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Lesetipps Februar

Die Lesetipps des Monats
Zum Lesen, Schauen und Genießen: Die schönsten Bücher im Februar 2011

DIE LESETIPPS DES MONATS

art-Redakteurin Ulrike von Sobbe stellt Ihnen in unserer Rubrik "Bookmarks" neue Kunstbücher vor. Diesmal reicht das Spektrum von Hyper-Realisten bis zu niederländischen Altmeistern, vom Grandseigneur der französischen Fotografie Robert Doisneau bis zu den Stars der Fotoagentur Magnum, von Sowjet-Architektur bis zum neuen Kreativ-Zentrum „Dortmunder U“.
// PETER MEYER, RALF SCHLÜTER, ULRIKE VON SOBBE
Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (Hrsg.): Hyper Real

Vor rund 40 Jahren als die Fotorealisten ihren ersten viel diskutierten Auftritt bei der Documenta 5 in Kassel hatten, waren Peter und Irene Ludwig schon lange Sammler dieser neuen Malerei, in der meist großformatige Bilder nach fotografischen Vorlagen entstanden.

Eine Ausstellung, die bis 13. Februar noch in Wien zu sehen ist und danach Stationen im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen (13. März bis 19. Juni) und später in Budapest im Museum of Contemporary Art haben wird, führt nun zum ersten Mal den gesamten Bestand an fotorealistischen Arbeiten des Sammlerpaares zusammen: ein eindrucksvolles Spektrum, das von Tom Wesselmann über Eric Fischl bis Thomas Demand reicht. Das umfangreiche Begleitbuch ist ein Kompendium geworden, das mit hervorragenden Abbildungen und erklärenden Aufsätzen vermittelt, wie sich diese Kunstrichtung am Schnittpunkt von Malerei und Fotografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. (Verlag der Buchhandlung Walther König. 399 S., zahlreiche Abb., 38 Euro)

Willibald Sauerländer: Von Bildern und Menschen

Der emeritierte Professor für Kunstgeschichte ist ein Sonderfall. Er gehört zu den ganz wenigen in seiner Disziplin, die auch journalistisch gearbeitet haben: Seit 1993 sind immer wieder Beiträge von ihm in der „Süddeutschen Zeitung“ erschienen. Knapp zwei Dutzend dieser Berichte hat er nun in einem Buch versammelt, und ganz gleich, ob er die „Grazie des göttlichen Malers“ Raffael bewundert oder die „feierliche Verlegenheit“ in einem Doppelporträt von Frida Kahlo notiert, der inzwischen 87-Jährige, der einst auch als Fremdenführer in Paris unterwegs war, verfügt über eine souveräne Kenntnis, die wohl nur noch von seiner immer wachen Neugier übertroffen wird. Respektvolles Fazit nach rund 200 Seiten: Ein Sprachartist meldet sich hier nicht zu Wort – aber allemal einer, der weiß, worüber er schreibt. (C.H. Beck Verlag., 198 S., 22 Abb. 22,95 Euro)

Til-Holger Borchert, Antje-Fee Köllermann: Van Eyck bis Dürer. Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa

Wie der künstlerische Austausch im Europa des 15. Jahrhunderts mit Jan van Eyck begann und mit Albrecht Dürer seinen Höhepunkt fand, illustriert dieser reich bebilderte Band, der zu einer Ausstellung in Brügge erschienen ist. Kundig und nachvollziehbar stellen die Autoren dar, wie die altniederländische Kunst die altdeutsche Malerei beeinflusst hat und wie dank weit reichender Handelsbeziehungen von Flandern über Köln, Nürnberg oder die Hansestädte künstlerische Impulse sogar bis nach Mitteleuropa weiter getragen wurden. Zudem konnten Künstler auf ihren Wanderschaften durch die verschiedenen Kunstregionen ihre Vorbilder studieren und in ihre eigene Bildsprache übertragen. Gemälde, Grafiken, Skulpturen und Objekte aus den großen europäischen und nordamerikanischen Sammlungen – in hervorragend gedruckten Abbildungen – zeugen eindrucksvoll von dieser kunsthistorisch so nachhaltigen gegenseitigen Beeinflussung. (Belser Verlag. 410 S., 635 Abb., 59,95 Euro)

Frédéric Chaubin: CCCP – Cosmic Communist Constructions Photographed

Man kommt sich ein bisschen blöd vor, wenn man dieses Buch anschaut. Wie ahnungslos man doch ist in seiner Fixiertheit auf die westliche Moderne, auf Le Corbusier und das Bauhaus und ihre Epigonen. Dieses Buch zeigt spektakuläre Bauten des ehemaligen Ostblocks. Ein Sanatorium in Riga, eine Sportarena in Usbekistan, ein Akademiegebäude in Moskau: Die Sowjet-Moderne war verspielt und monumental, kühn und brutal. Sie lebte vom politischen Größenwahn und hatte doch einen erstaunlichen utopischen Charme, den der Fotograf Frédéric Chaubin in einem großformatigen Bilderbuch feiert. (Taschen Verlag, 312 S., 49,99 Euro)

Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität

Endlich ist das Dortmunder U weitgehend in Betrieb. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 war das neue kreative Zentrum des Ruhrgebiets nur teilweise zugänglich gewesen. Drei Bände im Schuber liefern nun Material zur Architektur des Hauses, zum Angebot der verschiedenen Vereine und Veranstalter und zur Sammlung des Museums Ostwall, das im ehemaligen Brauereiturm eine neue Heimat gefunden hat – für Leute, deren Interesse über einen kurzen Besuch in dem imposanten Komplex hinausgeht. (Kettler Verlag, jeder Band hat zwischen 150 und 170 S., je 19,90 Euro)

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