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Lesetipps

Louise Bourgeois und Hannah Höch
Louise Bourgeois (Foto: Jeremy Pollard)

LOUISE BOURGEOIS UND HANNAH HÖCH

art stellt neue Kunstbücher vor. Diesmal: Lesestoff zu Hannah Höch und Louise Bourgeois
// KATHERINA KÖSTER, GERHARD MACK
Die Unbeirrbare

Detailreich: eine Biografie über die Dada-Künstlerin Hannah Höch

Entschlossen ihrem Werk verpflichtet, durchlebt die Grande Dame der Berliner Dada-Bewegung Hannah Höch (1889 bis 1978) privat und politisch nervenaufreibende Zeiten. Nach einer problematischen Beziehung mit dem Dadasophen Raoul Hausmann zieht die Pionierin der gesellschaftskritischen Fotomontage zu ihrer neuen Gefährtin, der Schriftstellerin Til Brugman, nach Den Haag.

Ende der zwanziger Jahre kommen beide kulturhungrig nach Berlin. Bald jedoch gelten Höchs Arbeiten unter den Nationalsozialisten als „entartet“; Archiv und Arbeit der experimentierfreudigen Künstlerin geraten in Gefahr. Wie sie sich trotz aller gebotenen Vorsicht für emigrierte Freunde und besonders für ihren späteren Ehemann Kurt Heinz Matthies einsetzt, schildert die Kunsthistorikerin Cara Schweitzer ausführlich und quellenorientiert. Die letzten Kriegsjahre verbringt sie zurückgezogenen am Rand von Berlin. Reise- und Werkbeschreibungen ergänzen ihre Lebensstationen. Ein Ausblick berührt Höchs Bildungsarbeit nach dem Krieg und ihre späte internationale Anerkennung. Katherina Köster

Cara Schweitzer: Schrankenlose Freiheit für Hannah Höch. Biografie. Osburg Verlag. 447 S., 32 Abb., 26,90 Euro

Louise Bourgeois zum 100. Geburtstag

Zwei schmale Lesebändchen liefern Einsichten in das Leben der großen Bildhauerin.

Sie kam Weihnachten zur Welt und fühlte sich in vielen Lebensphasen alles andere als glücklich. Der Kampf um Selbständigkeit, die Angst vor Abhängigkeit, der Wunsch nach Nähe und Harmonie stehen im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens. Das erzählt Louise Bourgeois dem amerikanischen Kunstkritiker Donald Kuspit 1988 in einem langen Interview. Das legendäre Gespräch gewährt tiefe Einblicke in die innere Welt einer Künstlerin, die von sich sagte, es sei ein „Privileg, über einen Zugang zum Unbewussten zu verfügen“. Gleichwohl ist der Text bisher nur in Ausschnitten auf Deutsch erschienen. Dieses Manko behebt der Piet Meyer Verlag rechtzeitig zum 100. Geburtstag der 2010 gestorbenen Künstlerin in einer sorgfältig gestalteten vollständigen deutschen Erstausgabe. Daneben liegt auf dem Gabentisch eine Einführung in Leben und Werk von Ulf Küster. Der Kurator der Fondation Beyeler beschreibt, begleitend zu einer Ausstellung, die dort bis 8. Januar 2012 zu sehen ist (siehe art 9/2011), sehr lesbar ein Dutzend ausgewählte Hauptwerke und ordnet dabei die Künstlerin in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts ein. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk als diese beiden sich ergänzenden Bändchen hätte man der Künstlerin und ihren Fans nicht machen können. Gerhard Mack

Donald Kuspit: Ein Gespräch mit Louise Bourgeois, Piet Meyer Verlag. 120 S., 24 Abb., 12.80 Euro Ulf Küster: Louise Bourgeois, Hatje Cantz Verlag. 144 S., 21 Abb., 12.80 Euro

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