urban art info Berlin

Off-Spaces

Off Spaces: Die Berliner Galerie urban art info
"Ein Wunsch, den wir schon lange hegen, wäre die Galerie in mehrere Überseecontainer umzusiedeln", sagt Jürgen Große. Hier zu sehen: die Außenansicht der Galerie urban art info, mit Blick auf die Installation von "Cream", die Ausstellung war vom 22. Mai bis zum 20. Juni 2009 zu sehen (Foto: Cream)

OFF SPACES: DIE BERLINER GALERIE URBAN ART INFO

Jede Woche präsentiert art die angesagtesten alternativen Kunstorte Deutschlands. Diesmal: Die Galerie urban art info in Berlin.
// SANJA BRANDT

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Jürgen Große: "Squinches and Pendentives" von Swoon und Ben Wolf letztes Jahr im Oktober. Swoon, die schon Anfang 2003 zusammen mit Solovei ihre erste richtige Ausstellung überhaupt bei uns hatte, ist inzwischen ziemlich bekannt, das hat natürlich viele Leute angezogen. Auch damals, in den Räumen in der Brunnenstraße 171, war ihre Ausstellung sehr erfolgreich, was mit Sicherheit daran lag, dass sie mit ihren Scherenschnitten auf der Straße unglaublich präsent war. Ein großer Erfolg in den alten Räumen war auch die Ausstellung "Höchster Genuss – Größte Sicherheit" von Monkey, D.sign, Frank und Kripoe.

Und der größte Misserfolg?

Das war die Ausstellung "Les Éphémères" von Gérard Zlotykamien im Winter 2002/2003. Zlotykamien gilt als der erste Streetartist, seine Arbeiten sind großartig. Der Misserfolg war eher dem Wetter geschuldet. Am Tag der Eröffnung waren es draußen minus 20°C, und so ist kaum jemand zur Eröffnung gekommen, für die SP38 extra französisch gekocht hatte. Auch in den folgenden Wochen ist es sehr kalt und damit leider auch relativ leer geblieben.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Ein Wunsch, den wir schon lange hegen, wäre die Galerie in mehrere Überseecontainer umzusiedeln: zwei oder drei, die zu Ausstellungsraum, Werkstatt und Büroraum umgebaut sind. Ein "mobiles urban art info", das auch an ganz untypischen Orten für eine Weile sesshaft werden kann, um konkrete, ortsbezogene Projekte umzusetzen. Vielleicht findet sich ja irgendwann ein Unterstützer für diese Idee.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz:

Wir zeigen Künstler, die sich in ihren Arbeiten mit städtischen Phänomenen, sozialen Beziehungen, Situationen und Architektur beschäftigen und die Strukturen des Außenraums ungefragt nutzen.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Die Motivation für urban art info liegt in unserer Leidenschaft für gute Kunst; für Kunst, die draußen passiert. Wir wollen jungen Künstlern einen Ausstellungsraum bieten, ihre Projekte zu unterstützen und mit ihnen wachsen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Die Auswahl ist rein subjektiv: Ein Projekt muss uns gefallen. Wir gucken, was und wer uns interessiert und versuchen dann Kontakt aufzunehmen.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

2003, bei der Eröffnung der Ausstellung von SWOON und Solovei, stand ein Eimer weiße Farbe in der Galerie rum. Irgendwer hat ihn geschnappt und ist damit raus gegangen und zwar bis zur Polizeiwache, die nur 30 Meter weiter war. Dort hat er dann die ganze Farbe im Eingang ausgekippt. Da der Eimer ein Loch hatte, führte eine weiße Farbspur direkt zurück zur Galerie. Wir haben das erst am nächsten Tag bemerkt, an dem Abend war ja so viel los. Um von uns abzulenken haben wir schnell die Farbspur bis in den Wedding verlängert. Glücklicherweise hat sich aber ohnehin niemand von der Wache die Mühe gemacht, die Spur zurückzuverfolgen.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Die hört nicht auf.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Wir zeigen zwar eher nichtkommerzielle Ausstellungen und arbeiten mit jungen beziehungsweise unetablierten Künstlern, aber wir bezeichnen uns nicht Off-Space. Wir heißen urban art info und sind eine Galerie. Und wir müssen auch was verkaufen. Schon allein, um die Miete zu bezahlen.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Zunächst, diesen Raum weiter betreiben zu können. Und dann natürlich mehr Besucher, mehr Aufmerksamkeit und eine stabilere finanzielle Basis für gute Ausstellungen.

Fakten, Fakten, Fakten: Gründungsjahr: 2002. Leitung: Jürgen Große Wie viele Helfer/Mitarbeiter: variiert zwischen 2 bis 6. Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: wahrscheinlich um die 40 Std. pro Person und Woche. Ausstellungsfläche: 130 Quadratmeter. Altersdurchschnitt der Besucher: von ganz jung bis alt, aber die meisten sind zwischen 20 und 30. Jahresbudget:

"urban art info"

Adresse: Brückenstraße 1a, 10179 Berlin. Aktuelle Ausstellung: OZ - "Rettet die Erde". Öffnungszeiten: Mi-Fr 15-20 Uhr, Sa 14-19 Uhr

http://www.urban-art.info

info@urban-art.info

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