Podiumsdiskussion

Berlin

In Berlin nichts neues
Öffentliche Verdrängungsarbeit auf dem Podium (von links nach rechts): Michael Klosterfelde, Marek Claaßen, Christian Boros und André Schmitz (Foto: Michael Setzpfandt/VBKI)

IN BERLIN NICHTS NEUES

Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz, der Sammler und Kulturunternehmer Christian Boros, der Galerist Martin Klosterfelde, Jutta Nixdorf vom Auktionshaus Christie's sowie der Artfacts.Net-Gründer Marek Claaßen steckten ihre Köpfe zusammen, um über die Situation des Kunstmarkts in der Hauptstadt zu debattieren – ohne nennenswerte Ergebnisse und aktives Publikum.
// KITO NEDO, BERLIN

Seit dem Versenken des Berliner Art Forums durch eine Gruppe sezessionistischer Hauptstadt-Galeristen im letzten Herbst herrscht in der Berliner Kunstszene Katerstimmung und diffuser Gesprächsbedarf. Eine neue Folge dieser "Wir müssen reden"-Serie fand am gestrigen Dienstag in Berlin-Charlottenburg statt.

Auf Einladung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) trafen sich der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz, Sammler und Kulturunternehmer Christian Boros, Galerist Martin Klosterfelde, Jutta Nixdorf vom Auktionshaus Christie's sowie der Artfacts.Net-Gründer Marek Claaßen, um über die derzeitige Situation des Kunstmarkt-Standorts zu sprechen.

Trotz des pointierten Veranstaltungstitels "Kunstmarkt Berlin – keine Chance auf die erste Liga?" und dem rhetorisch glänzenden Moderator Peter Raue kam während der anderthalb Stunden dauernden Veranstaltung im Ludwig Erhard Haus an der Fasanenstraße jedoch keine nennenswerte Diskussion in Gang. Auf dem Podium übte man sich stattdessen lieber in öffentlicher Verdrängungsarbeit. Aus dem Publikum, welches überwiegend aus dem mittleren Berliner Unternehmertum bestand, regte sich kein Widerspruch. Den Ton setzte André Schmitz, der zugleich zu Beginn des Abends befand, es sei "typisch Berlin", sich auch dort schlecht zu machen, wo man eigentlich gut da stehe. Stattdessen schlage er vor, "Stärken zu stärken". Das klang griffig. Wie und wo konkret, das blieb allerdings das Geheimnis des Kulturpolitikers. In der Hauptstadt der Kreativen beschränkt sich die Kreativität des Kulturstaatssekretärs offensichtlich in der Aufstockung eines bereits bestehenden Atelierprogramms. Den einzigen Applaus erntete Christian Boros, der vom jungen Berliner Kunstpublikum schwärmte und die Bildungsarbeit lobte, welche die Kunstszene verrichte.

Womöglich wäre der Abend weniger lahm verlaufen, wenn es den Organisatoren gelungen wäre, einen Vertreter der Produzentenseite einzuladen. Es soll ja, so wurde es auch betont, immerhin mindestens 6000 Kunstschaffende in Berlin geben. In jenen kreativen Kreisen herrschen gewisse existenzielle Dringlichkeiten. Das befeuert handfeste Forderungen, die durch Manifeste, wie das seit dem letzten Jahr kursierende "Haben und Brauchen" längst öffentlich sind. Zudem tobt in der Stadt derzeit eine Debatte um die Aufwertung ganzer Stadtviertel und die daraus resultierende Verteuerung von Wohn- und Arbeitsraum samt Verdrängung. Doch davon war an diesem Abend merkwürdigerweise nicht die Rede, stattdessen sinnierte André Schmitz ein weiteres Mal darüber, wie ihm die Initiative für eine städtische Kunsthalle in den Händen "zerbröselt" sei. Das wirkte absolut gestrig: Von Wowereits Kunsthalle redet in der Stadt wirklich niemand mehr.

Gelohnt hätte es womöglich auch, einen jüngeren oder mittleren Galeristen dazuzuholen. Dann wäre der Version der Geschichte, die abc-Initiator Martin Klosterfelde bot, vielleicht widersprochen worden. Klosterfelde behauptete, das eingestellte Berliner Art Forum sei vor allem daran gescheitert, nie eine Qualität wie etwa die Leitmesse in Basel erreicht zu haben. Verschwiegen wurde hingegen, dass die Messe während ihrer 15-jährigen Existenz dennoch ein funktionierender Marktplatz für mittlere Galerien war und zumindest auch für die europäische Sammlerszene einen festen Berlin-Termin bot.

Eine neue Messe, so betonte Schmitz gestern, werde seiner Analyse nach in der Stadt nicht gebraucht. Das Fehlen einer Kunstmesse im Herbst stellt sich – so könnte man eine von seinem Haus gestern verbreitete Pressemitteilung interpretieren – lediglich als Verpackungsproblem dar. In der nächsten Woche soll im Roten Rathaus ein neues Herbstformat präsentiert werden: Der Berliner Kunstherbst soll zur „Berlin Art Week“ umetikettiert werden. Nun schlägt die Stunde der Werber.

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6 Leserkommentare vorhanden

Belanglos

15:24

24 / 05 / 12 // 

Belanglos

Belanglos

Kathy

10:28

25 / 05 / 12 // 

Ausstellungspolitik

es lohnt sich erst, wenn Künstler anerkannt werden, die wenn auch ohne Studium der Kunst, aber durch harte Arbeit - Werke schaffen, die Inhalt haben und zur Ausstellung zugelassen werden, ansonsten ist dieses Thema belanglos....

Mehr als belanglos

20:05

25 / 05 / 12 // 

Mehr als belanglos

Iiiiiiieeeh, Kunstszene ist so ekelig klebrig.

Mehr als belanglos

20:05

25 / 05 / 12 // 

Mehr als belanglos

Iiiiiiieeeh, Kunstszene ist so ekelig klebrig.

ars evolutoria

18:22

12 / 06 / 12 // 

ars evolutoria mal googeln

EST ENR ETOE ...

ars evolutoria

18:24

12 / 06 / 12 // 

ars evolutoria & OCCUPY KUNSTMARKT

Occupy KUNSTMARKT !!!

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