Markus Lüpertz
Konzert
DER PIANOFÜRST
Direkt unter Sighard Gilles monumentalem Wandgemälde, das sich in vier Segmenten vom Erdgeschoss des Hauses bis zum Dach hinaufschwingt, spielt die Jazzcombo aus sieben Herren mittleren Alters. Allerlei Prominenz ist ausgerückt, das Spektakel zu erleben: hinter der Rezensentin sitzt Gille selbst, Tilman Spengler weht im roten Schal durch die Hallen, Reclam-Geschäftsführer Frank R. Max ist gekommen, und in der ersten Reihe thront Hartwig Ebersbach.
Zunächst einmal erklärt Bassist und Bandleader Frank Wollny die musikalische Strategie: Das Stück werde dirigiert von der absoluten Hingabe des Mannes am Klavier, nämlich Markus Lüpertz. Dessen Hände seien ja nur den Pinsel gewöhnt und nach dem Auftritt gleichsam blutig: "Alle Energie, die beim Malen verloren geht, kommt am Piano wieder rein." Was Lüpertz spiele, werde von den Profi-Kollegen sozusagen umrundet. So sehe die Struktur aus – und schließlich seien Musiker wie bildende Künstler ja gewohnt, mit Strukturen umzugehen. Diese Gemeinsamkeit sei wie ein Bild. Dann kommen die Herren zur Sache. Am Vibraphon nimmt der geniale Percussionist Wolfgang Lackerschmid das noch sanfte Ostinato des Meisters am Steinway-Flügel auf, Manfred Schoof legt wohlwollend ein paar Trompetenklänge drüber, Frank Köllges streichelt sein Schlagzeug ein wenig, und Frank Wollny am E-Bass sowie Jesus Canneloni (sic!) am Saxophon halten sich vornehm zurück. Das klingt sehr nach der angekündigten Struktur und weniger anarchistisch als man von einer angekündigten Free-Jazz-Session erwarten mag.

