Olaf Metzel

Turkish Delight

Drohbriefe an die Galerie
Vom Sockel gestoßen: Skulptur "Turkish Deight" von Olaf Metzel (© Kunsthalle Wien public space, 2007. Foto: Kunsthalle Wien)

DROHBRIEFE AN DIE GALERIE

Die Diskussion um Olaf Metzels von Vandalen am Wiener Karlsplatz angegriffene Skulptur "Turkish Delight" spitzt sich zu: Seit Tagen erhält die Galerie nun Drohmails und Hassschreiben.
// BIRGIT SONNA

"Sagt dem Olaf Metzel, er soll von seiner Mama ein nacktes Bild machen. Er soll sich Gedanken machen, mit welchem Volk er spielt. Unsere letzte Mahnung." Wer mit ideologiekritischer Kunst im öffentlichen Raum einen Stein ins Rollen bringen will, muss heute auf der Hut sein. Zumal, wenn islamische Empfindsamkeiten verletzt werden könnten. Die Diskussion um Olaf Metzels bronzene Aktfigur einer stilisierten Frau mit Kopftuch, die am Wiener Karlsplatz von Vandalen attackiert und beschädigt wurde (art 12/12/2007), schlägt weiter Wogen.

Seit Tagen gehen nun Drohmails und Hassschreiben in Metzels Münchner Galerie Bernd Klüser ein. Meist sind die anonymen Schreiben auf Türkisch verfasst. Bernd Klüser nahm aggressive Anwürfe wie "Ich hasse Sie, ich protestiere gegen den Hurensohn Olaf Metzel" immerhin so ernst, dass er sich seine Metzel-Schau Ende letzter Woche nur unter der Bewachung von zwei hochgewachsenen Security-Männern zu eröffnen traute. In Vitrinen sind die massivsten Drohschreiben ausgestellt.

Sieht man einmal von einem mit dem verhüllten Kopf der umstrittenen Skulptur "Turkish Delight" ("Türkischer Honig") identischen Bronzebüste ab, kommt die Ausstellung recht harmlos daher. Scheinbar wie in traditionellen Stillleben beschäftigt sich Metzel zeichnerisch mit dem Faltenwurf von Stoffen. Doch in dem vermeintlichen Konservativismus steckt natürlich auch ein Stachel: Bei den beleuchteten Draperien handelt es sich um Kopf- und Palästinensertücher.

"Ich sehe das Ganze gelassen", behauptet Olaf Metzel. Und er begrüßt sogar die heftige Diskussion: "Den Briefeschreibern merkt man den Horizont an, je größer der Bildungsgrad umso differenzierter fällt die Auseinandersetzung mit der Skulptur aus. Man sollte jetzt die Emotionen rausnehmen und unter objektiven Gesichtspunkten die Kunst betrachten."

Genau das wird aber schwer fallen in dem aufgeheizten Stimmungsklima. Metzel hofft darauf, dass die reparierte Skulptur bald wieder aufgestellt werden wird: "Im öffentlichen Raum muss man als Künstler solche Debatten aushalten können." Kunsthallen-Direktor Gerald Matt, verantwortlich für die Postierung der Aktfigur, kommentiert in der Presse: "Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die inkriminierte Skulptur ausgerechnet von einem bedeutenden türkischen Sammler und Kunstmäzen angekauft wurde."

"Olaf Metzel – Porträts und Pastelle"

Galerie Bernd Klüser, 13. Dezember bis 2. Februar 2008.

http://www.galerieklueser.com

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