Robert Fleck

Bonn

"Ich habe nicht gelogen"
Robert Fleck musste sich schon oft rechtfertigen. Hier nimmt er im Juni 2006 zum Vorwurf Stellung, in einer Modigliani-Ausstellung gefälschte Bilder ausgestellt zu haben.

"ICH HABE NICHT GELOGEN"

Robert Fleck wurde für seine Ausstellungen zuletzt scharf kritisiert und anlässlich der Anselm-Kiefer-Schau von seinem Kollegen Stephan Berg sogar der Lüge bezichtigt. Gegenüber art verteidigt sich der scheidende Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn. Ein erstes Resümee seiner bis Ende 2013 dauernden Amtszeit.
// MICHAEL KOHLER, ESSEN

Als Robert Fleck im Januar 2009 als Nachfolger des Interimsintendanten Christoph Vitali die Leitung der Bonner Bundeskunsthalle antrat, hatte diese gerade die schwerste Krise ihres Bestehens hinter sich. Unter der Intendanz von Wenzel Jacob war am hoch subventionierten Haus ein Millionenverlust angefallen, und der Bundesrechnungshof rügte das unsaubere Finanzgebaren der Geschäftsführung. Fleck sollte das einstige Prestigeprojekt der Bundesregierung von Helmut Kohl wieder in ruhige Bahnen lenken und gleichzeitig dem hohen Anspruch des Hauses neue Geltung verschaffen.Stattdessen zog Flecks Amtsführung immer wieder Kritik auf sich: Im zweiten Jahr seiner Intendanz blieben die Besucherzahlen weit hinter den Erwartungen zurück, nach der Absage einer geplanten Rosemarie-Trockel-Ausstellung wurde Fleck vorgeworfen, die Kunst kommerziellen Erwägungen zu opfern.

"Ich habe schnell gemerkt", so Robert Fleck gegenüber art, "dass der Bundeskunsthalle und ihren Mitarbeitern nichts geschenkt wird." Als Haus von nationalem Interesse sei man gerade für die Medien "ein gefundenes Fressen". Trotzdem wurde Fleck offenbar vom Sturm der Entrüstung überrascht, der anlässlich der aktuellen Anselm-Kiefer-Ausstellung über ihn hinwegzog. In der Schau zeigt Fleck ausschließlich Werke aus der Sammlung von Hans Grothe, weswegen ihm beinahe unisono angelastet wurde, mit Grothe nicht nur einen umstrittenen Sammler zu nobilitieren, sondern auch dessen ökonomischen Interessen eine Bühne zu bereiten. Im Gespräch verteidigt Fleck die Ausstellung weiterhin vehement: "Grothe hat nicht am Sekundärmarkt gekauft, sondern gemeinsam mit Anselm Kiefer exemplarische Werke ausgesucht. So ist ein authentisches Konvolut entstanden, wie es selbst Kiefer nicht besitzt." Auch den Vorwurf von Stephan Berg, Direktor des Bonner Kunstmuseums, er habe in Interviews mit der Tageszeitung "Die Welt" und art über Bergs Bedenken gegen die Kiefer-Ausstellung hinweggetäuscht, bestreitet Fleck. "Ich habe nicht gelogen", so Fleck, "aber ich will das nicht in der Öffentlichkeit mit Berg diskutieren."

"Was soll danach noch kommen?"

Selbst wenn man die Kiefer-Ausstellung nicht so fragwürdig findet wie etwa die "Süddeutsche Zeitung", die in der "unkritischen Hängung" und der einhergehenden Sammlungsnobilitierung einen "Skandal" witterte, kann man Robert Fleck den Vorwurf nicht ersparen, dass er die Bedenken gegen Grothe fahrlässig unterschätzt hat. Seitdem dieser vor einigen Jahren seine Leihgaben aus dem Kunstmuseum Bonn abzog, um sie zu verkaufen, haftet ihm der Ruf an, seine Sammlung vor allem als Investition zu betrachten, die mit jeder Ausstellung an Wert gewinnt. Mit der umstrittenen Zusammenarbeit lud Fleck seine Kritiker geradezu ein, gleich seine gesamte Intendanz in Frage zu stellen. Vieles davon mag übertrieben und einiges, wie Fleck findet, auch "kleinlich" sein. Aber dass nun wieder über Sinn und Unsinn der Bundeskunsthalle debattiert wird, geht auch zu Lasten ihres Leiters.

Fleck selbst zieht ein positives Resümee seiner Tätigkeit. Es habe viel beachtete Ausstellungen zu Heinz Mack, Markus Lüpertz, Liam Gillick und Max Liebermann gegeben, mit "Dogon – Weltkulturerbe aus Afrika" habe sein Haus zudem die erste große monografische Schau schwarzafrikanischer Kunst in Deutschland gezeigt. "Die Thomas-Schütte-Ausstellung wird bleiben, gerade weil wir den Künstler nicht gegängelt, sondern ihm weitgehend freie Hand gelassen haben." Trotzdem hat Fleck nach eigenen Angaben schon vor zwei Jahren beschlossen, seinen 2013 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern und dies Kulturstaatsminister Bernd Neumann im April 2012 schriftlich mitgeteilt. Sein Abgang stehe also nicht im Zusammenhang mit der Kritik an seiner Kiefer-Ausstellung (art berichtete). Am 26. Juni hatte ein Sprecher Neumanns an die Öffentlichkeit gegeben, Flecks Vertrag werde "im gegenseitigen Einvernehmen" nicht verlängert.

Nach dem Ende seiner Intendanz will Robert Fleck eine Professur für Kunst und Öffentlichkeit an der Düsseldorfer Kunstakademie antreten. Möglicherweise wird er auch Siegfried Gohr als Leiter der Akademie-Galerie nachfolgen, wenn dieser in Pension geht. Aber das, so Fleck, sei noch nicht fix. Nach 14 Jahren im Museumsbetrieb – vor seiner Bonner Zeit leitete er die Hamburger Deichtorhallen – möchte Fleck jetzt Bücher schreiben. Und außerdem: "Die Bundeskunsthalle zählt zu den ersten Adressen. Was soll danach noch kommen?"

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1 Leserkommentar vorhanden

könig walter

20:01

28 / 06 / 12 // 

na seht ihr, der hat nichts gelernt

sondern ist fest davon überzeugt, dass seine kungeleien und verteilnahmen keiner merkt. und die mitglieder der mafia sowie die medien (anzeigenfinanziert durch institutionen wie die bundeskunsthalle) spenden applaus

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