Surrend

ZOG

"Zensur zerstört die Gesellschaft"
"Wie soll ein Künstler ernsthaft arbeiten, wenn er eine Grenze im Kopf hat, die er nicht überschreiten darf?", sagt Mondry. (Surrend)

"ZENSUR ZERSTÖRT DIE GESELLSCHAFT"

Die Berliner Surrend-Ausstellung "ZOG" polarisiert: Zunächst wurde mit Gewalt gedroht, dann wurden die Fenster beschmiert ("Dumme Ausstellung"), und heute versuchte ein Mann, die Ausstellung zu boykottieren, indem er die Türschlösser der Galerie verklebte. Herbert Mondry, Vorsitzender des Bundesverbands Bildender Künstler Berlin, hält dagegen: "Kunst darf in jeder Form kritisieren – und provozieren!"
// ALAIN BIEBER

Herr Mondry, in einer Pressemeldung kritisieren Sie die Meinung der "liberalen Öffentlichkeit", insbesondere Kritiken in der "Berliner Zeitung" und dem "Tagesspiegel". Die Zeitungen hatten die Ausstellung als "inhaltsleere Provokation" und "sinnfreie Veralberung" bezeichnet – und ihr deshalb eine Freiheit der Kunst abgesprochen.

Ich bin empört über diese Reaktionen. Und das ausgerechnet von Presseorganen. Es ärgert mich mehr, als dass es da ein paar Jugendliche gibt, die sich provoziert fühlen und damit drohen, Steine zu werfen.

Die "Berliner Zeitung" schrieb: "Es verwundert nicht, dass sich gerade Muslime provoziert fühlen. Ihnen zu unterstellen, sie verstünden keine Satire, wäre zynisch. Nicht nur attackiert das Plakat religiöses Heiligtum. Auch erleben Muslime – anders als Vegetarier – täglich Provokationen in Form von Vorurteilen. Man kann sich in der Tat fragen, warum Surrend überhaupt all diese Menschen provozieren will. Um für Meinungsfreiheit zu streiten, sagen die Künstler. Dabei vertreten sie selbst keine Meinung. Ihre Provokationen bleiben damit seltsam inhaltsleer." Aber dies darf doch nicht dazu führen, dass Kunst deshalb nicht ausgestellt wird! Es fühlen sich ständig alle möglichen Gruppen provoziert – von gesellschaftlich Benachteiligten bis zum "Black Block". Da könnte ja jeder mit Gewalt drohen, um Dinge, die ihm nicht passen, verbieten zu lassen. Nicht umsonst haben wir bestimmte Freiheitsrechte. Und das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Kunst sind zentrale Grundrechte in unserer Gesellschaft.

Aber warum reagiert die Presse so? Hat die Angst vor muslimischem Terror die Gesellschaft schon so stark zermürbt?

Neben falscher Rücksichtnahme spielt Angst da sicherlich eine Rolle. Es gibt Galeristen, die sich fragen, ob sie Ausstellungen, die Muslime beleidigen könnten, überhaupt machen sollten. Da gibt es sehr wohl eine innere Zensur. Und diese Tendenz wird noch verstärkt, wenn Zeitungen schreiben: "Das muss doch jetzt nicht sein. Wir wissen doch, wie Muslime reagieren und dann sollten wir uns danach richten." Damit legen sich die Kunstvermittler selbst einen Maulkorb an. Über die Kunst kann man streiten, aber bitte, dann soll man darüber auch streiten. Aber man kann nicht sagen: Das muss verboten werden. Das führt dazu, dass die Freiheit der Kunst immer stärker beschnitten wird. Und diese Zersetzungen beginnen ja immer schleichend.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden