Nach 15 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank haben Sie sich dazu entschlossen, den Guggenheim-Ableger in Berlin zu schließen. Dafür bereitet Ihnen Ihr neues Berlin-Experiment, das für den Sommer geplante Lab, in dem über die Stadt der Zukunft diskutiert werden soll, Probleme.

Ich trage Mitschuld an der Entscheidung. Als ich den für das Lab geplanten Ort in Kreuzberg sah, dachte ich, dass er für die Fragen, die wir mit dem Projekt stellen, ideal sei. Proteste hatten wir erwartet. Aber wir dachten, dass sie letztlich die Debatte kräftigen würden und sich in eine positive Richtung bewegen. Doch wir konnten nicht riskieren, dass jemand körperlich verletzt wird. Also kehrten wir an den ursprünglich vorgesehenen Ort am Prenzlauer Berg zurück.

Mit den Protesten in Berlin scheint die Realität das sonst recht theoretische, sich in viele Richtungen streuende Projekt, in dem es um die Bedürfnisse von Menschen in Städten geht, eingeholt zu haben.

Wenn ein Museum in der Welt verankert sein will, sind Ereignisse wie diese notwendig. Kultur ist nicht nur da, um zu verschönern und zu erhellen, sondern um tief greifende soziale Fragen zu berühren. Wenn man ein Zelt aufstellt, informierte Personen einlädt und die Diskussion für alle möglichen Leute öffnet, wird etwas Gutes dabei rauskommen.

Aber werden die Diskussionen der Stadt wirklich nutzen?

Wir brauchen etwas Zeit. Man kann nicht von einem Setzling erwarten, dass er Tomaten liefert. Vielleicht waren die Themen des ersten Labs in New York ein wenig verwässert, weil wir zu demokratisch gedacht haben und sie für jedermann zugänglich machen wollten.

Sie haben gesagt, dass Sie daran glauben, dass Kunst die Welt verändern kann.

Daran muss ich glauben. Künstler hoffen, die Welt zu ordnen. Dies ist die Suche, auf die sich jeder Künstler auf unterschiedlichen Wegen begibt. Wie auch viele andere Menschen. Das reicht bis zu der Großmutter, die Jahr für Jahr ihren Garten neu gestaltet. Es handelt sich um eine Ordnung, die ihr bestätigt, dass sie eine Verbindung zum Leben hat. Einige Menschen sind unersättlich bei dieser Suche und manche drücken sich besser aus als andere. Aber Kunst beruht nicht auf Wettkampf, es gibt keine Verlierer.

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