Gagosian Gallery

Rom

Gipfeltreffen der Eitelkeiten
Mit der Ausstellung "Three Notes from Salalah" von Cy Twombly feierte die neue Gagosian Gallery in Rom ihr Debüt (Foto: Gagosian Gallery)

GIPFELTREFFEN DER EITELKEITEN

Bei der Eröffnung der Gagosian Gallery in Rom traf sich die kulturelle Elite Italiens. Minister, Schauspieler, Modedesigner und Künstler feierten mit Larry Gagosian seine neue Galerie. Aber viele Kritiker sehen in ihm nur einen "Großwildjäger" – auf der Suche nach einem neuen Terrain.
// UTE DIEHL

Larry Gagosian hat im Zentrum von Rom eine neue Galerie eröffnet. Schon seit Monaten fieberte die Stadt dem Ereignis entgegen. Kulturminister Rutelli bezeichnete die Eröffnung als "das größte kulturelle Event der Saison". Den ganzen Eröffnungstag über blieb die Via Crispi, eine vielbefahrene Verbindungsstraße zwischen Via Veneto und Piazza di Spagna, für den Verkehr gesperrt. An den Absperrgittern spielten sich erregte Szenen ab, doch wer keine Einladungskarte hatte, wurde vom Aufsichtspersonal gnadenlos abgewiesen.

Als einer der ersten durchschritt Roms Bürgermeister Veltroni den mit Säulen geschmückten, neoklassizistischen Eingang und führte mit Gagosian ein Gespräch hinter verschlossener Tür. Die wartenden Journalisten bekamen Gagosian nicht zu Gesicht. Statt dessen hielt Veltroni später vor ihnen eine knappe, euphorische Rede, in der er den amerikanischen Kunsthändler als "Mäzen" bezeichnete.

Der Mailänder Galerist Massimo Di Carlo ist da ganz anderer Meinung. "Zu glauben, die Ankunft von Gagosian sei ein kultuelles Ereignis, ist wirklich naiv. Er ist gekommen, um seine Lager zu füllen. Die italienische Kunst der sechziger und siebziger Jahre ist ja total unterbewertet. Noch heute kann man drei Lucio Fontana für einen Jasper Johns kaufen."

Den ganzen Tag über herrschte großes Gedränge in dem dreizehn Meter langen, ovalen Hauptsaal, in dem drei Bilder von Cy Twombly hängen. Am Abend kam Kulturminister Rutelli und betrachtete die Bilder alleine, während sich auf der Straße die Menge staute. Der römische Galerist Fabio Sargentini, der seit fünfzig Jahren italienische Kunst fördert und wie alle seine Kollegen nie Besuch von einem Politiker bekommen hat, nannte Gagosian spöttisch einen "Großwildjäger".

Einen solchen Promiauflauf gab es selten in Rom. Aber wenn Gagosian ruft, dann kommen sie alle: Miuccia Prada und ihr Mann Patrizio Bertelli, Valentino, Beatrice Trussardi, Nicola Bulgari, Alda Fendi, Marc Jacobs, Tate-Direktor Nicholas Serota, die Kritiker Germano Celant und Hans Ulrich Obrist, die Turiner Sammlerin Patrizia Sandretto, Telecom-Italia-Chef Marco Tronchetti Provera, Alain Elkann und auch ein paar Künstler wie Cy Twombly, Vezzoli, Kosuth, Sandro Chia und natürlich Jenny Seville aus dem Gagosian-Stall. Aber was mit einem solchen Aufwand eigentlich gefeiert wurde, blieb unklar.

Das Abendessen für die 430 ausgewählten Gäste fand unter den Deckenfresken des nahen Palazzo Barberini statt, in dem die Nationalgalerie für Alte Kunst untergebracht ist. Vor genau einem Jahr hatte das Kulturministerium durchgesetzt, dass hier keine Festessen mehr stattfinden dürfen – und jetzt bediente sich der Minister selbst am Buffet.

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