Bart van der Heide

Kunstverein München

"Malerei als postkonzeptuelle Praxis"
"Ich möchte nicht mit Menschen arbeiten, die bereits alle Antworten parat haben": Bart van der Heide in München (Courtesy Wilfried Petzi, 2009)

"MALEREI ALS POSTKONZEPTUELLE PRAXIS"

Bart van der Heide, 35, niederländischer Kurator, Kunsthistoriker und Autor, ist der neue Direktor des Münchner Kunstvereins. Er tritt die Nachfolge von Stefan Kalmár an, der an den New Yorker Artists Space wechselte. art sprach mit Van der Heide über seine Debütausstellung mit Silke Otto-Knapp, Malerei als Schock und künftige Ziele.
// ALAIN BIEBER

Herr van der Heide, Sie haben in Amsterdam, Rotterdam und London gearbeitet – was hat Sie jetzt an München gereizt?

Bart van der Heide: Als Kurator der Londoner Cubitt Gallery habe ich viele deutsche Künstler ausgestellt. Ich habe dort Einzelausstellungen europäischer Künstler kuratiert, die bisher noch keine Schau in London hatten. Ich wollte damit die verpassten Gelegenheiten aufzeigen, denn die Kunstszene in London ist sehr selbstbezogen und wenig an internationalen Künstlern interessiert.

Woher kommt Ihr Interesse an deutschen Künstlern?

Ich habe mich sehr viel mit der deutschen Geschichte beschäftigt. Und es gibt einfach sehr viele gute Künstler, die gerade in Deutschland leben. Künstler wie Keren Cytter und Harun Farocki haben wir zum Beispiel das erste Mal in London gezeigt.

In München gibt es das Haus der Kunst, die Pinakothek der Moderne, die Sammlung Brandhorst und das Lenbachhaus – alle widmen sich der zeitgenössischen Kunst und verfügen über ein weitaus höheres Budget. Wie wollen Sie da im Kunstverein noch positiv auffallen?

Ich werde ein sehr visuelles Programm präsentieren, vergleichbar mit den letzten Direktoren. Auch in der Vergangenheit wurde versucht, die ästhetische und künstlerische Praxis mit der Kulturwissenschaft zu verbinden. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Außerdem basieren die Ausstellungen bei uns auf einem Prozess: Ich will keine Ausstellungen zeigen, die ich bereits kenne, und ich möchte nicht mit Menschen arbeiten, die bereits alle Antworten parat haben. Ich habe mich bei meinen Ausstellungen immer am Raum und dem Publikum orientiert. Ich recherchiere den Kontext einer Stadt immer sehr genau.

Mit welcher Ausstellung werden Sie Ihr Debüt feiern?

Ich werde am 26. März eine Ausstellung mit der deutschen Malerin Silke Otto-Knapp, die gerade in London lebt, zeigen. Es geht mir dabei um Malerei als postkonzeptuelle Praxis. Ich bringe Malerei zurück in den Kunstverein, ein Medium, das hier seit Dekaden nicht mehr gezeigt wurde, und bin sehr auf die Reaktionen gespannt. Für die Geschichte des Kunstvereins ist das ein Schock, und ich erwarte große Diskussionen. Die meisten Menschen empfinden Malerei als ziemlich konservativ. Ich möchte die Herausforderung nutzen, einen neuen Dialog über die Malerei zu eröffnen. Es geht mir nicht nur darum, was innerhalb des Rahmens passiert, sondern auch außerhalb des Rahmens. Ich zeige Malerei als Bühne und Werkzeug in einem referentiellen System, das zeitgenössische Künstler nutzen.

Wie ist die finanzielle Situation? Meist haben Kunstvereine ja wenig Budget für spektakuläre Ausstellungen?

Man kann auch ohne ein großes Budget viel erreichen und eine ambitionierte Ausstellung machen. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass ich in Zukunft die Mitgliederzahl steigern kann.

Und wie möchten Sie in Erinnerung bleiben?

Ich möchte als der Direktor in Erinnerung bleiben, der den Fokus zurück auf das Programm gelenkt hat. Und Ausstellungen gezeigt hat, die einen bestimmten Grund hatten: Viele der vergangenen Ausstellungen im Kunstverein waren sehr inspirierend für mich, aber sie hätten sonst auch überall sein können. Ich möchte mit dem Ort, dem Erbe und der Identität spielen und zeigen, dass die Eigenheiten des Raumes und einer Stadt bedeutend für gute Ausstellungen sind.

"Silke Otto-Knapp – Many many women"

Termin: 26. März bis 13. Mai 2010, Kunstverein München

http://www.kunstverein-muenchen.de

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