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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Diesmal mit Takehito Koganezawa, "Magicgruppe Kulturobjekt", Michael Schmidt, "about:blank" und Monica Bonvicini
// KATRIN VATTES
Berlin: Takehito Koganezawa – Luftlinien

Takehito Koganezawa erzeugt optische Phänomene der Überlagerung und Verdichtung. Der 1974 in Tokio geborene Künstler setzt seine Körperbewegungen mit Hilfe von Videokameras und Beamern in Beziehung zueinander. So entstehen Visualisierungen der Flüchtigkeit von Licht, Zeit und Raum, die eine tänzerisch leichte Qualität besitzen. Die Ausstellung "Luftlinien" im Berliner Haus am Waldsee präsentiert Papierarbeiten, abstrakte Videos und Live Performances des in Berlin lebenden Künstlers.

Das Medium der Zeichnung zieht sich durch das gesamte Schaffen Koganezawas. Denn das Zeichnen findet bei ihm nicht nur klassisch auf Papier statt, sondern lässt sich auch in seinen Performances und Projektionen wiederfinden. In diesen nutzt Koganezawa die elektronischen Medien als Zeichenutensilien. So filmte er laufende Lichtreklamen rund um Tokio mit der Handkamera, die in einer Rundumprojektion zu einem bunten Liniengewirr verschmelzen. Die Bewegung und der Fluss der Zeit bilden Schwerpunkte in Koganezawas Kunst. So versucht der Künstler nicht die Zeit festzuhalten, sondern sie im Gegenteil wie Wellen ziehen zu lassen. Seine Projektionen lassen sich als einen nicht enden wollenden Fluss aus Farbe, Bewegung und Flüchtigkeit beschreiben.

Haus am Waldsee, Berlin, 2. März bis 20. Mai

Aachen/Antwerpen: Magicgruppe Kulturobjekt

Was ist ein Kulturobjekt? Mit dieser Frage setzt sich die Magicgruppe in ihrer künstlerischen Arbeit auseinander. Das Kollektiv besteht aus einer wechselnden Besetzung, für die Ausstellungen in Aachen und Antwerpen haben sich 14 Künstler aus Deutschland, Österreich und Belgien zusammengeschlossen. Die Gruppe schafft als kollektiver Akteur Skulpturen aus Alltagsmaterialien. Holz und Metall, Wertvolles und Wertloses, Kunststoffe und Organisches werden zusammengesetzt. Holzstreben befinden sich neben einem Kübel mit Erde oder ein Kartoffelsack trifft auf Metallgestänge. Solche Materialien stellen für sie Kulturobjekte dar, Dinge, die eine konkrete wert- oder funktionsbezogene Eigenschaft besitzen. Ihre Arbeit entsteht vor Ort in direktem Bezug zu den vorgefundenen Ausstellungsräumen. Durch das Nebeneinanderstellen der unterschiedlichen Objekte entsteht ein Gewebe, das durch unterschiedliche Texturen und Strukturen organisiert wird. Das konstruierte Objektgefüge wirft die Frage nach dem Kulturobjekt erneut auf. Das Projekt "Magicgruppe Kulturobjekt" gliedert sich in zwei Teile, die parallel im Ludwig Forum Aachen und in der Extra City Kunsthal Antwerpen stattfinden. Bereits am 12. Februar hat die Magicgruppe mit ihren Installationen in Aachen und Antwerpen begonnen. Ihre Arbeit vor Ort ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Der gesamte Aufbau wird fortlaufend dokumentiert und soll in Form einer Protokollsammlung zum Ausstellungsbeginn vorliegen.

Ludwig Forum Aachen, 3. März bis 29. April; Extra City Kunsthal Antwerpen, 4. März bis 1. April

Leverkusen: Michael Schmidt – Lebensmittel

Der Berliner Fotograf Michael Schmidt ist für seine Arbeit in umfangreichen Serien bekannt. An seiner Serie "Lebensmittel" hat der 1945 geborene Schmidt von 2006 bis 2010 gearbeitet. Er bereiste Europa und fotografierte die Produktion, Verarbeitung, Konfektionierung und Präsentation von Lebensmitteln. Schmerzhaft realistisch hat er Feldarbeiter, Zuchtbetriebe, Fischfarmen, Großbäckereien, abgepackte Wurstwaren und von der Lebensmittelindustrie zugerichtete Landschaften abgelichtet. In seinen analytischen Bildern verzichtete er auf lokale Verweise. Genauso anonym wie ein Großteil der Lebensmittel in Europa produziert und weiterverarbeitet wird, rückt Schmidt das Allgemeine in seinen Fotografien in den Vordergrund. Am Leverkusener Museum Morsbroich präsentiert er 177 Bilder aus dem Alltag der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Erst die serielle Anordnung der Bilder erzeugt durch Akzentuierungen, Wiederholungen und Bezügen zueinander einen verstörenden Eindruck von Allgegenwart und Nähe der gezeigten Situationen. Die Aufsicht auf eng aneinander gedrängte Schweinerücken trifft beispielsweise auf ein Bild aufgeschnittener Kinder-Wurst. So wird seine fast wissenschaftliche Beobachtung innerhalb der einzelnen Fotos durch die zusammenhängende Präsentation zu einem ergreifenden Essay. In der Ausstellung in Leverkusen sowie in der begleitenden Publikation stellt Schmidt seine jüngste Serie "Lebensmittel" erstmals vor.

Museum Morsbroich, Leverkusen, 4. März bis 13. Mai

Münster: about:blank

Repräsentation von Kunst und ihre individuelle Wahrnehmung sind Themen, mit denen sich die Künstler in der Ausstellung "about:blank" auseinandersetzen: Was sieht der Betrachter? Welche Rolle spielen individuelle Sehgewohnheiten, Erwartungen, Vorstellungen oder auch emotionale Stimmungen? Die Gruppenausstellung umfasst künstlerische Arbeiten aus den Bereichen Film, Installation, Skulptur und Fotografie. Der Polnische Künstler Wilhelm Sasnal ist mit seinem Super 8 Film "Concorde" von 2003 vertreten. Diesen drehte er auf dem letzten Flug des Überschallpassagierflugzeugs zwischen Paris und New York. Er nimmt den Blick der Passagiere ein, zeigt ihr verengtes Sehfeld durch das Fenster. Die holländische Künstlerin Germaine Kruip beschäftigt sich in ihrer Installation "Counter Shadow II" mit den Phänomenen Licht und Schatten. Ihr Mobile aus Aluminium wird angestrahlt und wirft als Schatten ein weiteres Bild auf die Wand. Dieses entpuppt sich als kunsthistorische Referenz, ein Verweis auf "Counter Composition V" des Mitbegründers der Künstlerbewegung "De Stijl", Theo von Duisburg. Mit dieser Neukonstruktion hinterfragt sie gleichzeitig die Ideen des De Stijl, die sich auf funktionalistische und klare Formen beschränkten. Weiterhin vereint die Ausstellung Arbeiten von Lonnie van Brummelen, Bernhard Kahrmann, Germaine Kruip, Noor Nuyten, Wilfredo Prieto und Ariel Schlesinger. Kuratiert wurde "about:blank" von Carla Donauer und Alexandra Landré, Teilnehmerinnen des deutsch-niederländischen Kulturprojektes smax, das junge Kuratoren und Künstler fördert.

Kunsthalle Münster, 3. März bis 13. Mai

Mönchengladbach: Monica Bonvicini – Desire Desiese Devise

Mit der Ausstellung "Desire Desiese Devise" präsentiert Monica Bonvicini ihre umfangreiche Produktion von Zeichnungen, Collage- und Textarbeiten. Insgesamt mehr als 300 Arbeiten aus den letzten 25 Jahren zeigt die 1965 geborene italienische Künstlerin im Abteiberg Museum. Illustrative comicartige Motive wechseln sich mit Textcollagen und filigranen Skizzen ab. Manche dieser Entwürfe lieferten Bonvicini Ideen für ihre raumgreifenden Installationen oder Skulpturen, für die sie bekannt ist und mit denen sie den Betrachter häufig selbst zum Handeln auffordert. Die Zeichnungen demonstrieren das Prozesshafte in ihrer künstlerischen Arbeit. Sie machen die Entwicklung ihrer räumlichen Werke und ihre Vorstellung der Interaktion mit dem Publikum sichtbar. So ermöglichen die Zeichnungen einen Blick hinter die Kulissen, sie geben einen Einblick in die Auseinandersetzung der Künstlerin mit verschiedenen Themen beispielsweise Architektur, öffentlicher Raum, Sexualität und Fetischismus. Bonvicini entwickelte mit dem Museum in Mönchengladbach eine spezielle Ausstellungsarchitektur, die eine Verbindung mit ihren Zeichnungen eingeht. Durch eingebaute Wände entstehen begehbare Kabinette, die offene und geschlossene Strukturen erzeugen.

Museum Abteiberg, Mönchengladbach, 4. März bis 20. Mai

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