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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Diesmal mit Beschreibungen des Paradieses, der Tanzikone Merce Cunnigham und abstrakter Bildsprache
// PETRA BOSETTI, STEFFI PARLOW

Neumünster: Thorsten Goldberg

Auf dem Weg zur Gerisch Stiftung nach Neumünster. Anfangskoordinaten: Hamburg, Zielkoordinaten: Neumünster, ergeben eine Strecke von 84 Kilometern und eine Fahrtzeit von einer Stunde und 14 Minuten.

Am Ziel warten: Idyllischer Garten, Skulpturenpark, Jugdendstilvilla – und die Ausstellung des Berliner Künstlers Thorsten Goldberg: "54°4 min." Man fühlt sich fast wie im Paradies. Doch Thorsten Goldberg träumt sich ins weit entfernte Kanada. Zu verfolgen anhand unzähliger Google-Earth Fotos. Über dem Privathaus des Stifterpaares Gerisch schwebt die Wolke "Cumulus 11.08". Sinnbild für Sehnsüchte, Fernweh und Romantik. Das Kunststoffobjekt impliziert "ein sich Wegträumen", "auf Wolken schweben". Das Motiv der Wolke findet sich auch in den Ausstellungs- räumen der Villa Wachholz wieder. Dort in Form von Leuchtstoffröhren, die von der Decke hängen.
Der Künstler führt den Betrachter zu utopischen Orten und Plätzen der Sehnsucht. Die Ausstellung umfasst Objekte, Modelle, Installationen, Zeichnungen, Videoarbeiten und Fotografien. Sie erzählen von fiktiven Reisen, Paradiesbeschreibungen, weit entlegenen Inseln, einer historischen Karte des Schlaraffenlandes oder Beschreibungen des Paradieses. Wo befinden wir uns? Wo träumen wir uns hin?

Die Ausstellung ist bis zum 20. Januar 2013 in der Gerisch Stiftung in Neumünster zu sehen. "54°4 min." ist Teil einer deutsch-polnischen Kooperation und wird in Danzig fortgesetzt.

Salzburg: Merce Cunningham Dance Company. Fotografien einer Tanzbewegung

Wie kaum ein anderer schuf Merce Cunnigham eine neue Verbindung von Musik und Performance, Bewegung und Interpretation. 1953, mit der Gründung der legendären Merce Cunningham Dance Company, kreierte er eine Plattform für seine Gedanken und Visionen. In jahrzehntelanger Kooperation mit Künstlern, Designern, Komponisten und Literaten entwickelte sich eine eigene Sprache der körperlichen Bewegung, des Ausdrucks und ein neues Verständnis von Tanz, Performance und Choreografie.
Das Museum der Moderne Rupertinum in Salzburg widmet nun dem Tänzer die Ausstellung: "Merce Cunnigham Dance Company. Fotografien einer Tanzbewegung." Die rund 100 fotografischen Werke präsentieren unterschiedliche Blicke auf das Schaffen von Cunningham und seinem Tanz Ensemble. Dabei konzentrieren sich die Salzburger Kuratorinnen Margit Zuckriegl und Katja Mittendorfer-Oppolzer auf vier Fotografen und Bildern aus dem Deutschen Tanzarchiv in Köln. Der Fotograf James Klosty tourte mit der Company – er fokussierte sich vor allem auf die Arbeitsatmosphäre und Probesituation. Mikhail Baryshnikov, selbst einflussreicher Tänzer und Choreograf, fotografierte einige Performances. Die junge Fotografin der Kostümabteilung der Company, Anna Finke, konzentriert sich in ihren Arbeiten auf die letzten Produktionen. Parallel zur Ausstellung findet im Museum der Moderne Mönchsberg die große John-Cage-Ausstellung statt – Cunnighams langjähriger Freund und Partner.

Die Ausstellung ist bis zum 11. November 2012 im Museum der Moderne, Rupertinum, in Salzburg zu sehen.

Krems: Svenja Deininger

Svenja Deininger wurde im Juni mit dem hoch dotierten Strabag Art Award ausgezeichnet. Ihre abstrakte Malerei befragt Material, Bildraum, Methode und Farbe. Sie formuliert ihre Gedanken zu ihren Bildern und deren Entstehung, so: "...when two areas [...] hit each other they suddenly form a theme...". Der Bildraum wird von geometrischen Formen ausgelotet. Flächen grenzen an Linien, Linien grenzen an Dreiecke, Flächen und Formen überlagern sich und stoßen aneinander. Die Farben- sprache im Bild erzeugt eine Illusion von Raum. Das Farbspektrum in dem sich Deininger bewegt, reicht von gedämpftem Braun-, Grau-, Schwarz- und Weißtönen, bis hin zu zarten Farbigkeiten. Die Materialität des Bildträgers wird durch die Oberflächen unterschiedlicher Qualitäten betont. Ihr Umgang mit abstrakter Malerei artikuliert die Möglichkeiten und Grenzen des Mediums. Svenja Deininger arbeitet in kleinen konzentrierten Formaten und auf vertikalen, bemalten Papierbahnen. Die Wienerin präsentiert nun in einer Einzelausstellung in der Factory der Kunsthalle Krems ihre neuesten Arbeiten.

Die Ausstellung ist bis zum 30. September 2012 in der Factory der Kunsthalle Krems zu sehen.

Wiesbaden: Quappi und Max Beckmann

Mathilde von Kaulbach, Tochter des Historienmalers Friedrich Kaulbach, träumte 1923 als junges Mädchen mehrmals von einem ihr unbekannten Mann. Als sie ein Jahr später zu Gast im Wiener Haus der Baronin Henriette von Motesiczky weilte, trat dieser Mann in ihr Leben: Es war der Maler Max Beckmann. Sie heirateten 1925, die Beziehung hielt bis zu Beckmanns Tod im Jahr 1950. Beckmann hat seine Quappi (wie die Baronin Motesiczky Mathilde in einer übermütigen Verballhornung des Mädchennamens Kaulbach genannt hatte) immer wieder gemalt. Das Museum Wiesbaden macht nun diese Beziehung und den künstlerischen Output zum Thema der Ausstellung "Quappi und Max Beckmann". In Zentrum steht das Wiesbadener Gemälde "Weiblicher Akt mit Hund". Dass es sich bei der Dargestellten um Quappi handelt, sei "bislang nur wenigen Spezialisten bekannt", heißt es zur Ausstellung. "Mit dem Wissen aber, dass Beckmann hier seine zweite Frau dargestellt hat, gewinnt das Gemälde an Komplexität." Ergänzt wird es durch qualitätvolle Leihgaben unter anderem aus der Pinakothek der Moderne München, dem Museum der bildenden Künste Leipzig und dem Wuppertaler von-der-Heydt-Museum.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. November 2012 im Museum in Wiesbaden zu sehen. Der Katalog zur Ausstellung ist für 10,00 € erhältlich.

Frankfurt: Mauricio Guillén

Mexiko-Stadt: ein Ort mit sozialen und kulturellen Unterschieden. Ein Ort im Wandel, geprägt vom Kulturimport. An diesem Ort verbrachte Mauricio Guillén seine Kindheit und Jugend. Für die Produktion des Films "Aveninda Progreso" ist der Künstler an diesen Ort zurückgekehrt. Der Schwarzweißfilm bildet den Mittelpunkt der Ausstellung im MMK Zollamt Frankfurt.
Der Betrachter wird auf eine Reise durch die Viertel von Mexiko-Stadt, mitgenommen. Zu sehen sind Straßen, die nach abendländischen Philosophen und Literaten benannt sind: Goethe, Marx, Tolstoi. Zwei Generationen stehen sich gegenüber. Der Künstler befragt Bilder und Sprache die unser Verständnis von Kultur und Geschichte beeinflussen. Er zeigt wie Wissen und Bildung innerhalb einer Gesellschaft entsteht, arbeitet persönliche Erfahrungen ein und setzt konzeptuelle Strategien um. Der 16-mm-Film wird von Fotografien und Textarbeiten ergänzt.

Die Ausstellung ist bis zum 9. September 2012 im MMK Zollamt Frankfurt zu sehen.

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