Kraftwerk

MoMA



ROBOTER LIVE

Acht Abende, acht Alben – Kraftwerk performen ihr ganzes Werk im New Yorker MoMA. art sprach mit Klaus Biesenbach, dem Direktor des MoMA PS1, über das Projekt.
// INTERVIEW: RALF SCHLÜTER

Wie kam es zu der Idee, alle Kraftwerk-Alben als Retrospektive im MoMA-Atrium aufzuführen?

KB: Ich habe ja 1991 in Berlin die Kunst-Werke – KW – mitgegründet. Im Grunde war dieser Name schon eine Hommage an Kraftwerk. Mich hat Kraftwerk sehr stark beeinflusst, mein ganzes Verständnis von Kunst wurde dadurch geprägt – durch diesen Minimalismus, diese Fähigkeit, nur das absolut Nötigste zu sagen.

Ralf Huetter, der von der Gründung 1970 bis heute für Kraftwerk steht, ist für mich in diesem Sinne wie ein reduzierter abstrakter Maler. Kraftwerk steht natürlich auch für die alte Bundesrepublik, wie Heinrich Böll, Josef Beuys, oder Rainer Werner Fassbinder.

Wobei Kraftwerk anders als Böll oder Beuys nichts mit der Alternativszene oder der Ökobewegung zu tun hatten, sie haben im Gegenteil eine technisierte, digitale Ästhetik geprägt.

Ja, Kraftwerk haben etwas komplett Neues angestoßen. Außerdem sind sie aus der Kunstszene in Düsseldorf Ende der sechziger Jahre hervorgegangen. 

Würden Sie Kraftwerk als Gesamtkunstwerk bezeichnen?

Absolut! Hier wird eine Synästhesie aus Bild, Klang, Performance geschaffen. Es kommt ja alles von Kraftwerk selbst; die beauftragen keine Designer, sondern machen die Videos, Logos, etc. alle selbst. Das geht weit über das hinaus, wie in der Popmusik normalerweise Images kreiert werden. Und das hat sehr viele Künstler beeinflusst, denken Sie nur an Daniel Pflumm oder Ashley Bickerton. Nun werden zum ersten mal alle Alben gespielt, wie Werkblöcke aufgeführt.

War denn Ralf Huetter auf Anhieb von der Idee begeistert?

Für jemanden wie ihn, der immer der Musik der Zukunft zugewandt ist, bedeutet natürlich das Wort Retrospektive erstmal kein gutes Signal. Es war dann ein Dialogprozess – jetzt funktioniert das im Kunstkontext.

Wie muss man sich die einzelnen Konzerte vorstellen?

Das Publikum im MoMA-Atrium wird quasi in das Düsseldorfer Kling-Klang-Studio versetzt; es kann Kraftwerk bei der Arbeit zuschauen, und zwar in 3D, mit den entsprechenden Brillen. Zusätzlich zu dem jeweiligen Album werden dann immer auch noch Improvisationen und Greatest Hits gespielt. Es passen allerdings nur 450 Leute hinein, das ist dann natürlich eine intime, direkte Erfahrung, wie es bei Kunst sein sollte.

Für das sich so ein Aufwand gar nicht lohnen würde...

Ja, sicher, das ist ein unglaublicher Aufwand, alle Alben auf die Bühne zu bringen. Mit der engeren Planung sind wir nun schon seit 3 Jahren beschäftigt. So etwas wäre nicht realisierbar, wenn Volkswagen uns nicht unterstützen würde, völlig undenkbar – Hut ab vor denen!

Sind jetzt öfter solche Pop-Retrospektiven im MoMA geplant? Etwa von kunstnahen Bands wie Sonic Youth?

Es gibt ja "das MoMA" nicht. Es gibt hier viele Stimmen, unterschiedliche Sichtweisen und Prägungen. Und für mich war eben Kraftwerk wichtig, nicht unbedingt Sonic Youth. Ich sehe Kraftwerk in einer Kontinuität mit Ausstellungen, die ich hier in den letzten Jahren gemacht habe, und die alle zu tun hatten mit Mischformen von Bild, Klang Performance: Dazu gehörte Pipilotti Rist, Doug Aitken, Marina Abramovic und auch ein Konzert von Anthony and The Johnsons.

Und wie reagieren die Amerikaner auf ein deutsches Kulturexportgut wie Kraftwerk?

Es gibt einen extremen Ansturm, es ist unglaublich. Die Tickets konnte man online kaufen, und nach 2 Minuten ist erst mal das System zusammengebrochen, und dann war blitzschnell alles ausverkauft.

Kraftwerk – Retrospective 1 2 3 4 5 6 7 8

http://www.moma.org

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo