Gallery Weekend

Berlin

Kratzer am glänzenden Image
Glamour für Berlin: die Eröffnung des Gallery Weekend in der italienischen Botschaft in Berlin (Foto: Nick Ash)

KRATZER AM GLÄNZENDEN IMAGE

Das Gallery Weekend 2011 wurde mit einem VIP-Empfang in der italienischen Botschaft eröffnet. Trotz interner Zwistigkeiten zählt die Veranstaltung zu den Höhepunkten des Berliner Kulturlebens und die Liste der vertretenden Galerien und Künstler klingt vielversprechend
// KITO NEDO

Das Gallery Weekend zählt immer noch zu den Höhepunkten des Berliner Kulturlebens. Dabei waren es schlechte Nachrichten, die zuletzt aus der Berliner Galerienszene drangen. Mit der Affäre um die von Berliner Kollegen betriebene Ausjurierung von Eigen + Art sowie der Galerie Giti Nourbakhsch von der diesjährigen Art Basel wurde deutlich, mit welch harten Bandagen die Konkurrenz in der Stadt kämpft.

Der Zwist hat auch dem glänzenden Image des seit 2005 immer erfolgreicher agierenden Berliner Gallery Weekend erste Kratzer zugefügt. Freilich bleibt das letzte Aprilwochenende mit seinen unzähligen Eröffnungen ein Höhepunkt des hauptstädtischen Kunstjahrs.

Doch an den Mythos von der konzertierten Aktion der Galeristen zum Wohle des gemeinsamen Standorts mag aufgrund der Unstimmigkeiten niemand mehr glauben. "Business as usual" lautet die Parole, die nun unausgesprochen über der in diesem Jahr von den Lindenstraßen-Galeristen Claes Nordenhake und Monika Branicka organisierten Veranstaltung schwebt. Zu viel böses Blut schadet dem ohnehin schweren Geschäft. Es steht andererseits aber auch nicht zu erwarten, dass das traditionelle samstägliche Galadinner, das diesmal in den Kreuzberger Premium-Hallen "Station-Berlin" für eine dreistellige handverlesene Gästeschar stattfindet, zum großen Friedensfest mutiert. Die wichtigste Rolle beim ­Gallery Weekend sollte ohnehin die Kunst spielen, und da wird viel geboten: Guido W. Baudach zeigt an seinen beiden Standorten, in Charlottenburg und Wedding Arbeiten des vielseitigen Installationskünstlers Andy Hope 1930, bürgerlich Andreas Hofer.

Die kürzlich fest an den Rosa-Luxemburg-Platz gezogene BQ-Galerie von Jörn Bötnagel und Yvonne Quirmbach präsentiert den Glasgower Kritzelkünstler David Shrigley, während Capitain Petzel den neuen Film "Chicago" der Amerikanerin Sarah Morris präsentiert. Dazu ist neben der Ausstellung in den Räumen nahe dem Straußberger Platz am Samstag eine kostenlose Vorführung im Kino Babylon geplant.

Eine Überraschung bietet auch Contemporary Fine Arts. Hier kehrt mit Anselm Reyle ein verloren geglaubter Sohn in den Kreis der Galeriefamilie zurück: Der Meister des Streifenbilds, der neuerdings auch niedlich-kitschige Ausmalbildchen-Sujets zu Konzept-Gemälden aufbläst, hatte sich 2007 von der Galerie getrennt.

Es ist kein Geheimnis, dass selbst Galeristen, die nicht zum offiziellen Programm zählen, ein erlesenes Programm fahren. So präsentiert Galeristin Isabella Bortolozzi im Lichthof des Hauses des Rundfunks die Turner-Prize-Gewinnerin Susan Philipsz mit einer aktuellen Soundinstallation. Zudem wollte der Anfang April in Peking festgenommene chinesische Künstler Ai Weiwei zum Gallery Weekend persönlich seine Ausstellung zeigen. Nun wird sie ohne Ai Weiwei eröffnet, aber dafür umso mehr für Diskussionen sorgen. Und sollte es wider Erwarten doch noch zum offenen Weekend-Eklat kommen, dann haben Galerist Johann Koenig und die junge britische Künstlerin Helen Marten definitiv den besten Ausstellungstitel: "Take a stick and make it sharp."

Gallery Weekend

29. April bis 1. Mai 2011, Fr 16–21 Uhr; Sa–So 11–19 Uhr

http://www.gallery-weekend-berlin.de

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