Off Spaces

Köln

Off Spaces: Museum für verwandte Kunst
Das Museum für verwandte Kunst setzt auf den subversiv verdrehten Alltagsbezug, so wird auch "Der Hund in der Kunst" nicht verkitscht. Roger Löcherbach: "Pop-Nazis" (Courtesy Museum für verwandte Kunst)

OFF SPACES: MUSEUM FÜR VERWANDTE KUNST

In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: das "Museum für verwandte Kunst" in Köln

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Das war die Ausstellung 2009 zum fünfjährigen Bestehen "Danke - es geht uns glänzend“. Der Titel bezog sich einerseits auf das Krisengeschrei in den Medien und sollte einen positiven Akzent setzen. Andererseits sollte er zeigen, dass die meisten Künstler sich immer in dem Zustand befinden, den der Normalbürger als Krise empfindet.

Ich habe an alle Künstler, die jemals im "museum" ausgestellt haben, Vileda-Putztücher verteilt mit der Bitte, die künstlerisch zu gestalten. Über 80 Künstler kamen dieser Bitte nach.

Und der größte Misserfolg?

Nach etlichen gefühlvollen Weihnachtsausstellungen zeigte ich Ende 2010 "I'm dreaming of a black christmas". Das war eine Weihnachtsausstellung für Weihnachtshasser, ganz in schwarz und böse, um den Weihnachtshasser ein Zuhause zu bieten. Aber leider gibt es so gut wie keine Weihnachtshasser…

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Ich würde gerne eine Installation von "Der Herr und sein Knecht" zeigen, Graffiti kombiniert mit aufgeblasenen, beleuchteten, blauen Müllbeuteln.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Das schönste Geräusch im "museum" ist das leise Lachen der Besucher.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Ich finde die meisten Galerien gruselig. Dort sitzen arrogante Galeristen hinter großen Schreibtischen in leeren weißen Räumen, deren Blicke sich in meinen Rücken bohren, und warten nur auf Sammler. Mein "museum" ist ein Gegenentwurf dazu. Mit Themen, die dem Besucher nahe sind, oft Objekte aus Fundstücken und Alltagsgegenständen und das Gefühl, Kunst ist gar nicht so weit vom Betrachter entfernt.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Im "museum" werden immer Themenausstellungen gezeigt, also suche ich Künstler, die schon mal zu diesem Thema gearbeitet haben oder etwas extra dafür anfertigen.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Unsere erste Ausstellung hieß "Hirsch und Heute", es kamen Jäger und brachten Geweihe und Broschüren mit, saßen hier am Tisch, tranken Kaffee und konnten gar nicht verstehen, dass das nur eine zeitlich begrenzte Ausstellung ist. Sie dachten, sie hätten ihre Heimat gefunden und irren jetzt wahrscheinlich immer noch heimatlos durch Köln.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Gar nicht.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Um das „museum“ zu finanzieren, habe ich ein Künstlerbesteck kreiert das ich hier im Museumsshop verkaufe. Wahrscheinlich würde ich damit einen Laden betreiben und mich tödlich langweilen.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Dass mir die Ideen nicht ausgehen und eine kleine Finanzspritze von einem Sponsor.

Fakten, Fakten, Fakten:
Gründungsjahr: 2004
Leitung: Katrin Bergmann
Wie viele Helfer/Mitarbeiter: Ich mache alles alleine, nur bei Eröffnungen oder beim Kunstmarkt helfen Freunde und Familie.
Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: Zwischen Totarbeiten und Gemütlichkeit
Ausstellungsfläche: zirka 75 qm
Altersdurchschnitt der Besucher: vom Kind bis zum alten Menschen
Jahresbudget: -

Museum für verwandte Kunst

Genterstrasse 6, 50672 Köln

http://www.museumfuerverwandtekunst.de

contact@museumfuerverwandtekunst.de

Kommentieren Sie diesen Artikel

1 Leserkommentar vorhanden

Simeonidis

11:06

27 / 02 / 11 // 

Ein Traum!

Dieser Kunstort ist etwas ganz Besonderes. Zuerst haben das wohl die Künstler entdeckt, denn unter den Ausstellenden finden sich große Namen, nun hat sich die Originalität dieser Kunst auch beim Publikum herumgesprochen. Ich kenne immer mehr Fans. Zu empfehlen ist der Museumsshop, wo es immer etwas Neues zu entdecken gibt.

Abo