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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Diesmal mit Cornelia Schleime, Vahap Avar, Nancy Spero, Simon Schubert und "How to Make"
Burgdorf: Cornelia Schleime: Die Farbe, der Körper, das Antlitz, die Augen

Für die Berliner Malerin ist es die erste große Ausstellung in der Schweiz – und das Museum Franz Gertsch der passende Ort dafür. Sind doch die großformatigen Gemälde von Gertsch lohnendeVergleichsobjekte für die großformatigen Frauenporträts von Cornelia Schleime.

Gezeigt werden über 20 Gemälde mit Acryl, Schellack und Asphaltlack auf Leinwand sowie knapp 40 Zeichnungen mit Aquarell und Tusche auf Papyrus, Bütten- oder Japanpapier. Die insgesamt knapp 60 Werke, die zum großen Teil das erste Mal öffentlich gezeigt werden, datieren von 1994 bis 2011. Cornelia Schleime gehört zu den bedeutendsten Malerinnen der Gegenwart. Sie wurde 1953 in Ostberlin geboren und übersiedelte 1984 unter dramatischen Umständen nach Westberlin. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin und Brandenburg.

Museum Franz Gertsch. 24. März – 2. September 2012

Berlin: iBerlin. Vahap Avar

Vahap Avars Arbeiten unternehmen den Versuch, ein visuelles Gedächtnis zurückzuholen und wachzurufen, um die Geschichte des letzten Jahrhunderts zu Ende zu erzählen. Er recycelt Bilder aus der Geschichte der Türkei: Postkarten des Propheten Ali oder des Staatsgründers Atatürk. In zehn verschiedenen Arbeitsserien, die zwischen 1983 und 2012 entstanden, verwendet Avar, geboren 1965 in Malatya, Türkei, und heute in New York zu Hause, ein Archiv mit Postkarten und Plakaten. Sie wurden von einer Druckerei namens AND veröffentlicht wurden, die zwischen 1969 und 1999 in Istanbul bestand und das erfolgreichste Postkarten- und Plakatunternehmen ihrer Zeit war. Die erste Arbeit der Serie behandelt ein einziges Bild mit dem Titel "Ali, der Löwe Allahs", 2011/2012. Dieses Werk umfasst ein Ölgemälde vom Propheten Ali und dessen Reproduktion als Plakat. Das Bild war das einzige und heiligste Bildnis, das die Aleviten (Anhänger Alis) an ihren Wänden aufhängten, oft versteckt oder mit Stoff verdeckt aus Angst vor Verfolgung. Das Gemälde ging verloren, als die Druckerei 1999 schloss. Sowohl Plakat als auch Gemälde sind derzeit nirgendwo sonst erhältlich, sie verschwanden.

Tanas. Laufzeit: 27. März bis 12. Mai

Dresden: How to make – Ideen, Notationen, Materialisierungen

Von der Idee zum Werk – so schnell geht ist das nicht. Wie viele Umwege, Abzweigungen und Verzögerungen der kreative Prozess bietet, untersucht die Ausstellung "How To Make". So zeigt man frühe Werke der Konzeptkunst wie etwa dem Film "Baldessari sings LeWitt", in dem John Baldessari eben einen Text seines Künstlerkollegen Sol Lewitt singt. In „Sieben Verdrehungen“, 1979/2011, hält Dóra Maurer den Prozess der Bildfindung in einer Reihe von Schwarz-Weiß-Fotografien fest. Für das erste Bild der Reihe hält Maurer ein Stück Karton vor ihr Gesicht, das Foto selbst wurde auf dasselbe Format vergrößert. Die begonnene Drehbewegung um jeweils 45 Grad animierte Maurer zur Fortsetzung der Serie, in deren Verlauf die Quadrate sich immer mehr verkleinern. In Dresden sind auch neuere Arbeiten von Karin Sander oder Liam Gillick zu sehen. Die Ausstellung setzt der Präsentation von abgeschlossenen Werken die Dokumentation von Konzepten und Formen, Beteiligungen und Prozessen entgegen.

Kunsthaus Dresden - Städtische Galerie für Gegenwartskunst 23. März bis 17. Juni. Eröffnung am 22.03. um 19 Uhr

Bergisch-Gladbach: Simon Schubert Schattenfuge

Je öfter die meisten von uns ein Stück Papier in der Hand haben, umso schmuddeliger wird es meist. Die Ecken werden rund und abgestoßen, Risse und Knicke zerstören die glatte Fläche. Ganz anders bei Simon Schubert. Er faltet und genauer knickt ein Stück Papier so oft, dass darauf ganze Zimmer sichtbar werden oder Porträts, zum Beispiel von Autor Samuel Beckett. In der Villa Zanders werden unterschiedliche Werkgruppen der Papierfaltungen ausgestellt, die aus zahlreichen Privatsammlungen entliehen werden (Beckett-Porträts, Stadtschloss, Villa De Bank) sowie zahlreiche labyrinthische Papierfaltungen von Innenräumen bis zu einer Größe von 180 x 120 cm. Außerdem baut Schubert eine große Rauminstallation.

Städtische Galerie Villa Zanders. 25. März bis 17. Juni

Dresden: NANCY SPERO (1926-2009) – THE REBIRTH

Vor 13 Jahren schuf die US-amerikanischen Künstlerin Nancy Spero (1926 – 2009) im Festpielhaus Hellerau einzigartige Wandinstallationen. Eines der lichten Seitenstudios sowie der heute so nicht mehr existierende Eingangsbereich zum großen Saal wurden von den charakteristischen Stempeldrucken Speros gleichsam verwandelt. Es handelt sich um eine der letzten ortsspezifischen Wandarbeiten, die unter der persönlichen Regie der Künstlerin geschaffen wurden. Nun sind erstmalig mehrere, damals vor der Renovierung des Festpielhauses abgenommene Wanddrucke auf Putz zu sehen , die im Auftrag der Landeshauptstadt Dresden restauriert wurden. Es handelt sich um einzigartige Fragmente, die wie Ausgrabungsstücke wirken, denn schon damals wurden die Bilder auf ruinöse Wände aufgebracht. Nancy Spero gilt als Pionierin der feministischen Kunst, die ab 1974 das Abbild des Mannes gänzlich aus ihren Werken verbannte.

Festspielhaus Hellerau. 25. März bis 31. Mai. Eröffnung: Samstag. 24. März 2012, um 19 Uhr

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