Fleisch & Kunst

Meatpaper

Es geht um die Wurst
"Meat is in the air": Sasha Wizansky (r.) und Amy Standen gründeten das US-Kulturmagazin "Meatpaper" (Foto: Julio Duffoo)

ES GEHT UM DIE WURST

Fleisch als Werkstoff zieht seine blutige Spur durch die Kunstgeschichte. Und jetzt gibt es auch noch ein neues Magazin über Fleisch und Kultur. Na dann: Mahlzeit!
// ALAIN BIEBER

Künstler lieben Fleisch. Denn Fleisch symbolisiert Leben, Tod, Verfall, Mystik. Und das alles auf einmal. Und auf den Betrachter übt Fleisch noch immer eine eigenartige Mischung aus Ekel und Faszination aus.

Und das obwohl Fleisch täglich konsumiert wird, in Deutschland jährlich 60 Kilo pro Kopf. Aber Fleisch tarnt sich gerne: Als Tortellinifüllung oder quadratisch, praktisch zugeschnitten als panierte Hähnchenwürfel. Es gilt die Regel: Je weniger Tier man erkennt, desto besser verkauft sich das Produkt. Die Folge ist eine totale Entfremdung des Konsumenten vom Ursprung des Fleischs. Und gerade deshalb provoziert der Anblick von toten Fleisch noch immer.

Aber das Verhalten der Konsumenten ändert sich. Öko ist eben angesagt. Der neue Mensch handelt nachhaltig. Auch in den USA, immerhin die größte Fleischnation der Welt – jedes Jahr werden zehn Milliarden Tiere aufgezogen, geschlachtet und verzehrt – findet ein Umdenken statt. "Es gibt eine ganz neue kulturelle Energie in Bezug auf Fleisch", erklärt Saha Wizansky, 37, die Gründerin von "Meatpaper", dem ersten Magazin für Fleisch und Kultur. "Ehemalige Vegetarier essen plötzlich wieder mit Leidenschaft und Bedacht Fleisch, andere Menschen verfolgen aufmerksam die Presse über die amerikanische Fleischindustrie und werden Vegetarier, Künstler benutzen Fleisch für ihre Projekte und Designer produzieren kitschig-fleischinspirierte Produkte."

"Meatpaper" ist weder ein parodistisches Heft militanter Veganer noch ein Produkt der amerikanischen Fleischerlobby. "Wir meinen es ernst", sagt Wizansky, "aber wir nehmen uns selbst nicht zu ernst." Im März 2007 gründete Wizansky, die sonst als freie Grafikern arbeitet, zusammen mit ihrer Freundin, der freien Journalistin Amy Standen, 33, das Projekt – und seitdem veröffentlicht das Duo aus San Francisco im Selbstverlag pro Quartal eine neue Ausgabe.

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