Christoph Schlingensief

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"Es kann keinen wie ihn mehr geben"
Christoph Schlingensief, Ready-Made-Oper "Mea Culpa" (Foto: Benedikt Jerusalem)

"ES KANN KEINEN WIE IHN MEHR GEBEN"

Der Tod von Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief hat tiefe Spuren in der Kunstwelt hinterlassen. Kollegen, Intendanten und Politiker über den provokanten Künstler.

"Schlingensief war einer der größten Künstler, die je gelebt haben", sagt die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Die Autorin, deren Stück "Bambiland" 2003 im Wiener Burgtheater von Schlingensief uraufgeführt wurde, zeigt sich vom Tod des Regisseurs tief betroffen: "Er war nicht eigentlich Regisseur (trotz Bayreuth und Parsifal), er war alles, ich weiß kein andres Wort dafür: Er war DER Künstler schlechthin. Er hat eine neue Gattung geprägt, die sich jeder Einordnung entzogen hat. Es kann keinen wie ihn mehr geben. Ein furchtbar trauriger Tag." (Der Standard, 22. August)

In seinem Nachruf bezeichnet der Präsident der Berliner Akademie der Künste Klaus Staeck Schlingensief als Künstler "von ungeheurer Sprengkraft, künstlerisch wie politisch." Kollege und Intendant der Wiener Festwochen Luc Bondy nennt Schlingensief einen "lebenspendenden Anarchisten und eine große Figur der deutschen Kultur", auch das Schauspielhaus Zürich lobt den Verstorbenen in einer Aussendung als "shakespeareschen Narren im besten und im abgründigsten Sinne."

Auch von politischer Ebene wurde das Werk Schlingensiefs gewürdigt: "Ein großer Theatermann hat die Bühne verlassen", meinte Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit. Kulturstaatsminister Bernd Neumann schätzte Schlingensiefs oft provozierende Arbeit, "mit der er ganz bewusst auch über den Kulturbereich hinaus Kontroversen auslösen und irritieren wollte."

"Wir haben in Deutschland mit Christoph Schlingensief einen unserer großen Künstler verloren", zeigte sich Frank-Walter Steinmeier, SPD-Bundestagsfraktionschef und Ex-Außenminister, ebenso wie Grünen-Vorsitzende Claudia Roth tief berührt: "Er hat unser Land mit seinen Arbeiten in aller Welt vertreten – von Bayreuth bis zum Amazonas, von der Ruhr bis nach Burkina Faso." (Süddeutsche Zeitung, 22.08.)

Die Ambition, die Ordnung aufzureißen und Missstände aufzudecken begleitete Schlingensief sein Leben lang, in einem Interview mit "Der Zeit" vor zehn Jahren meinte er: "Meine Sehnsucht nach der Einfachheit des Lebens, mir Fragen zu stellen und Antworten zu suchen, wird dadurch torpediert, dass ich weiß, dass eine geordnete Welt das Ende bedeuten würde. Denn sie hat ihr Geheimnis verloren". (Die Zeit Online, 22. August)

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2 Leserkommentare vorhanden

werner hahn

21:13

23 / 08 / 10 // 

Die Bildende Kunst und Christoph Schlingensief

Schlingensief als Bildender Künstler: Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat C.S. als einen der vielseitigsten und innovativsten Künstler der Kulturszene gewürdigt. Die NZZ meint, Christoph Schlingensief war „Scharlatan und Schamane“. Die „taz“ sieht in C.S. einen „wanderpredigerartigen Habitus“ und würdigt seine „so große Lust am Anarchischen und am Ausprobieren“. „Die Welt“ würdigt im Nachruf C.S.s „Charme und Aktionismus“, er war kein „Medienclown“. Elfriede Jelinek: C.S. „war einer der größten Künstler, die je gelebt haben": In Kommentare wird C.S. vorgeworfen, er habe ein Schild hochgehalten, auf dem "Tötet Helmut Kohl" stand. „Ist das Kunst?“ wird gefragt. GAENSHEIMER zum Tod: „Als Künstler war er von Anfang an unkorrumpierbar, unstrategisch und antielitär“. Seine Wahl zum Künstler des Deutschen Pavillons in Venedig 2011 habe „große Zustimmung, aber auch Ablehnung erfahren. Er hat eben auch in diesem Fall produktiv polarisiert.“ S.G.: Heute sei „klar, dass er mit seinem gesamten Werk nicht nur für die deutsche Kunst neue Maßstäbe gesetzt hat und dass diese Qualität immer noch unterschätzt wird.“ (FAZ). wernerhahn schreibt Christoph SCHLINGENSIEF und die Bildende Kunst (Biennale Venedig 2011) in der SZ: http://www.sueddeutsche.de/kultur/christoph-schlin...

wernerhahn

08:32

10 / 06 / 11 // 

Goldener Löwe 2011 für Schlingensief

Schlingensief & Motto "ILLUMInations" der BIENNALE 2011: Kommerzielle etablierte Vermittlerszene ohne neue Sehweisen - vgl. http://www.myheimat.de/gladenbach/kultur/schlingensief-illuminationsq-der-biennale-2011-kommerzielle-etablierte-vermittlerszene-ohne-neue-sehweisen-d1893926.html.