26 / 02 / 2008
Künstler-Biografien
Der Blaue Reiter
"ICH FINDE ES SCHÖN, WENN DIE KÜNSTLER AM ENDE STERBEN"
art: Wie entstand die Idee Comic-Biografien von Künstlern zu produzieren?
Willi Blöß: Ich bin da so reingerutscht. Ein Bekannter bekam 1998 einen Auftrag von dem Wiesbadener Sammler Michael Berger, der sich einen Joseph-Beuys-Comic wünschte. Der Zeichner kam damit nicht klar und fragte mich um Hilfe. Da habe ich dann gemerkt, was für einen Wust an Sekundärliteratur es gibt. Und seitdem hat mich das nicht mehr losgelassen. Es hat mich gereizt, da aufzuräumen und eine Übersicht zu schaffen. Bis 2002 habe ich dann fünf Hefte produziert und bin damit durch die Verlagslandschaft gezogen – und habe überall Absagen bekommen.
Warum? Ist das Medium "Comic" vielleicht doch nicht akzeptiert genug?
Ich mache mir da keine Gedanken mehr. Mir macht es Spaß – und die Leser finden es auch klasse. Damals hat man mir gesagt: Comics laufen ganz schlecht. Das einzige, was noch schlechter läuft, sind Biografien. Deshalb habe ich mich selbständig gemacht, 1000 Stück von jedem Titel gedruckt und diese dann auch selbst vertrieben. Nach ein paar Monaten waren die ersten ausverkauft – da habe ich gemerkt, dass es doch läuft. Insgesamt habe ich jetzt gut über 50 000 Hefte verkauft.
Wen möchten Sie mit den Biografien erreichen?
Natürlich junge Menschen. Aber auch Bildungsbürger, die keine Lust auf dicke Wälzer haben, sich schnell informieren und dabei noch Unterhaltung wollen.
Bisher haben Sie 14 Künstler porträtiert – von Warhol über Beuys bis Nam June Paik. Wie wählen Sie die Künstler aus?
Ich überlege da nicht lange. Ich stolpere darüber. Beim "Blauen Reiter" habe ich sofort gemerkt: Das kribbelt. Und dann habe ich angefangen. So mache ich das immer. Mich hat immer gestört, dass man ständig diese großen Namen um die Ohren gehauen bekommt. Beuys, Warhol, Picasso – und im Grunde, weiß man so gut wie nichts über diese Personen. Die Comic-Biografien sind für mich auch eine Art Weiterbildung, die ich mir selbst antun möchte. Und wenn nach der Lektüren ein wenig hängen bleibt, bin ich schon froh.
26 / 02 / 2008
