Gib mir Fünf!

Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche
Unser Tipp für das Wochenende in Ludwigshafen ist die Ausstellung "Punkt-Systeme. Vom Pointillismus zum Pixel". Hier zu sehen: Werner Berges, "Langhans seine", 1970, Acryl auf Leinwand, 180 x 150 cm (© Werner Berges, Hans Herbert Weyer)

DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal mit Punkt-übersähten Zimmern, Literatur-Bildern, einem alkoholenthaltsamen Bein, der Zerstörung der Freizeit-Yacht eines Diktators und eingerahmter Natur
// KATHARINA SIEGEL
Ludwigshafen: Punkt-Systeme. Vom Pointillismus zum Pixel

Einen Raum in bunte Punkte auflösen – das können Besucher der Ausstellung "Punkt-Systeme. Vom Pointillismus zum Pixel". Denn am Empfang erhalten sie ein DIN-A5-Blatt mit Klebepunkten in verschiedenen Farben und Größen. Mit diesen gestalten sie die steril weiße Installation "Obliteration Room", zu deutsch: "Auslöschungsraum", der Künstlerin Yayoi Kusama um.

Die Installation besteht aus möblierten Zimmern, einem Schlaf- und einem Wohnbereich. Indem die Besucher die Möblierung, den Boden, die Decke und Wände als auch bereits befestigte Aufkleber mit Punkten übersähen, löschen sie nach und nach das ursprüngliche Weiß aus. Überhaupt dreht sich in der Ausstellung alles um den Punkt in der Kunst. Angefangen mit Exponaten des am Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Pointillismus (Paul Signac, Georges Seurat), über die Popart-Punkte oder -Sprenkel von Werner Berges, Roy Lichtenstein und Sigmar Polke bis hin zu ausgefallenen zeitgenössischen Ideen wie Christoph Dahlhausens Beklebung der Fassade des Ausstellungshauses mit bunten Punkten, die nach oben hin größer und breiter gestreut werden.

Die Ausstellung ist vom 15. Juni bis zum 30. September 2012 im Wilhelm-Hack-Museum zu sehen.

Lauenburg: Bild und Literatur

Ein Mann steht einsam hinter dem Tresen einer dunklen Bar und macht eine Abrechnung. Ohne die zusätzliche Information käme man nie auf die Idee, dass diese Zeichnung auf einem Erlebnis oder Tagtraum der Künstlerin Kyung-Hwa Choi-Ahoi basiert. 2008 startete sie das Projekt, zwölf ihrer seit 1999 entstehenden Tagebuchaufzeichnungen an zehn Autoren mit verschiedenem kulturellem Hintergrund zu geben. Auch umgekehrt fragt die Gruppenausstellung "Bild und Literatur", an der neben Choi-Ahoi sechs weitere Künstler teilnehmen: Wie wird aus einem literarischen Text ein Bild? Im Ergebnis ist die bildnerische Herangehensweise an Literatur vielfältig. Manche Bilder hangeln sich an der erzählten Geschichte entlang, sodass Bildzyklen, Comics oder plakative Arbeiten wie aus der Werbung entstehen. Andere Künstler filtrieren eine Aussage und setzen sie in Malereien, Fotografien oder Videoarbeiten um. Die einzige Komponente ist: Es gibt keine "Wort-für-Wort-Übersetzung". Das einmal Gesagte ändert sich wie bei der stillen Post von Ohr zu Ohr.

Die Ausstellung ist vom 17. Juni bis 30. August 2012 im Künstlerhaus Lauenburg zu sehen.

Leverkusen: Rosemarie Trockel und Paloma Varga Weisz

Ein Kopf, auf seltsame Weise nur noch von einer Wirbelsäule getragen, und zwei Figuren aus Lindenholzkörben – die Künstlerin Paloma Varga Weisz erschafft groteske Gestalten, die eine Geschichte erzählen und auf merkwürdige Weise psychologisch sind: Der Kopf auf Halswirbeln in violetten Aquarelltönen und Bleistift ist etwa "A Glorious Mind", ein "ruhmreicher Geist", der seinen Körper überlebte. Die hellen Korbplastiken "Basket Man" und "Basket Woman" scheinen sich durch ihre Korbschalen von der Außenwelt und voneinander abzuschotten. Derartige abstrakt-figurative "Seelenbilder" in Konfrontation mit der Außenwelt kreiert auch die Künstlerin Rosemarie Trockel. Wie Weisz setzt sie ihre Ideen in Bildhauereien, Zeichnungen und Installationen um. Dabei beweist sie viel trockenen Humor: Ihre Arbeit "Less sauvage than others" zeigt etwa ein auf einem Tisch liegendes Bein neben einem Glas Whiskey. Tatsächlich ist das Bein, wie der Titel beschreibt, "Weniger wild als andere", denn ihm fehlt der restliche Körper zum Trinken. Die Künstlerinnen kuratierten ihre gemeinsame Ausstellung "Maison de Plaisance" im gleichnamigen Schloss selbst.

Die Ausstellung ist vom 17. Juni bis 30. September 2012 im Maison de Plaisance zu sehen.

Braunschweig: Susanne Kriemann und Fernando Sánchez Castillo

Die Fotografin Susanne Kriemann überflog 2011 deutsche Wälder und richtete ihre Kamera von oben in Baumkronen. Auf den ersten Blick könnte man auch denken, die grünen Bilder seien bei Flügen über einen Dschungel entstanden – bis man weiß, dass es sich bei dem Dickicht auf den Fotos um ehemaliges deutsch-deutsches Grenzgebiet handelt. Und dieses fotografierte ein Spionagepilot bereits zur Zeit des Kalten Krieges aus sicherer Distanz. Als Kriemann auf die Spionagefotografien stieß, folgte sie deren Fluglinie. Immer wieder stößt die Künstlerin beim Durchforsten von Archiven nach historischen Fotografien auf ihre Ideen. Geschichtliches thematisiert auch Fernando Sánchez Castillo, der zeitgleich ebenfalls im Kunstverein Braunschweig zu sehen ist. 2011 erwarb der Spanier "Azor", die Freizeit-Yacht des Diktators Francisco Franco. Ein Film dokumentiert, wie er die Yacht in seine Skulptur "Guernica Syndrome" zerlegt. Von dem einstigen Statussymbol des Diktators sind heute nur noch Einzelteile wie 40 Quader aus zusammengepresstem Metall, der Mast und zwei Bänke übrig. Auch Castillos Werk entfacht Diskussionen. Besonders die Frage, warum seine Arbeit so viel Ehrfurcht in der spanischen Bevölkerung erweckt, steht im Raum.

Die Ausstellungen sind vom 16. Juni bis 26. August 2012 im Kunstverein Braunschweig zu sehen.

Schwerin: Connected by art. Zeitgenössische Kunst aus dem Ostseeraum

Ein massiver Holzrahmen rahmt ein Stück Schweriner Natur. Er ist in eine vier Meter breite und drei Meter hohe, frei im Burggarten auf der Schweriner Schlossinsel stehende Wand integriert. Je nach Licht und Perspektive ändert sich das Bild der Installation "Situation Dictonary" des polnischen Künstlers Kamil Kuskowski. Wie wird es wohl einige Jahrzehnte später aussehen? Mit Fragen wie dieser beschäftigt sich die Ausstellung "Connected by art. Zeitgenössische Kunst aus dem Ostseeraum". Die zentrale These der Ausstellung ist: Kunst verbindet. Am Beispiel des Ostseeraums lässt die Ausstellung, Land- und Seegrenzen miteinander verschwimmen. Die Intention dieses Einswerdens ist, Diskussionen über ökologische und kulturelle Fragen anzufachen. Dazu aufgerufen sind Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen und Polen – die Länder, die sich auf oder an der Ostsee begegnen. Die Ausstellung zeigt Filme, Installationen, Fotografien und Videoarbeiten verschiedener Künstler aus den Ostseegebieten.

Die Ausstellung ist vom 15. Juni bis zum 15. September 2012 im Staatlichen Museum zu sehen.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo