibe aber am ball. denn muss du auch mit. versteh die lernung documenta. danke brotanhänger

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