Akt Now!

Aktfotografie

Akt Now: Jonathan Trousseau
Jonathan Trousseau: Aus der Serie "Ave Adore"

AKT NOW: JONATHAN TROUSSEAU

Er gehört zu den ältesten Themen der Kunstgeschichte: Der Akt. Unsere neue Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Jonathan Trousseau.

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Jonathan Trousseau: Ich mag es, mich eines Themas anzunehmen, das die Leute vielleicht als Tabu verstehen könnten. Genau dieser Twist, der dabei entsteht macht die Arbeit erst interessant und auf einer persönlichen Ebene erfahrbar. Nacktheit ruft so viele tiefe Gefühle in Menschen hervor.

Ich möchte nicht schockieren, aber mit der Nacktheit zu arbeiten, erlaubt es mir Schönheit, Kraft, Verletzlichkeit, Unperfektion oder auch jedes andere Thema, das ich einfangen möchte, sehr stark darzustellen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich glaube nicht, dass ich darüber urteilen kann, was für andere ein Tabu darstellt. Ich kann nur meine eigenen Grenzen erklären. Ich mag es, mit der Kraft der Vorstellung zu spielen, das gibt meinen Fotos eine Art Geheimnis. Meine Bilder mache ich, um Geschichten zu erzählen, ich versuche immer einen Freiraum für die Interpretationen des Betrachters zu lassen.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Obwohl die Pornografie seinen Platz hat, wird sie meistens eingesetzt, um etwas anderes aufzuzeigen und ganz spezielle Gefühle hervorzurufen. Ich denke, wenn ein Kunstwerk Nacktheit aufweist, dann geht es weniger um die Nacktheit an sich, sondern vielmehr um das, was die Nacktheit im Kontext des Werkes repräsentiert.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Ja, mehrere. Richard Kern, ein Ex- Pornodarsteller: Ich finde es beeindruckend, dass er es geschafft hat, seine gesammelten Erfahrungen dafür zu nutzen, um jetzt aufrichtige, bewusst provozierende Fotos zu machen. Terry Richardson: Er hat die besondere Begabung, berühmte Personen als ganz normale Menschen darzustellen und normale Menschen als überdurchschnittlich. Lina Scheynius: Ihr Talent liegt in der Begabung, alltägliche Momente auf eine sehr bedeutungsvolle Art und Weise einzufangen. Ihre Bilder sind so roh und echt, dass das Gefühl aufkommt, Zeuge von wahren Szenen aus ihrem Leben zu werden.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Wenn ich nicht gerade Menschen fotografiere, dann mag ich es, die dreckigen, heruntergekommenen Ecken von den Städten zu porträtieren, in denen ich gelebt habe und die ich gesehen habe. Ich habe nicht das Gefühl, die Dinge, die ich fotografiere, verschönern zu müssen, mein Leben war auch nicht immer ein Zuckerschlecken: In der Realität liegt eine besondere Art von Schönheit.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich würde sehr gerne mal das Filmemachen ausprobieren, besonders Musikvideos zu drehen interessiert mich. Ich habe ein Verlangen danach, Geschichten viel facettenreicher und auf einer anspruchsvolleren Ebene zu erzählen, als ich es beim Fotografieren könnte. Um die Vereinigung von Musik und Bewegung darzustellen, eignet sich das Medium Film sehr. Ich würde aber auch gerne Mal die Gelegenheit bekommen, Modefotografie auszuprobieren.

Steckbrief: Als ich eine Ausstellung in einer Galerie in Sacramento, Kalifornien, vorbereitet habe, entschied ich mich, auch ein paar Fotos mit auszustellen, um Platz zu füllen. Zu meiner großen Überraschung verkaufte ich mehr Fotografien als andere Werke. Ich nahm den Wink an und beschloss, die Fotografien auf einem seriösen Weg zu verkaufen. Kürzlich bin ich von Kalifornien nach Chicago, Illinois, gezogen, in der Hoffnung dort ab nächsten Herbst an der Kunsthochschule studieren zu können.

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