Sticker Awards 2007

Street Art

Schöner Kleben
Happy Graphics, Karlsruhe

SCHÖNER KLEBEN

Sammeln, tauschen, kleben – Sticker erleben eine Renaissance. Neu sind Aufkleber als künstlerische Ausdrucksform. Junge Aktivisten auf der ganzen Welt haben gelernt, wie einfach sich die urbane Kommunikation boykottieren lässt: Durch eigene Symbole, Zeichen und Logos. Aufkleber verwandeln die Straße in einen demokratischen Abenteuerspielplatz. art-magazin.de sprach mit Andreas Ullrich, Street Artist, Mitgründer des Internationalen Sticker Awards und Inhaber einer Stickerdruckerei, über das klebrige Phänomen.
// ALAIN BIEBER

art: Warum sind Sticker Kunst?

Andreas Ullrich: Sticker sind natürlich nicht automatisch Kunst. So wie nicht jedes Gemälde oder jede Skulptur automatisch Kunst ist. Sticker sind ein sehr spezielles künstlerisches Medium – wichtig dabei ist der Inhalt, und nicht die Form. Am häufigsten werden Sticker sicherlich noch als klassisches Marketinginstrument verwendet. Aber es gibt sehr viele interessante Arbeiten, die weit über diese Möglichkeit hinaus gehen. Ich würde es so definieren: Wenn der Aufkleber eine einzigartige Situation im (Außen)raum erschafft, bei der auf die vorgefundene Realität Bezug genommen wird und diese Realität dann uminterpretiert werden kann, dann ist der Sticker Kunst.

Wieso sind Sticker und Street Art eigentlich heute so beliebt?

Kennen genügend Menschen eine Marke oder ein Logo, so ist diese auch ökonomisch interessant und erfolgreich. Der eigentliche Inhalt spielt dabei gar keine Rolle mehr. Diese Hüllenhaftigkeit und mediale Verzerrung schlägt natürlich auf die, oft von jungen Künstlern gefertigte, Kunst im öffentlichen Raum durch. Street Art zeigt sich meist als einfach zu fertigender und unbedachter Eingriff, der aber eine hohe Aufmerksamkeit und ein großes Publikum garantiert. Kurz: Der geringe Produktionsaufwand und die gesellschaftliche Konditionierung, die Logos höher bewertet als Inhalte, tragen zu der enormen Beliebtheit bei. Gerade deshalb wird es immer wichtiger die Motivation und Wirkungsrichtung der Eingriffe in den öffentlichen Raum genauer unter die Lupe zu nehmen.

Welche Rolle nehmen Sticker in der urbanen Kultur ein?

Mittlerweile haben sich Sticker zu einer eigenen Kommunikationsform entwickelt, die auf gesellschaftliche Sachverhalte eingeht und diese größtenteils kommentiert – auf künstlerische, politische, ironische oder auch abstrakte Weise. Oft sind auch Reaktionen auf Eingriffe anderer Künstler zu finden. Der spannendste Aspekt ist aber sicherlich, dass das mediale Sender-Empfänger-Prinzip – bei der klar in Produzent und Rezipient unterschieden wird – aufgehoben wird.

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