Gib mir Fünf!

Tipps der Woche



DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: herabhängende Fledermauskästen, Lebendversuche und Aha-Effekte
// SUSANNE STROH UND NADINE HARTMANN
Berlin: "Street Photography Now"

Es war der Franzose Henri Cartier-Bresson, von dem die Theorie des "entscheidenden Augenblicks" in der Fotografie stammt. Um diese besonderen Momente in der Straßen-Fotografie zu entdecken und festzuhalten, wird von dem jeweiligen Fotografen ein besonderes Feingefühl, Geduld und eine schnelle Reaktion erfordert.

Hat man den Dreh erst mal raus, können humorvolle oder skurrile Aufnahmen wie die des Briten Matt Stuart, die neben Arbeiten 15 weiterer internationaler Fotografen bei Contributed in Berlin zu sehen sind, entstehen. Stuart setzt Vorder- und Hintergrund in seinen Aufnahmen in witziger Weise in Beziehung zueinander, wobei sich die Zusammenhänge für den Betrachter erst nach genauerem Hinsehen erschließen und einen Aha-Effekt hervorrufen. Auch der Pole Maciej Dakowicz richtet sein Hauptaugenmerk auf die Straßen-Fotografie. Für seine Arbeiten ist der Fotograf schon weltweit in 20 verschiedene Länder gereist. Die Ausstellung "Street Photography Now" wurde von Third Floor Gallery in Cardiff kuratiert und zeigt eine Auswahl von 40 der besten Fotos aus insgesamt 300 Aufnahmen.

11. Dezember 2010 bis 15. Januar 2011 bei Contributed – Studio For The Arts

Tübingen: "Lebendversuch"

In bizarre Bildwelten entführt der Berliner Maler Jonas Burgert in der Ausstellung "Lebendversuch", die zurzeit in der Kunsthalle Tübingen zu sehen ist. Lebens- und zuweilen auch überlebensgroß sind die Gemälde des 41-jährigen Künstlers aus Berlin, in denen es genau darum zu gehen scheint: Leben oder Überleben wir? Wie viel Menschliches steckt noch in den Personen, die sich auf dem immer wieder auftauchenden Schachbrettmuster positionieren? Manchmal hilflos, manchmal entschieden und oft auch in schierer Verzweiflung wie auf dem Gemälde "Zweiter Tag Nichts". In apokalyptischer Manier kämpfen dort die Menschen, die durch das Raster gefallen sind, um eine neonfarbene Flüssigkeit, und der Betrachter fragt sich ob das, was hier als giftig gilt, dort ein hohes Gut ist. "Natürlich ist es nur Farbe" ruft der Narr von der Seite vielleicht ins Bild – doch eine Farbe die verführt, entführt auf eine Fläche jenseits des Bildes.

11. Dezember 2010 bis 6. März 2011 in der Kunsthalle

Koblenz: "Woodwatchers and others"

Der aus Thüringen stammende Künstler HD Schrader gilt als Meister der Umgestaltung: Seit 1974 beschäftigt er sich in seinen Bildern, Installationen, Animationsfilmen und Skulpturen mit dem Motiv des Kubus, dessen Möglichkeiten er mit bildnerischen Mitteln auszuloten versucht. Anders als bei Schraders Plastiken aus Ton und seinen Skulpturen aus Marmor, entstehen die Plastiken des Künstlers durch Zerschneiden und Weglassen. Dabei gliedert sich der konstruktiv erzeugte Kubus in geometrische Formen auf, die jeweils eine eigene Dynamik entwickeln. Die von Schrader bevorzugte Farbe Rot steht dabei in Kontrast zum verwendeten Material und der natürlichen Umgebung. In Projekten wie seinen herabhängenden Fledermauskästen oder den aufrecht stehenden Kästen mit Sehschlitzen der "Wächter", arbeitet der Künstler mit Tier- und Naturlauten, die zusammen mit den scharfkantigen Formen interessante Konstellationen im Innen- und Außenraum bilden. Das Ludwig Museum in Koblenz zeigt drei Installationen sowie sechs Animationsfilme von Schrader.

12. Dezember 2010 bis 6. Februar 2011 im Ludwig Museum

Frankfurt: "New Frankfurt Internationals"

Diesen Freitag startet eine neue Ausstellungsreihe im Frankfurter Kunstverein und dem MMK Frankfurt. Unter dem Titel "New Frankfurt Internationals – Stories and Stages" treten Absolventen der Akademie für Bildende Künste Mainz, der Hochschule für Gestaltung Offenbach und der Städelschule Frankfurt an. Die Wahl der Medien ist dabei so unterschiedlich wie die Künstler. Egal ob Skulpturen, Video oder Performances – alles ist erlaubt. Besonderes Highlight für Museumsmuffel – auch außerhalb der Institutionen gibt es ein Programm: Jonas Leihener (Städelschule) kuratiert eine Performancereihe in der City, und Lilian Engelmann (FKV) und Bernd Reiß (MMK) betreuen neben der Ausstellung auch ein Zeitungsprojekt, das in Zusammenarbeit mit dem Regionalteil der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" entsteht. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Katinka Bock, Shannon Bool, Michele Di Menna, Carsten Fock und Heike Gallmeier.

11. Dezember 2010 bis 13. Februar 2011 im Kunstverein und im MMK

München: "Material Zeit"

Einen Eindruck davon, wie Geschichte räumlich erfahrbar wird, kann man zurzeit in der Pinakothek der Moderne in München bekommen. Das Architekturmuseum der TU München hat mit den Architekten Wandel Hoefer Lorch & Hirsch eine Ausstellung konzipiert, die zwölf Projekte des Architekturbüros vorstellt. Die Schau "Material Zeit – Eine architektonische Rezeption von Geschichte" zeigt Modelle, Zeichnungen und Materialen von geschichtsträchtigen Bauten wie der neuen Synagoge in Dresden oder dem Dokumentationszentrum Hinzert. Das Material des mehrfach preisgekrönten Architekturbüros ist nach eigenen Angaben "Handwerk und Politik".

9. Dezember 2010 bis 6. März 2011 in der Pinakothek der Moderne

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