Durch den Monat mit:

Bernhart Schwenk

Kurzfilme und Königsdrama
Der Kurator Bernhart Schwenk, 50, ist seit 2002 für die zeitgenössische Kunst an der Pinakothek der Moderne in München verantwortlich, wo derzeit eine Ausstellung von Neo Rauch zu sehen ist (Foto: Haydar Koyupinar)

KURZFILME UND KÖNIGSDRAMA

In unserer Serie präsentieren Kunstprofis jeden Monat ihre persönlichen Höhepunkte. Diesmal: Bernhart Schwenk, Kurator für die zeitgenössische Kunst an der Pinakothek der Moderne in München
// BERNHART SCHWENK

Der Mai beginnt für mich jedes Jahr traditionell in Oberhausen bei den In­ternationalen Kurzfilmtagen. Mittlerweile 56 Jahre gibt es dieses Festival schon, das damit zwar ein wenig jünger ist als seine glamouröse, 64-jährige Schwester in Cannes, aber auch deutlich experimenteller und unberechen-ba- rer. Nirgendwo berühren sich Film und Kunst mehr als in Oberhausen. Für alle Kunstliebhaber also eigentlich ein Muss! Zurück in München ist Zeit für die zarten Zeichnungen und seltenen Bücher der Konzeptkunst aus der Sammlung von Herman und Nicole Daled, die erstmals im Haus der Kunst gezeigt werden. In der Sammlung Goetz freue ich mich auf die urkomischen Skulpturen und Bildkästen von Andreas Slominski. Vor allem aber widme ich mich der Ausstellung von Neo Rauch, deren Vorbereitung mich und meine Kollegen in der Pinakothek der Moderne und im Leipziger Museum der bildenden Künste während der vergangenen Monate intensiv beschäftigt hat. Die zweigeteilte Übersichtsschau aus An­lass seines 50. Geburtstags ist gleichzeitig an beiden Orten zu sehen. In den Münchner Kammerspielen gastiert im Mai der Theaterregisseur Luk Perceval mit seinem Königsdrama The Truth about the Kennedys, über das mein Freund und ich im Anschluss vermutlich so lange diskutieren wer­den, bis wir uns einig sind – was aber noch am selben Abend zu schaffen sein sollte. Ein Wochenende am Bodensee führt mich ins Kunsthaus Bregenz, wo sich die amerikanische Künstlerin Roni Horn auf die außergewöhnliche Architektur des Museums eingelassen hat, sowie in den benachbarten Kunstverein im Magazin 4, der immer wieder mit kleinen, aber inspirierenden Projekten aufwartet. Zürich und Basel, wo im Mai gleich zwei Ausstellungen von Rosemarie Trockel eröffnen, stehen erst im Juni auf meinem Reiseprogramm. Auf dem Weg zu einem privaten Fest in Potsdam mache ich zunächst Station in Nürnberg, wo mich vor allem die Ausstellung des in Berlin lebenden Schweizer Künstlers Shahryar Nashat in den Kunstverein lockt. Zweiter Halt wird dann das Kunstmuseum Wolfsburg sein. Dort untersucht eine hochinteressante Schau den Einfluss von Rudolf Steiner und seinen anthroposopischen Lehren auf die Gegenwartskunst. Um die Hauptstadt fahre ich in diesem Monat also nur herum. Aber die Vorfreude auf die dort Anfang Juni eröffnende Berlin-Biennale wird dadurch nur größer.

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