Eli Broad

Porträt

Von der Kunst, unvernünftig zu sein
Eli Broad übergibt eine Ausgabe von "The Art of Being Unreasonable" an den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. (Foto: www.elibroad.com)

VON DER KUNST, UNVERNÜNFTIG ZU SEIN

"Verschwenden Sie keine Zeit mit Abkürzungen. Sie führen gewöhnlich in Sackgassen". art-Korrespondentin Claudia Bodin über den amerikanischen Milliardär, Kunstsammler und twitternden Ratgeber Eli Broad
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

"Ich bin unvernünftig": Mit diesem gewagten Satz beginnt Eli Broad, sechs Milliarden Dollar schwerer Unternehmer, einer der weltweit wichtigsten Sammler und Patron der Kunstwelt von Los Angeles, seine Biografie. Sein Vermögen verdiente der 1933 in Detroit geborene Broad offenbar auf vernünftige Weise: mit Versicherungen und dem Bau von Häusern.

140 Millionen Dollar hat der Philanthrop in den vergangenen 30 Jahren an Kunstinstitutionen in Los Angeles gespendet, um seine Mission, LA in die Hauptstadt für zeitgenössische Kunst zu verwandeln, zu verfolgen. Gekrönt werden die ehrgeizigen Pläne durch den Bau seines eigenen LA-Museums, das die Sammlung des Ehepaar Broad beherbergen soll.

Der 79-Jährige geht in seinem Buch darüber hinaus, seine Geschichte zu erzählen, die mit einem Kredit von seinem Schwiegervater in Höhe von 12 500 Dollar begann, nachdem Broad von seinem ersten Job gefeuert worden war. Es handelt sich um eine Mischung aus Lebenshilfe und Karriereratgeber, in dem der Unternehmer seinen Weg zum Erfolg in Kapiteln mit Titeln wie "Vergessen Sie konventionelle Lebensweisheiten", "Wie man 7 Tage die Woche 24 Stunden arbeitet und trotzdem 8 Stunden Schlaf kriegt" und "Es ist besser, respektiert als geliebt zu werden", aufzeichnet. "Mein Freund Eli Broad weiht uns in die Geheimnisse des Erfolges im Geschäft, in der Philanthropie und im Leben ein", schwärmt Ex-Präsident Bill Clinton. Bill Gates ließ sich wohlwollend über "The Art of Being Unreasonable" aus. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg schrieb das Vorwort. Und wer Broads Worte zu seinem täglichen Mantra erklären will, verfolgt den Milliardär einfach auf Twitter.

"Welcher Idiot hat so viel bezahlt?"

365 Tage lang liefert Eli Broad Ratschläge, die zu einem erfolgreicheren Leben führen sollen. Den Auftakt machte er mit einem Tipp, der allen älteren Jahrgängen klarmachte, dass für sie der Zug sowieso längst abgefahren ist: "Je früher man Risiken eingeht, desto wohler fühlt man sich damit." Weiter ging es mit "Verschwenden Sie keine Zeit mit Abkürzungen. Sie führen gewöhnlich in Sackgassen", Kommentaren zu den Wahlen in Frankreich, Geburtstagswünschen and seine Frau, ermunternde Glückwünsche an Mark Zuckerberg und das Facebook-Team, der Ratschlag, seine Zeit geizig an andere zu verteilen, seine eigenen Erfolge nicht zu feiern, sondern weiter auf Karriere-Kurs zu bleiben und gnadenlosen Botschaften wie "Versuchen, einen unausweichlichen Verlust zu vermeiden, ist kein Zeichen von Ausdauer, sondern von Verzweiflung", "Manchmal schreibt einem die Logik vor, dass der Moment für eine gute Idee nicht der richtige ist, bewegen Sie sich weiter" oder "Machen Sie Ihre Hausaufgaben".

Die Idee zu dem Buch kam Broad, als er den Briefbeschwerer betrachtete, den ihm seine Frau Edythe vor vielen Jahren geschenkt hatte und auf dem George Bernard Shaw mit den Worten "Der vernünftige Mensch passt sich der Welt an; der unvernünftige besteht auf dem Versuch, die Welt an sich anzupassen" zitiert wird. In Sachen Kunst hätte der Sammler auf jeden Fall mehr auf seine Frau hören sollen, die bereits 1960 einen von Warhols Soup-Can-Prints für 100 Dollar kaufen wollte, es sich aber nicht traute. Als Broad schließlich erkannte, dass es ihm mehr Freude und Geld bringen wird, zeitgenössische Kunst anstelle von alten Meistern zu sammeln und als er 2006 Warhols "Small Torn Campbell's Soup Can (Pepper Pot)" für 11,7 Millionen Dollar bei Christie´s ersteigerte, verheimlichte er den Kauf seiner Frau zunächst. Denn ihr Kommentar lautete: "Welcher Idiot hat so viel bezahlt?"

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