20 / 03 / 2008
Wolfgang Niedecken
Beuys & BAP
"UND BEUYS SANG 'NACK, NACK, NACK'"
art: Wie kommt es denn, dass überall kursiert, BAP hätte mit Joseph Beuys das Lied "Sonne statt Reagan" eingespielt?
Wolfgang Niedecken: Dass man nirgendwo detaillierte Informationen dazu findet, kommt sicher nicht von ungefähr. Ich glaube, dass die ganze Sache den Nachlassverwaltern von Beuys nicht sehr angenehm ist.
Die finden die Aktion peinlich?
Ja. Selbst im Beuys-Archiv auf Schloss Moyland findet man nichts darüber.
Haben Sie denn gar nichts mit dem Stück zu tun?
Diese Sache ist so was von merkwürdig zustande gekommen. Das war ja genau in der Phase unseres überregionalen Durchbruchs. Wir hatten plötzlich vier Alben in den Top Ten, zwei davon auf Platz eins und zwei. Jeder wollte damals was von uns, die Leute kamen mit den abstrusesten Anliegen zu uns. Da hieß es dann auch: Der Joseph Beuys möchte gerne einen Song für die Grünen singen, schreib doch mal einen Text für den.
Haben Sie sich da etwa nicht geehrt gefühlt?
Meine Antwort war: Das ist ne Luftnummer. Von den ganzen Angeboten, die wir damals bekamen, war ja nur die Hälfte seriös. Und das erschien mir so was von unwahrscheinlich, dass ich mich nicht mehr drum gekümmert habe.
Eine Fehleinschätzung?
Ja. Irgendwann schalte ich den Fernseher ein, um die Sendung "Bananas" anzugucken, und sehe da unseren Gitarristen, unseren Bassisten, unseren damaligen Percussion-Spieler, der plötzlich am Schlagzeug saß, zwei Chordamen, von denen eine Ina Deter war und die andere die Ex-Freundin unseres Gitarristen. Das war eine Frau, die im Chlodwig-Eck, unserer Stammkneipe, bediente und bei der Band Nyloneuter sang. Wolf Maahn war offensichtlich der Bandleader dieser Geschichte. Und Joseph Beuys stand da und sang diesen grottenschlechten Text. Dann bin ich natürlich direkt ans Telefon und habe die Kollegen gefragt: Was ist das? Du wolltest ja nicht mitmachen, hieß es dann. Ich habe mich natürlich schwarz geärgert. Es stellte sich heraus, dass statt mir ein Werbetexter angeheuert worden war.
20 / 03 / 2008
