Olafur Eliasson

Interview

Erleuchtet
Olafur Eliasson mit der solarbetriebenen Taschenlampe "Little Sun" (Foto: © Tomas Gislason)

ERLEUCHTET

Für sein "Weather Project" (2003) in der ehemaligen Turbinenhalle der Londoner Tate Modern schuf Olafur Eliasson eine riesige Sonne. Nun stellte er eben dort sein Projekt für die Kultur-Olympiade London 2012 vor. Die "Little Sun" ist eine solarbetriebene Taschenlampe, die Menschen in Entwicklungsländern ohne Zugang zu Strom Licht spenden soll. art-Korrespondent Hans Pietsch traf Olafur Eliasson in London und sprach mit ihm über das Projekt.
// HANS PIETSCH, LONDON

Herr Eliasson, nach der Großen Sonne nun eine Kleine Sonne. Was steckt hinter der Idee dieses Projekts?

Ich beschäftige mich in meiner Kunst seit langem mit dem Phänomen Licht und seiner Wirkung auf den Menschen. Daher ist dies hier gar nicht weit von meinen anderen Projekten entfernt. Ich nenne es ein Kunstwerk, das im Leben funktioniert.

Mir als Künstler ist es wichtig, dass ich auch in ganz anderen Systemen arbeiten kann, also nicht nur im Museum oder im Öffentlichen Raum, sondern wie hier im Umfeld von Menschen ohne Zugang zu Strom.

Was ist es aber, das dieses Objekt – diese Taschenlampe in Form einer gelben Sonne – zum Kunstwerk macht?

Weil ich es wie alle meine Kunstwerke erdacht, entworfen und gestaltet habe. Ich habe untersucht, mit welcher Wahrnehmung der potentielle Benutzer – ein zehnjähriges Schulkind oder eine 40-jährige Frau mit drei Kindern in Äthiopien – an dieses Objekt herangeht. Es ist aufregend, weil es ja ein ganz anderes Umfeld ist, wo ich nur einen Anstoß geben kann.

Und wie wollen Sie dieses Objekt nun an den Endverbraucher bringen?

Das ist die Herausforderung. Wir haben ein Verkaufsmodell entwickelt, bei dem Leute vor Ort die Lampe weiterverkaufen. Wir machen selbst wenig Profit. Je näher man aber zum Endverbraucher kommt, desto größer wird der Profit. Außerdem wollen wir mit Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, die Lampen von uns kaufen und diese verteilen.

Sie verkaufen die Lampe auch hier, in der Londoner Tate.

Ja, hier kostet sie 16,50 Pfund. Der Profit, den wir hier machen, geht in die Herstellung. Vor Ort kostet sie nur 10 Dollar. Wenn man die Lampe fünf Stunden in der Sonne auflädt, spendet sie fünf Stunden lang Licht. Und sie funktioniert mindestens drei Jahre lang. Die Kosten sind nur ein Zehntel dessen, was eine Paraffinlampe kostet, die noch dazu umweltschädlich ist.

Hier in der Tate machen Sie auch ein Projekt, das Sie "Blackout" nennen.

Wir machen eigentlich drei Projekte. Zum ersten laden wir Besucher ein, mit der Kleinen Sonne vor einer Kamera Licht-Graffiti zu malen, die dann auf eine Webseite geladen werden. Dann veranstalten wir ein Mini-Filmfestival mit Kurzfilmen über Licht und seine Bedeutung für unser Leben. Und schließlich "Tate Blackout", also "Stromausfall". Das geht zurück auf Man Ray, der 1938 in Paris die Internationale Surrealisten-Ausstellung verdunkelte und die Besucher mit Fackeln herumliefen. Wir machen das hier mit der Kleinen Sonne in den Räumen, wo surrealistische Kunst zu sehen ist, jeden Samstagabend. Die Tate ist ja ein früheres E-Werk, und da fand ich die Idee von Stromausfall ganz toll.

Was ist das denn für eine Erfahrung, wenn man ein Kunstwerk im Dunkeln mit nur einer Lichtquelle betrachtet?

Das wird etwas Besonderes. Da wird sozusagen die Hand zum Auge. Und man schaut sich ja nicht nur die Bilder an der Wand an, sondern auch etwa den Boden, damit man nicht über etwas stolpert. Und so ist es ja auch im Leben der Menschen ohne Zugang zu Strom.

Sie haben jetzt die Lampe um den Hals hängen, die man sich in der Sonne umhängen soll, um sie aufzuladen. Soll sie auch ein Schmuckstück sein?

Ja, so soll es auch sein. Wir hoffen, dass ein zehnjähriges Kind sich die Lampe umhängt und benutzt, weil sie cool aussieht. Sie soll also nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch schön sein.

Little Sun at the Tate Modern

Termin: 28. Juli bis 23. September 2012, Tate Modern, London

http://www.littlesun.com

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